Foto: imago/Bild 13

Harte Strafen für Rettungsgassen-Blockierer

  19.10.2017 | 13:00 Uhr

Bei stockendem Verkehr oder Stau auf mehrspurigen Fahrbahnen ist eine so genannte Rettungsgasse enorm wichtig. Sie ist für Fahrzeuge mit Blaulicht gedacht, die schnellstmöglich zum Unfallort vordringen müssen. Wer sich nicht daran hält, muss mit hohen Bußgeldern rechnen. Viele Autofahrer wissen allerdings gar nicht, wie man eine Rettungsgasse bildet. Kein Problem: Das erfahrt Ihr hier.

Wer bislang eine Rettungsgasse blockierte, kam glimpflich davon: 20 Euro wurden dafür fällig. Der Bundesrat hat nun die Strafen drastisch erhöht. Künftig kostet das Vergehen mindestens das Zehnfache, also 200 Euro. In besonders schweren Fällen kann die Strafe sogar bis zu 320 Euro betragen. Außerdem kann zusätzlich ein einmonatiges Fahrverbot verhängt werden.

Eine Rettungsgasse zu bilden, ist Pflicht

Schon bei Schritttempo, stockendem Vekehr und auch bei einem Stau auf mehrspurigen Straßen sind alle Autofahrer verpflichtet, eine Rettungsgasse freizumachen. Dabei ist die Rettungsgasse immer zwischen dem äußersten linken und den übrigen Fahrstreifen zu bilden. 

Fährt man also auf dem linken Fahrstreifen, dann weicht man so weit wie möglich nach links aus.

Ist man auf einem der übrigen Fahrstreifen unterwegs, fährt man so weit wie möglich nach rechts.


Video: So geht's:

Warum ist eine Rettungsgasse so wichtig?
Audio
Warum ist eine Rettungsgasse so wichtig?


Damit man genügend Raum zum Ausweichen hat, sollte man daher immer auf ausreichenden Abstand zum Vordermann achten. Auf keinen Fall sollte man sich von der linken Spur noch in die rechte drängen oder gar auf die Gegenfahrbahn ausweichen wollen.

Beim Bilden der Rettungsgasse sollte der Standstreifen so gut es geht freigehalten werden. Wenn aber nicht genügend Platz ist, darf man ihn durchaus nutzen, erklärt der Verkehrssicherheitsbeauftragte im Saarland, Bernd Brutscher. Denn wichtiger ist, dass die Rettungsfahrzeuge so schnell es geht zum Einsatzort gelangen können.

Denn für die Arbeit der Rettungskräfte und für die Opfer kommt es auf jede Minute an. Das kann oft entscheidend sein für das Überleben der Unfallopfer oder die Schwere ihrer Verletzungen.

Es drohen härtere Strafen

Der Bundesrat hat am vergangenen Freitag eine Verschärfung der Strafen für Rettungsgassenblockierer beschlossen. Denn es muss, sobald nur noch Schrittgeschwindigkeit gefahren werden kann, sofort eine Rettungsgasse gebildet werden. Blockierer müssen jetzt mit satten Bußgeldern rechen: Wer keine Rettungsgasse bildet, zahlt künftig 200 Euro, wer Einsatzkräfte behindert sogar 240 bis 320 Euro, dazu gibt's einen Monat Fahrverbot. Bisher wurden Verstöße mit 20 Euro bestraft.

Kampf den Gaffern

Genauso hinderlich und unentschuldbar wie Rettungsgassenblockierer sind so genannte Gaffer, die am Unfallort stehen bleiben und möglicherweise das Ganze sogar noch filmen. Ihre Zahl nimmt immer mehr zu, erklärt DRK Präsident Michael Burkert. Dieses Verhalten ist nicht nur ethisch und gesellschaftlich bedenklich, es behindert und beeinträchtigt auch die Rettungskräfte, so Burkert. Im Saarland soll daher in Zukunft den Gaffern durch eine Sichtschutzwand der Blick auf das Unfallgeschehen genommen werden, kündigt der Verkehrssicherheitsbeauftragte im Saarland, Bernd Brutscher, an.

Blick über die Grenze

In Frankreich und Spanien gibt es zur Rettungsgasse zwar keine konkrete Regel wie bei uns, aber Rettungsfahrzeugen muss man in jedem Fall Platz machen.

In Österreich gilt dieselbe Regel wie bei uns, die Strafen sind allerdings um ein Vielfaches höher: Wer keine Rettungsgasse bildet, kann mit bis zu 726 Euro belangt werden, wer Einsatzfahrzeuge behindert, muss mit einer Strafe von bis zu 2180 Euro rechnen.

In Tschechien wird auf Straßen mit zwei Fahrspuren die Rettungsgasse in der Mitte gebildet. Bei mehr Fahrspuren muss - anders als in anderen Ländern - eine Gasse zwischen der mittleren und der rechten Fahrspur frei bleiben.

In Großbritannien wird der Seitenstreifen, also die Standspur als Rettungsgasse verwendet. Diese Spur verläuft wegen des Linksverkehr ganz links.


Thema auf SR 1 am 20.11.2018 in der Sendung 'Hallo Saarland'.

Artikel mit anderen teilen