Straßenschild mit der Aufschrift "Straßen im Saarland" (Foto: SR)

Umstrittene Kolonial-"Helden" immer noch Namensgeber

Patrick Wiermer   09.07.2020 | 18:12 Uhr

Lettow-Vorbeck, Karl Peters - sie wurden als deutsche Helden verehrt für ihre Dienste in den deutschen Kolonien in Afrika. Doch sie waren verantwortlich für Tausende Tote in Afrika. Lettow-Vorbeck, Peters und andere umstrittene Personen der Kolonialgeschichte sind in Völklingen nach wie vor Namensgeber von mehreren Straßen. Sollen die Straßenamen geändert werden oder bleiben? Darüber wird in der Stadt schon seit Längerem gestritten.

Die Meinungen in Völklingen sind unterschiedlich

Karl Peters: Für die Nazis ein Held des deutschen Kolonialismus in Afrika, ein ausgewiesener Rassist, der auch für Folter und Tod unzähliger Menschen steht. Es ist einer von fünf Namen auf Straßenschildern auf dem Völklinger Heidstock. Die Straßen wurden in den 50er Jahren nach "Helden" der deutschen Kolonialgeschichte benannt: Lettow-Vorbeck, Lüderitz, Wissmann, Nachtigal und Peters. Und ihre Namen stehen dort noch heute.

„Ich möchte Namen von Straftätern eigentlich nicht auf Straßenschildern lesen"

Werner Michaltzik setzt sich seit Jahren für die Aufarbeitung der Geschichte in Völklingen ein. Der ehemalige Polizeibeamte stört sich vor allem an der Ehrerbietung für Paul von Lettow-Vorbeck und Karl Peters. "Sie haben Menschenleben geopfert für vermeintliche Interessen, auch zum Teil für eigene Interessen", sagt er.

Michaltzik hält Vorträge über die für viele unbequeme Geschichte der Stadt Völklingen. Viele Anwohner wüssten oft nicht, welche Verbrechen eigentlich die Namensgeber ihrer Straßen begangen haben, sagt er. Und er will, dass die fünf Straßen umbenannt werden.

CDU: Umbenennung nur, wenn Mehrheit das will

Dies sei ein stückweit linke Geschichtspolitik, "die mit uns, der CDU in Völklingen, nicht zu machen ist", sagt dazu Stefan Rabel, Fraktionsvorsitzender der CDU im Stadtrat. Eine Umbenennung käme nur infrage, wenn eine Mehrheit der Bevölkerung das wolle. Er ist aber überzeugt, dass für die Mehrheit eine Umbenennung kein Thema sei.

Rabel betont aber auch, dass die kritische Auseinandersetzung mit der Stadtgeschichte wichtig sei. Genau aus diesem Grund dürften die Namen auch nicht verändert werden, sagt er. "Um eine Auseinandersetzung inhaltlich zu führen braucht man auch Anhaltspunkte", und die Straßennamen seien solche Anhaltspunkte.

Oberbürgermeisterin: Umbenennung mit hohem Aufwand verbunden

Die Völklingen Oberbürgermeisterin Christiane Blatt sieht das anders: „Persönlich würde ich nicht in einer Straße wohnen wollen, die nach einem Kriegsverbrecher benannt ist“. Sie sieht allerdings auch den Aufwand, der mit einer Umbenennung verbunden wäre. Straßenschilder und Stadtpläne müssten aktualisiert werden und die Bürgerinnen und Bürger müssten Personalausweise und zahlreiche weitere Dokumente an eine Umbenennung anpassen, sagt sie. Für Werner Michaltzik ist das kein hinreichendes Argument. "Hier geht es um Moral".

Ob die umstrittenen Straßennamen vielleicht doch nochmal Thema im Stadtrat werden, ist offen. Fest steht aber: Für die Zukunft baut die Stadt bereits vor: In Neubaugebieten werden nur noch unverfängliche Namen für neue Straßen vergeben.

Auch Thema auf SR1 in der Sendung "Hallo Saarland" am 09.07.2020

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