Closed Schild (Foto: pixabay/ BenediktGeyer)

Saarländische Frisöre in Nöten

  28.01.2022 | 00:00 Uhr

Wer nicht arbeiten kann, der hat auch kein Einkommen. Frisöre verdienen in normalen Zeiten schon nicht sehr viel. Doch derzeit klingelt gar kein Geld in der Kasse. Das können viele nicht mehr lange durchhalten.

Existenzsorgen

Bereits der erste Lockdown war für viele Selbständige nicht einfach. Jetzt sind viele Läden schon wieder seit Wochen geschlossen. Auch die Frisörläden. Rund 1100 gibt es davon im Saarland. Für sie heißt es, wie für viele andere auch: keine Kunden - keine Einnahmen. Aber Kosten.

Das geht an die Substanz. Und bringt inzwischen so manchen in Existenznot. Einige haben bereits ihre Jobs verloren. Und der Landesinnungsmeister der Frisöre, Mike Ulrich, rechnet damit, dass es noch mehr werden. Er kennt Kollegen, die ihr Geschäft verkaufen wollen, und geht auch davon aus, dass in den nächsten Wochen und Monaten mit Sicherheit einige Frisöre ihren Laden nicht mehr aufmachen werden.

Frisör-Tourismus

So mancher, dem das Pony über die Augen gewachsen ist, greift daher jetzt eben mal selber zur Schere. Das ist nicht so schlimm, denn alles, was daneben geht, wächst ja wieder raus; das kann jeder Frisör nach dem Lockdown wieder in Form bringen.

Weniger Verständnis haben die Frisöre dafür, dass auf diese Weise die Schwarzarbeit gefördert wird, bei der dann die Hygiene-Maßnahmen nicht eingehalten und Menschen gefährdet werden, beklagt Stefanie Müller von der Landesinnung Friseure und Kosmetik Saarland.

Innungsmeister Mike Ulrich beklagt den Friseurtourismus-Boom
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Innungsmeister Mike Ulrich beklagt den Friseurtourismus-Boom

Bedauerlich ist auch, dass es eine Art Frisör-Tourismus nach Frankreich und Luxemburg gibt, weil dort die Salons geöffnet sind. Landesinnungsmeister Mike Ulrich bedauert das sehr: „Lieber mal zwei Wochen warten, denn zwei Zentimeter Haare länger tun nicht weh. Da sollte man vielleicht auch an die Geschäfte hier denken, dass man die im Nachgang noch mal unterstützt und das Geld vielleicht doch im Saarland lässt.“

Kaum staatliche Hilfen bisher

Auch für viele Azubis fehlt derzeit eine Perspektive. So mancher Salon wird sie nicht übernehmen können, weil ihm dafür das Geld fehlt.

Staatliche Hilfen sind bislang erst bei wenigen angekommen. Viele hoffen auf die so genannte Überbrückungshilfe III. Doch dieses Geld ist für die Betroffenen noch in weiter Ferne, denn derzeit kann man dafür noch nicht einmal den Antrag stellen. "Das ist ein Ärgernis auch für uns als Landeswirtschaftsministerium", erklärt Julian Lange, der Sprecher des saarländischen Wirtschaftsministeriums."Wir haben auch den Bundeswirtschaftsminister gedrängt, dass das schneller gehen muss." Aber ohne Erfolg: "Das Bundeswirtschaftsministerium hat die Anträge noch nicht freigegeben," so Lange.

So bleibt den Frisören nur, darauf zu hoffen, dass sie bald wieder arbeiten dürfen. Landesinnungsmeister Mike Ulrich glaubt allerdings nicht daran, dass der 15. Februar 2021 zu halten sein wird, auch wenn das hilfreich wäre. Durch die Virus-Mutationen ist die Lage derzeit doch recht unklar. "Ich rechne mit dem 1. März," sagt Ulrich.

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Auch Thema auf SR 1 am 28.01.2021 in der Sendung 'Dein Morgen im Saarland'.

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