Eine Frau streicht G8 auf einer Tafel aus - auf der anderen Tafelseite steht G9 (Foto: picture alliance / dpa | Armin Weigel)

Zurück zu G9 darf die Schüler nicht schlechter stellen

  19.10.2022 | 00:00 Uhr

Ab dem kommenden Schuljahr können die Gymnasiasten im Saarland das Abitur wieder nach neun Jahren ablegen. Das Gesetz dazu hat die Landesregierung jetzt auf den Weg gebracht. Das Bildungsministerium hat zudem den Entwurf einer Stundentafel vorgestellt.

Demnach soll sich für die Schüler die Zahl der Unterrichtsstunden pro Woche verringern, in Klasse 5 zum Beispiel von 30 auf 28 Stunden, in Klasse 9 sogar von 34 auf 30 Stunden. Durch das zusätzliche Jahr haben die Schüler aber insgesamt mehr Unterricht als bei G8 - mit 178 Jahreswochenstunden allerdings weniger als Schüler in anderen Bundesländern.

Video [aktueller bericht, 18.10.2022, Länge: 3:16 Min.]
Landesregierung bringt G9-Reform auf den Weg

Gewünschte Entlastung

Ziel sei, so das Ministerium, die Schüler zu entlasten und den vollgepackten Schulalltag zu entzerren. Dies wird vom Philologenverband wie auch von der Landeselternvertretung begrüßt. „Die große Stärke der 178 Stunden besteht in einer Entlastung der Schüler und Lehrkräfte“, erklärt der Vorsitzende des saarländischen Philologenverbandes Marcus Hahn. Und auch Katja Oltmanns, die Vorsitzende der Landeselternvertretung Gymnasien im Saarland betont, dass sich die Eltern eine solche Entlastung der Schüler gewünscht haben.

Kernfächer nicht vernachlässigen

Dass die saarländischen Schüler im Vergleich zu anderen Bundesländern insgesamt jedoch weniger Unterricht haben sollen, sehen Katja Oltmanns und Marcus Hahn kritisch. Am Ende der Sekundarstufe 1 dürften saarländische Schülerinnen und Schüler deshalb nicht schlechter dastehen: “Nach der 10. Klasse sollte man schon einen gewissen Wissensstand haben, damit man problemlos in die Oberstufe gehen oder weitermachen kann. Da müssen wir schauen, dass die Qualität an den saarländischen Gymnasien durch diese Reduzierung nicht schlechter wird“, so Oltmanns.

Das Gesamtkonzept müsse stimmig sein und den Herausforderungen der Zukunft gerecht werden, betont auch Marcus Hahn. Einzelne Fächer dürften dabei nicht zu kurz kommen. Dass in der 6. Klasse etwa jeweils eine Stunde weniger Deutsch und Mathematik auf dem Stundenplan stehen, kommt daher nicht so gut an. Denn, obwohl man mehr Stunden zur Verfügung habe, ausgerechnet in solchen Kernfächern zu sparen, in denen wichtige Bildungsgrundlagen gelegt werden, sei Eltern, Schülern und Lehrern nicht vermittelbar, so Hahn.

Wie zurück zu G9?
Audio [SR 1, Carolin Dylla, 19.10.2022, Länge: 02:18 Min.]
Wie zurück zu G9?

Kinder nicht pauschal versetzen

Zu der G9-Reform gehört auch, dass Fünftklässler künftig nicht mehr sitzenbleiben können. Auch davon sind Oltmanns und Hahn nicht begeistert. Das Ziel, den Kindern mehr Zeit zu geben, sich an das Gymnasium zu gewöhnen, werde damit nicht erreicht. Im Gegenteil, so Hahn, denn die, die sitzen blieben, hätten ja ein Jahr mehr Zeit zur Eingewöhnung. Zudem gebe es individuelle Förderkonzepte an den Gymnasien.

Auch Oltmanns bezweifelt, dass Schülern mit Lücken und Problemen mit einer automatischen Versetzung geholfen werde. Denn die nächste Klassenstufe stelle weitere Anforderungen wie eine zweite Fremdsprache. Es sei besser, individuell zu entscheiden als pauschal alle zu versetzen.

Rückkehr zu G9: Reaktionen von Marcus Hahn und Katja Oltmanns
Audio [SR 1, Frank Falkenauer und Kerstin Mark, 19.10.2022, Länge: 02:20 Min.]
Rückkehr zu G9: Reaktionen von Marcus Hahn und Katja Oltmanns

Problem Lehrermangel

Die saarländischen Gymnasien brauchen mehr Lehrkräfte. Zum einen durch die Rückkehr zu G9, zum anderen steht ab Klasse 7 künftig auch das Fach Informatik auf dem Lehrplan.

Doch schon jetzt herrscht akuter Lehrermangel. Das Bildungsministerium erklärte dazu, dass derzeit besonders viele Lehrkräfte erkrankt seien, hinzu kämen schwangere Lehrerinnen, die nicht in Präsenz arbeiten dürften. Vertretungskräfte seien bereits alle im Einsatz.

Mittelfristig soll sich die Lage aber verbessern. Im kommenden Jahr will das Ministerium für alle Schulformen insgesamt 146 neue Planstellen schaffen. Um auch geeignete Bewerber dafür zu finden, sollen Referendariats-Plätze schneller zugesagt und auch Quereinsteigern mehr Möglichkeiten geboten werden.

Video [aktueller bericht, 18.10.2022, Länge: 3:35 Min.]
Max Hewer: „Der Lehrermangel ist weiterhin ein Problem“
Max Hewer von der Gewerkschaft GEW spricht im Interview über die Möglichkeiten durch die Rückkehr zu G9. Außerdem prangert er den Lehrermangel an, der weiterhin ein akutes Problem darstellt.


Auch Thema am 19.10.2022 in der Sendung 'SR 1 - Die Morningshow'.

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