Wanderfalke (Foto: pixabay / Jasmin777)

Greifvögel - streng geschützt und doch gefährdet

Lena Schmidtke   13.07.2021 | 09:30 Uhr

Greifvögel sind gute Jäger und spannend zu beobachten. Allein hier im Saarland brühten viele Arten: Falke, Milan, Mäusebussard, Habicht, Weihe, Sperber. Sie alle sind streng geschützt. Doch die Greifvögel haben mit Problemen zu kämpfen, die die Population gefährden.

„So viele Greifvögel wie wir dieses Jahr in der Hand hatten, hatten wir noch nie“ sagt Jörg Langer vom Tiernotruf Saar. Er sammelt regelmäßig verletzte, verunglückte oder aus dem Nest gefallene Greifvögel ein.

Das Hauptproblem bei jungen Greifvögeln

Innerhalb von zwei Wochen seien es allein 48 junge Turmfalken gewesen, die nicht wieder ins Nest gesetzt werden konnten. Zur Erstversorgung werden die Tiere zu einer Falknerin gebracht und von dort dann in die Greifvogelauffangstation. Hier werden sie soweit aufgepäppelt, dass sie wieder ausgewildert werden können. Einer der Gründe, warum so viele Jungtiere aus dem Nest fallen: „Die Nester werden immer kleiner. Wir bauen mit Materialien, die die Tiere nicht kennen. Bevorzugt sind solche Dachentlüftungslücken – 15-30 Zentimeter groß - das ist eng. Und der am Rand fällt eben runter“, so Langer.

Gefahren für erwachsene Vögel

Die erwachsenen Tiere werden oft zu Verkehrsopfern. „Milan, Bussard und Co. sammeln auch gerne mal ein überfahrenes Tier auf der Autobahn ein - und wird dabei selbst angefahren. Oder er startet auf der Autobahn, kommt in Auf- und Abwinde der Fahrzeuge und liegt dann vor dem nächsten Auto“, so der Tierschützer.

Greifvögel - streng geschützt und doch gefährdet
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Greifvögel - streng geschützt und doch gefährdet

Ein weiteres Problem: Windkraftanlagen. Vor allem Rotmilane und Mäusebussarde kollidieren oft lebensgefährlich.

Auch Nahrungsmangel schlechtes Wetter und Störungen beim Brüten - zum Beispiel durch Wanderer - machen den Greifvögeln zu schaffen.

Und als ob das nicht schon schlimm genug wäre, gebe es auch immer wieder Vergiftungsfälle, sagt der NABU-Ornithologe Christoph Braunberger. Für einige Greifvögel seien auch Hühner und Tauben eine Beute. Es gebe Taubenzüchter, die so ihre Tiere schützen wollen, die ja auch Rennen fliegen und mehrere tausende Euro wert sein können. "Wir haben schon Tauben gefunden, die hatten Giftköder an den Flügeln, sodass, wenn der Vogel reingebissen hätte, direkt das Gift abbekommen hätte,“ sgt Braunberger.

Das Vergiften von Greifvöglen ist jedoch eine schwere Straftat, die mit bis 100.000 Euro und in besonders schlimmen Fällen sogar mit Gefängnis geahndet wird.

Ein Thema in SR 1 'Dein Vormittag im Saarland' am 13.07.2021.

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