Filmklassiker Psycho (Foto: imago images / Mary Evans)

"Psycho" wird 60

 

Eine Szene, die Filmgeschichte geschrieben hat: Die Ermordung von Marion Crane unter der Dusche, begleitet von einem dramatischen Streicher-Stakkato, dass dem Zuschauer den Atem stocken lässt. Für viele Kinobesucher damals ein Tabubruch.

Der US-amerikanische Thriller von Alfred Hitchcock ist ein Meilenstein der Filmgeschichte. Generationen von Regisseuren ließen sich von dem Klassiker beeinflussen und nahmen den Schöpfer, der durch den Film das Image des "Horrorfilmers" bekam, zum Vorbild. Bei den Oscars ging "Psycho" trotz vier Nominierungen jedoch leer aus.

Hitchcock schockierte mit Tabubrüchen

Vor allem die zweiminütige Duschszene wurde von vielen Kritikern als geschmacklos bezeichnet. Zuschauer in den Kinos hielten die Spannung kaum aus, sprangen auf und liefen durch den Saal.

Eine Szene aus Alfred Hitchcocks "Psycho" (Foto: picture alliance/-/Universal Pictures/dpa)

Die junge Schauspielerin Janet Leigh (Marion Crane) steht nichtsahnend unter der Dusche. Hinter dem Duschvorhang eine schemenhafte Gestalt. Der Vorhang wird zur Seite gezogen, die dunkle Gestalt hebt ein Küchenmesser und sticht immer wieder auf das Opfer ein. Dramatische Musik, ein Schrei in Nahaufnahme, Blut sprudelt in den Abfluss.

Für viele Zuschauer bedeutete diese drastische Darstellung mit schnellen Schnitten ein Tabubruch. Zudem war Janet Leigh der einzige Star des Films. Für einige war die weltberühmte Schauspielerin der Grund, überhaupt ins Kino zu gehen. Hitchcock lässt sie in "Psycho" bereits nach 47 Minuten und damit im ersten Drittel des Films ermorden. Dazu kommt die Tatsache, dass man Leigh unter der Dusche zwar nicht nackt sehen, aber zumindest erahnen kann. Für die damalige Zeit höchst ungewöhnlich.

Low-Budget-Produktion

Eine Woche drehte Hitchcock diese weltberühmte Szene, die gleichermaßen für Entsetzen und Faszination sorgte. Damit nahm die zweiminütige Szene in etwa einen Drittel der gesamten Drehzeit in Anspruch. Bei dem Blut handelte es sich übrigens um Schokoladensoße, für Hitchcock im Schwarzweiß-Film die realistischste Variante.

Da Hollywood das Projekt für geschmacklos hielt, bekam Hitchcock keinerlei finanzielle Unterstützung. Die 800.000 Dollar Produktionskosten zahlte er kurzerhand selbst. Am teuersten war dabei wohl die Gage für Janet Leigh und Anthony Perkins, der den schizophrenen Killer Norman Bates verkörperte. Dies tat er so überzeugend, dass die Figur Norman Bates zum Sinnbild für den psychopathischen Mörder und Anthony Perkins dieses Image nie wieder los wurde. Die Produktionskosten in die eigene Hand zu nehmen hat sich für Hitchcock am Ende bezahlt gemacht. Psycho spielte 30 Millionen Dollar ein.


Auch Thema auf SR 1 am 07.10.2020 in der Sendung "Balser & Mark. Dein Morgen"

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