Unterricht in Coronazeiten in der Grundschule Wallerfangen (Foto: SR/Simin Sadeghi)

"Stufenweiser Wiedereinstieg nur mit Wechselunterricht"

Simin Sadeghi   09.02.2021 | 13:52 Uhr

Ab dem 22. Februar sollen voraussichtlich zumindest Grundschüler im wöchenlichen Wechsel wieder in die Schule gehen. Was der Saarländische Lehrerinnen- und Lehrerverband (SLLV) davon hält, erklärt dessen Vorsitzende Lisa Brausch im Interview.

Die Kinder sollen zügig wieder in die Schule - in den Wechselunterricht. Darüber waren sich die Bildungsministerinnen und Bildungsminister bei ihrem Treffen am 8. Februar einig. Die saarländische Bildungsministerin Christine Streichert-Clivot (SPD) hat trotz der weiterhin hohen Infektionszahlen im Saarland auch schon ein Datum ins Spiel gebracht: den 22. Februar. Ab dann könnte es eventuell - zumindest für Grundschüler - Wechselunterricht geben, das heißt: Eine Hälfte der Klasse geht in die Schule, die andere Hälfte macht Homeschooling und nach einer Woche wird gewechselt.

Wiedereinstieg nur durch Wechselunterricht

"Wenn die Inzidenzahlen am 22. Februar noch so hoch sind wie jetzt, dann ist es sicherlich zu früh", sagt Lisa Brausch, die Vorsitzende des Saarländischen Lehrerinnen- und Lehrerverbandes. Grundsätzlich sei es aber wichtig, jetzt darüber nachzudenken, wie ein stufenweiser Wiedereinstieg in den Schulalltag aussehen könnte. Der Zeitpunkt sei für sie im Moment eher zweitrangig. Viel bedeutender sei, dass Klarheit herrsche, "dass es nur im wechselweisen Unterricht stattfinden kann, und zwar dort, wo auch wirklich die Hygiene- und Abstandsregeln eingehalten werden können."

"Wechselmodell nur bei einer echten Notbetreuung"

Ein großes Problem sieht Brausch aber darin, "dass man gleichzeitig versucht, weiterhin ein uneingeschränktes pädagogisches Präsenzangebot anzubieten für andere Kinder", so Brausch. Das Wechselmodell funktioniere nur, wenn es parallel dazu auch wirklich nur "eine echte Notbetreuung" gebe. Brausch ist überzeugt, dass der Wechselunterricht nicht funktioniert, wenn das derzeitige Präsenzangebot weiterhin parallel bestehen bleibt.

Auch für die weiterführenden Schulen sieht Brausch erst einmal nur den Wechselunterricht als Möglichkeit. Dabei sollte man mit den jüngeren Schülerinnen und Schülern beginnen und mit denjenigen, die kurz vor ihrem Abschluss stehen.

Regelmäßige Schnelltests an den Schulen

Neben dem Wechselunterricht plädiert Brausch dafür, dass es auch an den Schulen regelmäßige Schnelltests gibt und dass die Lehrkräfte schneller als bisher geplant, geimpft werden können.

Die GEW Saarland schließt sich dieser Forderung an. „Vor der weiteren Öffnung von Schulen und Kitas im Saarland muss es ein Impfangebot für Lehrkräfte, sozialpädagogische Fachkräfte und Erzieher*innen geben“ fordert Birgit Jenni, Vorsitzende der GEW-Saarland.

In der Diskussion um Konzepte und Handlungsempfehlungen zur Öffnung von Schulen und Kitas unter Pandemiebedingungen, darf nach Ansicht der GEW der Schutz der Beschäftigten nicht vernachlässigt werden

Mit der Neufassung der Impfverordnung von Montag ist aber genau dies passiert. Das Personal in Schulen und Kitas ist – wie bisher in der Gruppe 3. Damit ist ein Impfangebot in den nächsten Wochen nicht möglich.

„Hier ist dringend eine Änderung in der Prioritätenliste geboten. In Kitas und auch in Schulen hat das Personal oft engen Kontakt zu Kindern und Jugendlichen; ein früheres Impfangebot für das Personal ist nach Ansicht der GEW Voraussetzung für die weitere Öffnung der Einrichtungen“, so Birgit Jenni.

Die GEW fordert die Landesregierung auf, sich auf Bundesebene dafür einzusetzen, dass Lehrkräfte, sozialpädagogische Fachkräfte und Erzieherinnen in der Prioritätenliste für die Impfreihenfolge weiter nach vorne rücken.


Auch Thema auf SR 1 am 09.02.2021 in der Sendung 'Hallo Saarland'.

Push-Nachrichten von SR.de
Benachrichtungen können jederzeit in den Browser Einstellungen deaktiviert werden.

Datenschutz Nein Ja