Wer seinem Kind ein Smartphone anschafft, sollte grundlegende Regeln aufstellen. (Foto: Pixabay/3dman_eu)

Riskante Spiele-Apps

  23.04.2018 | 00:00 Uhr

Spiele-Apps sind bei Kindern beliebt, aber fast alle weisen Mängel auf. Ungesicherte Chats, versteckte Werbung, In-App-Käufe und Datenschutz sind häufige Probleme. Damit Eltern und Erzieher besser durchblicken, hat Jugendschutz.net die Internetseite app-geprüft.net entwickelt: Diese bewertet den Kinderschutz bei beliebten Spiele-Apps und gibt Tipps zur sicheren Nutzung.

99 von 100 bei Kindern beliebten Apps sind den Prüfern von jugendschutz.net im Umgang mit Kinder-, Daten- und Verbraucherschutz negativ aufgefallen. Über 60 Prozent zeigen sogar so gravierende Mängel, dass sie in mindestens einer Prüfkategorie als sehr riskant eingestuft wurden.

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Risiken und Nebenwirkungen von Apps
Informationen von Marlen Korn von jugendschutz.net

Schlecht gesicherte Chats

Ein großes Problem sind schlecht gesicherte Chats. Laut Marlen Korn von jugendschutz.net gibt es oft weder Blockier- und Meldefunktionen, noch eine Moderation. Das öffnet sowohl Cybermobbing als auch Cybergrooming die Tür. Beim Cybergrooming versuchen Täter, Minderjährige gezielt zu sexuellen Handlungen zu überreden. Aufgrund fehlender Meldemöglichkeiten lassen sie sich nur schwer zurückverfolgen.

In-App-Käufe und versteckte Werbung

Viele App-Entwickler drängen Kinder dazu, Geld auszugeben. In-App-Käufe sind dabei das größte Problem. Die Spiele selbst sind meist kostenlos und locken mit leichten Einstiegslevels. Doch mit der Zeit steigt der Schwierkeitsgrad. Wer weiterkommen will, wird dazu angeregt, zusätzliche Items zu kaufen oder gegen eine Gebühr Wartezeiten zu verkürzen.

Zudem enthalten zahlreiche Apps Werbung, die für Kinder nicht als solche zu erkennen ist, weil sie sich mit dem Spielinhalt vermischt. In manchen Fällen werden Kinder sogar mit Belohnungen animiert, sich Werbespots anzuschauen.

Datenschutzprobleme

Bei Recherche hat jugendschutz.net festgestellt, dass sehr viele Apps Tracking-IDs vergeben, mit denen der Nutzer über die App zurückverfolgt werden kann. Oft werden diese ID´s über mehrere Spiele des Herstellers hinweg genutzt. So können Profile erstellt und gezielt Werbung ausgespielt werden.

Für Kinder geeignet?

Ob eine App wirklich kindgerecht ist, lässt sich nicht so einfach herausfinden. Zwar gibt es Altersangaben in den Stores, aber die beziehen sich nur auf den Spielinhalt. Deshalb hat jugendschutz.net das Internetangebot app-geprüft.net erstellt.


Mit einem Ampelsystem werden Apps nach fünf großen Kategorien bewertet: Kinderschutz, Werbung, In-App-Käufe, Datenschutz und Verbraucherschutz. 100 Apps für Android und Apple sind dort gelistet. Dabei handelt es sich nicht nur um reine Kinder-Apps, sondern auch solche, die für Kinder interessant sind. Die Auswahl orientiert sich an den Top-Listen der App-Stores, berücksichtigt aber auch Beschwerden über Apps, sowie aktuelle Studien, Berichterstattung oder Trends. Alle Informationen werden kontinuierlich aktualisiert und überprüft.

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99 von 100 Spiele-Apps für Kinder weisen Mängel bei Kinder-, Daten- und Verbraucherschutz auf. Das ergaben Recherchen von jugendschutz.net. Deshalb hat das Kompetenzzentrum für Jugendschutz im Internet die Website app-geprüft.net als Informationsangebot für Eltern und pädagogische Fachkräfte gestartet.

Auch Thema in "Balser und Mark. Dein Morgen" am 23.04.2018 auf SR 1.

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