Filmplakat des NS-Propagandafilms "Jud Süß" (Foto: Imago/Teutropress)

Aus der Geschichte lernen

Manuela Weichsel   19.09.2019 | 14:48 Uhr

Verbotene Filme schauen und das während der Schulzeit – das stand in dieser Woche bei Realschülern aus Fechingen auf dem Programm. Im Rahmen eines Schulprojektes werden im Filmhaus Saarbrücken NS-Propaganda Filme gezeigt, damit Schülerinnen und Schüler merken, wie die Nazi-Propaganda funktioniert hat und wie leicht sich Fremdenfeindlichkeit oder Antisemitismus in unsere Köpfe schleichen können.

Knapp 20 Schüler sind zusammen mit ihrem Geschichtslehrer zur Vorstellung von „Jud Süß“ gekommen. Ungefähr zwei Reihen im Kinosaal. Als der Spielfilm 1940 regulär im Kino lief, dürften die Säle deutlich voller gewesen sein – der NS-Propaganda-Film war ein richtiger Kassenschlager. 24 Millionen Menschen haben „Jud Süß“ gesehen.

Der Nazi-Propaganda auf der Spur
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Der Nazi-Propaganda auf der Spur

Nach dem Krieg wurde der Film verboten, mittlerweile ist er ein sogenannter „Vorbehaltsfilm“ – darf also nur noch zu Bildungs-Zwecken und mit spezieller Vor- und Nachbereitung gesehen werden. Nach der Vorführung weiß der 14-jährige Lukas auch, warum: "Ich find's erschreckend, wie sie es geschafft haben, die Leute zu manipulieren."

Auf subtile Art und Weise zeichnet Regisseur Veit Harlan das stereotype Bild eines geldgierigen, hinterlistigen und skrupellosen Juden. Den Zuschauern wird vermittelt, bei „Jud Süß“ handele sich um eine wahre Begebenheit. Als der 16-jährige David sich vorstellt, den Film nicht heute – sondern 1940 gesehen zu haben, kann er sich für einen kurzen Moment hineinversetzen in das Gefühl, das viele Zuschauer damals gehabt haben müssen: "Ich hätte einen Hass auf Juden nach dem Film."

Bei Goebbels hat es funktioniert

Gute anderthalb Stunden dauert der Film, ein paar Mal wird gegähnt, aber insgesamt verfolgen die Schüler das Geschehen auf der Leinwand sehr aufmerksam. Und das, obwohl der Film über 80 Jahre alt ist, schwarz-weiß und in mäßiger Tonqualität. Damals war Jud Süß das Neueste vom Neusten, erklärt Burhhard Jellonek, der die Veranstaltung leitet. "Die Filmtechnik ist außergewöhnlich gewesen. Goebbels und seine Leute haben dafür gesorgt, dass für den Film alles in Bewegung gesetzt wurde."

Für Goebbels war der Film ein voller Erfolg. Er sei "ausgezeichnet geworden. Der erste wirklich antisemitische Film", soll der Reichspropagandaminister in sein Tagebuch geschrieben haben.

Heute dienen die Filme der Prävention

Bei dem Kinoseminar geht es aber nicht nur um Geschichtsunterricht, sondern auch um Prävention vor Fremdenfeindlichkeit. Historiker Jellonnek erkennt nämlich Parallelen zur heutigen Zeit. "Wir erleben ja, dass wir inzwischen ähnlich unterwegs sind, wie es im Dritten Reich gewesen ist." Es gebe heute Mitglieder in unserer Gesellschaft, die ausgrenzen. Die Hauptangriffsgruppe seien inzwischen Muslime. "Da muss ich mir an der Stelle auch sehr viele Sorgen machen", so Jellonek.


Auch Thema auf SR 1 am 19.09.2019 in der Sendung 'Hallo Saarland'.

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