ICE fährt in Bahnhof ein  (Foto: SR)

Reservierungspflicht in Zügen sinnvoll?

  11.08.2020 | 19:26 Uhr

Trotz Corona nimmt die Zahl der Reisenden in Deutschland wieder zu. Vor allem in Zügen kann dabei oft kein ausreichender Abstand zwischen den Passagieren gewährleistet werden. Wäre eine Reservierungspflicht sinnvoll? Die Bahn lehnt das ab. Auch Karl-Peter Naumann vom Fahrgastverband Pro Bahn spricht sich im SR 1 Interview dagegen aus.

Pro Bahn gegen eine Reservierungspflicht bei Zugfahrten
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Pro Bahn gegen eine Reservierungspflicht bei Zugfahrten
Karl-Peter Naumann vom Fahrgastverband Pro Bahn im SR 1 Interview

In deutschen Zügen wird es unter anderem aufgrund der starken Zunahme inländischer Reisen immer voller. Oftmals kann der vorgeschriebene Mindestabstand nicht eingehalten werden. Um Reisende besser vor Infektionen zu schützen, fordern Oppositionspolitiker eine Reservierungspflicht für den Fernverkehr. Trotz deutlich steigender Fahrgastzahlen lehnte Achim Stauß, Konzernsprecher der Deutschen Bahn, eine Reservierungspflicht ab. Auch Karl-Peter Naumann, Ehrenvorsitzender des Fahrgastverbandes Pro Bahn, spricht sich dagegen aus.

Problematisch ist vor allem der Regionalverkehr

Laut Naumann ist eine Reservierungsplficht ein zu starker Einschnitt für Reisende, die Züge spontan nutzen wollen oder müssen. "Die Bahn ist nur dann ein attraktives Verkehrsmittel, wenn sie auch von denjenigen, die sie spontan benutzen müssen, benutzt werden können." Oftmals seien für beruflich Reisende genaue Abfahrtstermine nicht absehbar.

Zudem sei, so Naumann, vielmehr der Nah- und Regionalverkehr problematisch. Hier gebe es häufig überfüllte Züge, in denen Fahrgäste dicht an dicht stehen müssen. Eine Lösung sieht Karl-Peter Naumann hier lediglich in der Ausweitung der Kapazitäten in Form von längeren Zügen und insgesamt mehr Zügen im Einsatz.

Keine Daten über die Ansteckungsgefahr

Es mangele, so Naumann, auch an Informationen darüber, wie groß die Ansteckungsgefahr in Zügen überhaupt sei. Man warte noch immer darauf, dass das Bundesverkehrsministerium eine entsprechende Studie in Auftrag gibt. Denn nur mit genauen Zahlen könne man auch bestimmte Maßnahmen besser begründen.


Auch Thema auf SR 1 am 11.08.2020 in der Sendung "Stand der Dinge"

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