Eine Verkäuferin greift nach einem Brot. (Foto: picture alliance / Jan Woitas/dpa-Zentralbild/dpa)

Minijobs und Corona

Karin Mayer   17.09.2020 | 08:21 Uhr

Nebenbei arbeiten, maximal 450 Euro verdienen. Im Saarland machen das über 73.000 Männer und Frauen. Über 10.000 weniger als vor Corona. Das zeigt: Geringfügig Beschäftigte waren stärker von der Krise betroffen. Was Sie über Minijobs wissen sollten, erfahren Sie hier.

Fallbeispiel

Hanna hat es erlebt: Ihren Minijob in der Gastronomie hat die 21-Jährige schon im März verloren. Weil sie auf die Einnahmen aus dem 450 Euro-Job angewiesen ist, hat sie sich einen neuen Minijob gesucht. Jetzt steht sie in einer Bäckerei und verkauft Brot und Brötchen. 

Weniger Minijobs durch Corona

Im April 2020 gingen durch den Corona-Stillstand 213.000 Minijobs bundesweit verloren. Das meldet das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung.

Im Saarland ist die Zahl der Minijobs schon Ende Juni um über 10.000 niedriger als im März 2019. 

  • Ende März 2019: 84.019 Minijobs im Saarland, fast 50.000 (Zahlen gerundet) davon waren Frauen. 
  • Ende März 2020: 79.720 Minijobs, davon 46.900 Frauen. 
  • Ende Juni 2020: 73.400 Minijobs, davon 43.100 Frauen. 

Arbeitnehmerrechte gelten

Anders als häufig angenommen haben Minijobber viele Rechte und Ansprüche an den Arbeitgeber. Sie haben Anspruch auf bezahlten Urlaub, auf Lohnfortzahlung im Krankheitsfall und es gelten Kündigungsfristen. Je länger ein Minijobber im Unternehmen gearbeitet hat, desto länger sind die Kündigungsfristen. Und eine Kündigung müsse schriftlich erfolgen, sagt Wolfgang Buschfort von der Minijobzentrale in Bochum. 

Ohne Kurzarbeitergeld und Arbeitslosengeld

Zwar haben Arbeitnehmer auch im Minijob viele Rechte. Die Corona-Krise hat aber gezeigt: Die geringfügig Beschäftigten werden schneller entlassen als sozialversicherte Beschäftigte. Nach dem Jobverlust stehen geringfügig Beschäftigte ohne Einnahmen da. Sie haben keinen Anspruch auf Arbeitslosengeld oder Kurzarbeitergeld. Wer einen Minijob verliert, wird folglich auch nicht arbeitslos. Es besteht aber die Möglichkeit, sich arbeitssuchend zu melden. 

Rentenversicherung - selbst einbezahlen

Minijobber zahlen kaum Steuern und Abgaben. Sie zahlen nicht in die Arbeitslosenversicherung ein. Minijobbende haben häufig keine eigene Krankenversicherung und sind über den Partner familienversichert. An die Rentenversicherung zahlt der Arbeitgeber einen reduzierten Beitrag, nur wer freiwillig eigene Beiträge in die Rentenversicherung einbezahlt, bekommt dadurch Anspruch auf Reha-Leistungen und erwirbt Rentenansprüche. Das hat kaum Effekt auf die Höhe der Rente, weil die Beiträge gering sind. Wenn es aber darum gehe, die Versicherungszeiten nachzuweisen und überhaupt einen Rentenanspruch zu erwerben, seien die eigenen Beiträge sinnvoll, sagt Wolfgang Buschfort von der Minijobzentrale. 

Minijobfalle

Der Minijob ist häufig nicht als Dauerlösung gedacht. Für Studierende ist er ein Nebenjob im Studium, oft wird der Minijob auch als Zweitjob angenommen. Als Wiedereinstieg in den Beruf nach der Familienphase nähmen viele Frauen einen Minijob an, sagt Dorothee Merziger von der Arbeitsagentur Saarland. Ihre Erfahrung zeigt aber: Der Wiedereinstieg in den Beruf durch den Minijob gelingt nur selten. Meist handelt es sich um Tätigkeiten im Helferbereich, ausgebildete Frauen arbeiten dann in einem niedrigeren Qualifikationsniveau. Ihr Tipp: den Minijob nach der Familienphase nur befristet annehmen. 

Telefonaktion zu Minijobs 

Arbeitsagentur
Dorothee Merziger
Fon: 0681 - 944 2301
E-Mail: saarbruecken.bca@arbeitsagentur.de

Die Beauftrage für Chancengleichheit am Arbeitsmarkt, Dorothee Merziger, bietet am 17. September von 9.00 bis 15.00 Uhr eine Telefonberatung zum Thema Minijob und Wiedereinstieg in den Beruf.

Artikel mit anderen teilen


Push-Nachrichten von SR.de
Benachrichtungen können jederzeit in den Browser Einstellungen deaktiviert werden.

Datenschutz Nein Ja