"Shakespeare in Love" am Saarländischen Staatstheater (Foto: Martin Kaufhold/SST)

"Von allem ein bisschen, aber nichts Rundes und nichts Ganzes"

Premierenkritik "Shakespeare in Love"

Barbara Grech   04.02.2019 | 12:30 Uhr

Das war eine wilde Zeit: England unter Elisabeth der Ersten, mit Shakespeare, Christopher Marlow, Messern, Elend, Glanz, Intrigen - und der Blütezeit des englischen Theaters. Im Film "Shakespeare in Love" wurde dies so genial eingefangen, dass es Oskars regnete. Und natürlich ist dieser Film auch für die Bühne bearbeitet worden. Am 3. Februar feierte "Shakespeare in Love" am Saarländische Staatstheater Premiere. SR-Kulturreporterin Barbara Grech hat sich sich angesehen.

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Premierenkritik: Shakespeare in Love
Audio [SR 3, Barbara Grech, 04.02.2019, Länge: 02:42 Min.]
Premierenkritik: Shakespeare in Love

Ja, es gibt sie an diesem Abend, diese Momente des trockenen Humors mit der Drehbuchautor Tom Stoppard seinen "Shakespeare in Love" gespickt hat. Die Geschichte des jungen Shakespeare, dem die Ideen ausgehen, der in einer Schaffenskrise steckt und in der edlen Viola de Lesseps dann doch seine Liebe und Muse findet. Die wiederum – obwohl verboten – als Schauspielerin auf die Bühne möchte und es als Mann verkleidet auch tut.

Es gibt sie, diese Momente, in der Shakespeares Dichtung real, lebensnah und nicht verstaubt und altertümlich auf die Bühne schwebt. Doch leider sind das nur Momente.

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"Shakespeare in Love"
Infos zum Stück und die Vorstellungstermine

Regisseurin Bettina Brunier will viel mit diesem Theaterabend: Das Boulevard-Theater auf die Spitze treiben, mit derben und auch wenig einfallsreichen Slapstick-Einlagen das Publikum unterhalten und aber auch einen kritischen Blick auf den immer kommerzieller werdenden Theaterbetrieb werfen, in dem Besucherzahlen und Geld die Hauptrolle spielen und nicht die Kunst. Und so wird die Saarbrücker Fassung von „Shakespeare in Love“ zwar von allem ein bisschen – aber nichts Rundes und nichts Ganzes.

Das Ensemble treibt die Geckigkeit auf die Spitze und die – gelinde gesagt – geschmacklosen Kostüme und das trübe Bühnenbild sorgen dafür, dass auch jeder Anflug von Romantik baden geht. Philipp Weigand als Shakespeare und Anne Rieckhof als Viola kommen daher wie ungezogene Kinder und nicht wie ein inspiriertes, verliebtes Paar.

Aufgepumpt wird diese schrille Inszenierung mit Songs und Bühnenmusik von Achim Schneider, die zwar nicht schlecht ist – aber auch nicht so spezifisch für dieses Stück, dass man sich fragt, warum man mit diesen Songs die ohnhin schon längliche Inszenierung noch mehr in die Länge zieht.

Es war ein Abend des schlechten Geschmacks, des übertriebenen Boulevard-Theaters und oft schlechter Pointen. "Shakespeare in Love" war es jedoch nicht.