Die rot-weße Flagge von Polen (Foto: Pixabay/kaboompics)

Eine Partnerschaft mit homophoben Städten?

Lisa Krauser   12.05.2021 | 14:00 Uhr

Der Saarpfalz-Kreis pflegt schon lange eine Partnerschaft mit einem Landkreis in Polen. Jetzt ist geplant, mit einem zweiten Landkreis eien Partnerschaft einzugehen. Allerdings: Wie inzwischen in vielen Regionen Polens werden auch hier Menschen diskriminiert, die schwul, lesbisch, bi- oder transsexuell sind. Wie kann eine Partnerschaft unter diesen Umständen aussehen?

Partnergemeinden in Polen: Wie umgehen mit den "LGBT-freien Zonen"?
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Partnergemeinden in Polen: Wie umgehen mit den "LGBT-freien Zonen"?

Städtepartnerschaften haben eine lange Traditon - auch im Saarland. Es gibt Partnerschaften mit Gemeinden beispielsweise in Frankreich, Italien, Israel, Griechenland, Brasilien und Polen. Ziel dieser Partnerschaften ist ein kulturell und wirtschaftlich Austauch und der Aufbau von Freundschaften. Doch was tun, wenn in der Partnergemeinde gegen grundlegende Werte verstoßen wird?

Im rechts-konservativ regierten Polen zeigen sich mitterweile zahlreiche Städte und Gemeinden offen homophob. Etwa ein Drittel Polens hat sich in den letzten Jahren zur sogenannten "LGBT-freien Zone" erklärt. LGBT steht für lesbisch, schwul, bi, und trans.

Die polnische Charta der Familienrechte

Der polnische Landkreis Lancut ist zwar keine LGBT-freie Zone, hat aber die Charta der Familienrechte verabschiedet. Das sei höchst problematisch, findet der 23-jährige Luca Wagner (SPD). Er ist Mitglied im Kreistag des Saarpfalz-Kreises.

In der Charta werde ein sehr enger Familienbegriff genutzt. Nur Mann, Frau und Kind gelten als Familie. Alle anderen Formen würden als schädlich erachtet und bekämpft. Das führe soweit, dass Gemeinden und Organisationen, die einen anderen Familienbegriff postulierten, keine Gelder mehr erhielten. Aus hiesiger Sicht ein klarer Fall von Diskriminierung. Deshalb hat Wagner sich enthalten, als der Kreistag des Saarpfalz-Kreises darüber abgestimmt hat, ob Lancut neue Partner-Region werden soll. Es gehe darum, ein Zeichen zu setzen.

Landrat Gallo setzt auf offenen Dialog als Gegengewicht

Doch die Partnerschaft kommt. Der Landkreistag hat ihr mit großer Mehrheit zugestimmt. Landrat Theophil Gallo (SPD) hat für die Partnerschaft geworben. Er ist auch Vorsitzender der deutsch-polnischen Gesellschaft Saar. Sein Argument: Vor allem die Schüleraustausche, die seit Jahrzehnten stattfinden, müssten unterstützt und gefördert werden. Diese Tradition dürfe man nicht aufgeben. Wenn homosexuelle Menschen im Partner-Landkreis diskriminiert würden, sei es wichtig, Brücken zu bauen.

"Je schwieriger die Großwetterlage ist - und die ist in Polen schwierig - desto mehr müssen wir auf der zivilgesellschaftlichen Ebene den Kontakt zu den Menschen dort suchen um die Chance zu haben, die Voruteile, die man dort streut und aufbaut, die Gerüchte und Fake News abzubauen", sagt Gallo. Es gehe darum zu vermitteln, dass es auch noch etwas anderes gebe, als es die eigene Regierung vorgebe. " Und die Chance kriegen wir nur, wenn wir den offenen Dialog suchen und führen", sagt Gallo.

Er habe letztes Jahr in einem Brief an den polnischen Landrat von Lancut angekündigt, dass offen über die Diskriminierung gesprochen werden müsse. Inzwischen gebe es ein gutes Vertrauensverhaltnis, und das sei Grundlage, um offen zu reden, wenn wieder persönliche Treffen möglich seien.

Europa-Staatssekretär: Dialog statt Brücken abreißen

Auch Roland Theis, Europa-Staatssekretär (CDU), plädiert dafür, die Brücken nach Polen nicht abzureißen. "Ich glaube, wenn man Veränderung will - bei sich oder eben in dem Fall auch in einer gesellschaftlichen Debatte bei unseren Nachbarn - dann erreicht man dies nicht, indem man den Dialog mit allen abbricht, sondern indem man den Dialog mit der Zivilgesellschaft sucht." Gleichzeitig müsse gegenüber den politisch Handelnden aber auch ein klares Wort gesprochen werden, so Theis.

Luca Wagner glaubt daran, dass persönliche Begegnungen zwischen Bürgerinenn und Bürgern etwas bewirken können. Deshalb hat er sich, trotz großer Bedenken, bei der Abstimmung enthalten und nicht gegen die neue Partnerschaft gestimmt.

Ein Thema auf SR 1 in der Sendung "Hallo Saarland" am 12.05.2021

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