Ein vollgepackter Einkaufswagen (Foto: Imago/Geisser)

Sammeln und horten

  24.04.2018 | 00:00 Uhr

Die einen kaufen palettenweise Duschzeug, weil es im Angebot ist, die anderen haben Vorräte für mehrere Monate im Regal oder löschen kein Foto von ihrem Handy. Woher kommt diese Sammelleidenschaft? Und wie viel Vorratshaltung ist noch normal?

Was die Saarländer so alles horten und wie viel Vorratshaltung noch normal ist, darüber haben wir mit Psychologin Carola Hoffmann gesprochen.

Es gibt verschiedene Beweggründe, warum viele so gerne Vorräte anlegen. Dieses Verhalten ist zum Teil evolutionär bedingt, resultiert aber auch aus Erfahrungen und Erziehung. Gerade Menschen der Nachkriegsgeneration seien darauf geprägt, für schlechte Zeiten zu sammeln und Vorräte anzuhäufen, sagt Psychologin Carola Hoffmann. Dahinter stehe das Knappheitsprinzip: die Angst, dass es irgendwann nicht mehr genug von etwas geben könnte.

Sammeln gibt Sicherheit

Wer auf Vorrat kauft oder bestimmte Dinge sammelt, muss sich keine Sorgen um seine geistige Gesundheit machen. „Durch das Anhäufen und durch das Demonstrieren von Dingen gewinnen Menschen Orientierung“, erklärt Carola Hoffmann. Souvenirs und Fotos schaffen z.B. Erinnerungswerte. Wir werfen sie ungern weg, selbst, wenn sie hässlich sind, weil sie uns an bestimmte Episoden oder Ereignisse in unserem Leben erinnern.

Vorräte zu horten kann uns laut Hoffmann ein Gefühl von Kontrolle über unser Leben geben. Das schafft Sicherheit. In einem gewissen Rahmen ist das unproblematisch oder sogar vorteilhaft, etwa bei der Altersvorsorge oder ganz einfach, wenn spontan Gäste kommen.

Horten gegen die Angst

Krankhaft wird es, wenn die Sammelleidenschaft und der Kontrollzwang ins Extreme abdriften. Dahinter stecke oft eine Angststörung, sagt die Psychologin. Messies horten alles und können nichts mehr wegwerfen, auch unnütze Sachen wie z.B. Plastiktüten und abgelaufene Lebensmittel. Durch das Anhäufen von Dingen versuchen sie laut der Psychologin, ihre Ängste zu kompensieren. Sie sieht auch die „Prepper“ kritisch, die sich auf große Katastrophen vorbereiten und vorsorglich überlebenswichtige Vorräte anlegen. Auch hier stecke oft ein starker Angsttrieb sowie Kontrollsucht dahinter.

Auch Thema in "Balser & Mark. Dein Morgen" am 25.04.2018 auf SR 1.

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