Kind im Schwimmbad (Foto: pixabay/fancycrave1)

Weniger Kinder können richtig schwimmen

  05.09.2018 | 06:00 Uhr

Laut DLRG können aktuell 59 Prozent der Grundschüler nicht sicher schwimmen. Das ist ein erschreckendes Ergebnis - denn vor allem im Sommer zieht es viele saarländische Familien ins Schwimmbad oder an Badeseen. Doch woran liegt es?

Haben sich die Fähigkeiten der Kinder in den letzten Jahren verändert? Kathrin Angnes, stellvertretende Leiterin der Verbandskommunikation des DLRG Saarland, erklärt, dass die mangelnde Konzentrationsfähigkeit der Kinder ein großes Problem darstellt.

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Ein weiteres Problem: Mittlerweile gibt es neben sanierungsbedürftigen Schwimmbädern auch schlichtweg zu wenige in den Kommunen. Dadurch entstehen organisatorische Probleme für die DLRG-Ortsverbände, weil sich in einem Schwimmbad mehrere Verbände bezüglich der Nutzungszeiten abstimmen müssen und häufig keine Kurse zu angemessenen Zeiten anbieten können.

Natürlich spielen auch die Eltern eine zentrale Rolle, wenn es darum geht, ob und wie Kinder Schwimmen lernen. Viele Eltern bringen die Kinder zu spät in Anfängerkurse, für die es lange Wartelisten gibt. Mittlerweile sind in den meisten Fällen beide Eltern berufstätig und weniger flexibel als früher. Außerdem sind durch Bäderschließungen die Anfahrtswege weiter geworden. Darüber hinaus fehlt es in vielen Familien auch einfach an Eigeninitiative.

Bäderkonzept sollte ursprünglich helfen

Vor eineinhalb Jahren hat sich aufgrund der negativen Entwicklung das Land eingeschaltet - mit dem sogenannten "Bäderkonzept". Anfang 2017 hatte Sportminister Klaus Bouillon versprochen, 15 Millionen Euro innerhalb von drei Jahren in die Sanierung der saarländischen Bäder und den Neubau eines Lehrschwimmbeckens zu investieren. Seitdem hat sich allerdings nicht allzu viel getan. Es wurde zwar eine verantwortliche Kommission gegründet, die hat sich jedoch erst zwei Mal getroffen - ohne sichtbares Ergebnis.

Wann kommt das Bäderkonzept?
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SR 1-Reporter Marc Drumm zum Stand der Dinge

Schwimmen als Lebensversicherung

Richtig schwimmen zu können, ist für Kinder vor allem im Sommer enorm wichtig. Als sichere Schwimmer gelten Kinder mit dem Jugendschwimmabzeichen Bronze. Um das zu absolvieren, müssen aber gewisse Voraussetzungen erfüllt werden. Viele Schwimmbecken, die von Schulen genutzt werden, können die aber nicht vorweisen - zum Beispiel eine Beckentiefe von zwei Metern. Damit können die Schulen in vielen Fällen nicht realistisch erheben, wer wirklich ein sicherer Schwimmer ist.

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Ein weiteres Problem liegt bei den Sport-Lehrkräften, die oft nicht ausreichend ausgebildet sind oder vor allem in kleineren Grundschulen einfach fehlen, erklärt Bernhard Schmitt, Landesbeauftragter für pädagogische Prävention, im SR1-Interview.

Dagegenwirken kann man zum Beispiel mit Projekten wie "Hilfe für den Grundschulsport", die Lehrer unterstützen und Kinder zum Schwimmen animieren. Außerdem wurde der "Tag des Schwimmens" eingeführt, bei dem Kinder die Möglichkeit haben, das Bronze-Abzeichen kostenlos zu machen.


Auch Thema auf SR 1 am 05.09.2018 in der Sendung 'Balser & Mark. Dein Morgen'.

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