"Brillen ohne Grenzen": Die Glasstärke wird festgestellt. (Foto: Lena Schmidtke)

"Brillen ohne Grenzen"

Lena Schmidtke   21.07.2020 | 06:41 Uhr

Das saarländische Projekt „Brillen ohne Grenzen“ hat es sich zur Aufgabe gemacht, Brillen in armen Ländern zu verteilen. Für die Initiatoren steht fest: Eine alte Brille, die ungenutzt in der Schublade herumliegt , kann im Ausland einem Menschen zu einem neuen Leben verhelfen.

Michael Roos ist Initiator der "Gudd Zweck UG", die das ursprünglich saarländische Projekt „Brillen ohne Grenzen“ ins Leben gerufen hat. Jede Brille sei wertvoll, sagt er. Vielen sei nicht bewusst, dass eine alte Brille, die ungenutzt in der Schublade herumliegt, im Ausland einem Menschen zu einem tatsächlich neuen Leben verhelfen kann. "Weil er plötzlich den Durchblick hat, lesen kann, mitarbeiten kann."

Ein Projekt aus dem Saarland: "Brillen ohne Grenzen"
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Ein Projekt aus dem Saarland: "Brillen ohne Grenzen"

Brillen-Sammelstellen gibt es mittlerweile über das Saarland hinaus in ganz Deutschland: Optiker, Apotheken, Möbelhäuser, Banken oder Friseure haben Sammel-Kartons aufgestellt, üblicherweise mit einem "Brillen-ohne-Grenzen-Schild" gekennzeichnet. Jeder kann hier ungenutzte Brillen abgeben, die dann an die Verwertungsstellen weitergeschickt werden.

Eine dieser Verwertungsstellen ist in Oberkirchen bei Freisen. Alle Brillen werden gebraucht: Kinderbrillen, Sonnenbrillen ohne Sehstärke, klassische Erwachsenenbrillen. Manche werden repariert und dann mit den anderen verschickt, nach Indonesien, Zentralafrika oder Peru. Michael Roos stellt oft Fotos auf die Homepage: „Eines kommt zum Beispiel aus Indien. Da haben wir Brillen verschickt, die wurden an Aussätzige verteilt, die niemals die Gelegenheit hätten, an Brillen zu kommen, weil das Geld fehlt."

Optiker bilden die Menschen vor Ort aus

Vergangenes Jahr hat „Brillen ohne Grenzen“ über 40.000 Brillen vom Saarland aus ins Ausland geschickt. Das Projekt will aber noch mehr: "Hilfe zur Selbsthilfe" nennen sie es: In Oberkirchen gibt es auch eine Ausbildungswerkstatt, wo Optiker auf den Auslandseinsatz vorbereitet werden. Was früher auch bei uns in Deutschland gang und gäbe war, ist heute oft vergessenes Handwerk, sagt Konrad Enzel vom „Entwicklungsdienst Deutscher Augenoptiker“. In der Ausbildungswerkstatt von „Brillen ohne Grenzen“ gibt er dieses „alte" Wissen weiter.

Die üblichen Maschinen funktionieren aber nicht Afrika, weil es da immer Stromschwankungen gibt. Da muss es spezielle Geräte geben. Etwa eins, das mit Notstromaggregat läuft. Im dreitägigen Workshop werden Optikerinnen und Optiker für den Auslandseinsatz fit gemacht. Die Menschen vor Ort werden dann ausgebildet, um später selbst Brillen herzustellen, damit Geld zu verdienen und sich und ihre Familien zu versorgen.


Auch Thema auf SR 1 am 21.07.2020 in der Sendung 'Hallo Saarland'..

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