Foto: ZF Friedrichshafen AG/Pressefoto

Saarwirtschaft in der Krise

  30.09.2019 | 06:51 Uhr

Die Saarbrücker Gusswerke kämpfen ums Überleben. Autozulieferer ZF will Arbeitsplätze verlagern. Die Stahl-Holding-Saar kündigt einen drastischen Stellenabbau an. Festo will die Arbeitszeit herunterfahren. Was ist los in der saarländischen Wirtschaft?

Eine Hiobsbotschaft nach der anderen

ZF und Saarstahl gehören zu den größten Arbeitgebern im Saarland. Und wollen in den kommenden Jahren Tausende Stellen abbauen. Der Autozulieferer ZF will Teile seiner Produktion ins Ausland verlagern. Die Gewerkschaft IG Metall befürchtet, dass dadurch ab 2023 jeder vierte ZF-Mitarbeiter im Saarland seinen Arbeitsplatz verlieren könnte. Rund 2225 Jobs wären damit in Gefahr.

Auch bei der Stahl-Holding-Saar sollen Arbeitsplätze entfallen. Zur Stahl-Holding-Saar gehören unter anderem Saarstahl, Saar Stahlbau, die Dillinger Hütte, ZKS/Rogesa und die Metallurgische Gesellschaft Saar (MGS). In den kommenden drei Jahren will man hier 1500 Stellen abbauen sowie 1000 Stellen auslagern. Dadurch sollen 250 Millionen Euro eingespart werden.

Dann hat Festo mitgeteilt, an allen Standorten, also auch in St. Ingbert, die Arbeitszeit reduzieren zu wollen. Die Gusswerke Saarbrücken haben schon 200 Stellen abgebaut und dennoch Insolvenz in Eigenverwaltung angemeldet. Hier sind unter anderem Abfindungszahlungen ausgeblieben. Die Produktion läuft zumindest weiter. Bei Ford in Saarlouis wurde im Sommer die letzte Nachtschicht gefahren. Auch hier wurden bereits mehr als 1500 Jobs abgebaut.

Alles Einzelfälle? Oder geht die Saarwirtschaft insgesamt schweren Zeiten entgegen?

Bundeshilfen gefordert

Die Arbeitskammer des Saarlandes hat angesichts der Nachrichten über Krisen von Unternehmen in der Stahl- und Autozuliefererbranche im Saarland Unterstützung von Bundesseite gefordert. Das Land brauche jetzt spürbare Strukturhilfen, um die anstehenden Veränderungen zu bewältigen. Nur mit Hilfen könnten mögliche Arbeitsplatzverluste sozial verträglich kompensiert werden. Auch Ministerpräsident Tobias Hans (CDU) und Wirtschaftsministerin Anke Rehlinger (SPD) haben die Bundesregierung aufgefordert, der heimischen Automobil- und Stahlindustrie unter die Arme zu greifen.

Heino Klingen von der Industrie- und Handelskammer sieht die Ursachen für die Krise in internationalen Handelskonflikten und Unsicherheitsfaktoren wie beispielsweise dem Brexit. Das bereitet der exportorientierten saarländischen Wirtschaft Probleme.

Die Globalisierung bringt starken Wettbewerb und hohen Kostendruck mit sich. Stahl aus Europa ist zu teuer. Auch die saarländische Stahlbranche hat u. a. mit Zöllen und CO2-Kosten zu kämpfen. Und strebt den Umbau auf eine CO2-neutrale Produktion an.

Die Automobil-Industrie steckt zudem im Umbruch. Wie sieht das Auto der Zukunft aus? Liegt diese Zukunft in der Elektromobilität? Auch mit Wasserstoff angetriebene Fahrzeuge, zum Beispiel LKWs, hätten gute Chancen am Markt, so das Institut der Deutschen Wirtschaft.

Die Zukunft ist digital

Doch die Digitalisierung kostet Arbeitsplätze, vieles können Roboter erledigen. Trotzdem liegt hier die Zukunft. Und dafür ist das Saarland durchaus gut aufgestellt. Zum Beispiel mit dem Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz und dem CIPSPA Helmholtz-Zentrum für Cybersicherheit an der Universität des Saarlandes.

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Festo reduziert Arbeitszeit
Der Automatisierungsspezialist Festo reduziert an den deutschen Standorten die Arbeitszeit. Nach Unternehmensangaben sind vor allem Aufträge aus der Auto- und Textilindustrie rückläufig.


Stahl-Holding-Saar will 1500 Stellen abbauen
Die Stahl-Holding-Saar (SHS) will in den kommenden drei Jahren 1500 Stellen abbauen sowie 1000 Stellen auslagern. Das teilte der Vorstand auf einer Pressekonferenz mit. Zuvor wurden die Mitarbeiter intern darüber informiert.


Jeder vierte Arbeitsplatz bei ZF Saarbrücken könnte wegfallen
Die Gewerkschaft IG Metall befürchtet, dass ab 2023 jeder vierte ZF-Mitarbeiter im Saarland seinen Arbeitsplatz verliert. Das beträfe laut Gewerkschaft rund 2225 Jobs. Der Autozulieferer hatte angekündigt, Teile seiner Produktion ins Ausland verlagern zu wollen. Darüber wurden am Donnerstag die Mitarbeiter im Werk Saarbrücken informiert.


Insolvenzantrag bei Gusswerke Saarbrücken
Bei den Gusswerken Saarbrücken wird ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung durchgeführt. Trotz ausstehender Löhne läuft die Produktion vorerst weiter. Bis das Insolvenzgeld gezahlt wird, vergehen allerdings noch einige Tage.



Auch Thema auf SR 1 am 30.09.2019 in der Sendung 'Balser & Mark. Dein Morgen'

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