Mann bekommt die Haare geschnitten (Foto: SR)

Die Frisur wird teurer

  30.06.2022 | 14:25 Uhr

Es wird mal wieder Zeit für einen neuen Haarschnitt. Dann der Schreck im Friseurladen: Die Preise sind in die Höhe geschossen - auch für den Herrenhaarschnitt. Nun sollen auch Männer demnächst bis zu 100 Euro für einen neuen Schnitt bezahlen. Aber ist das realistisch? Und was sind die Gründe für die Preisanhebungen?

Eine Meldung, die Friseurkunden einen Schrecken versetzt hat: Der Geschäftsführer der saarländischen Landesinnung für Friseure, Mirko Karkowsky, befürchtet, dass ein Herrenhaarschnitt bald mehr als 100 Euro kosten könnte. Wir haben mit Bernd Reis, dem Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer des Saarlandes (HWK), über die Gründe gesprochen.

Die Lage der Friseurbetriebe

Das Friseurhandwerk ist natürlich in den Entwicklungen und Umfeldern genauso betroffen wie andere Wirtschaftszweige auch. Die Materialknappheit und die damit verbundenen Preissteigerungen sind genauso wie die Energiepreiserhöhungen ein Faktor, sagt Bernd Reis. Beim Friseurhandwerk, das ja sehr personalintensiv ist, kommt zudem die Lohn-Preis-Entwicklung wie die Anhebung des Mindestlohnes hinzu.

Die Frisur wird teurer? Woran liegt das?
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Die Frisur wird teurer? Woran liegt das?

Besonders die Pandemie mit den Lockdowns habe großen Einfluss auf die jetzige Situation der Friseurbetriebe. In den langen Lockdowns seien vorhandene Finanzreserven weitestgehend aufgebraucht worden, so dass jetzt für neue anstehende Investitionen keine Eigenmittel mehr zur Verfügung stehen würden.

Mehr als 100 Euro für einen Herrenhaarschnitt?

Bernd Reis sieht die Botschaft der Friseurinnung als ein Aufmerksam-Machen auf die Situation der Betriebe. Herren zahlen heute zwischen 20 und 25 Euro für einen einfachen Haarschnitt. Von den 100 Euro, die von der Innung genannt werden, ist der Marktpreis also noch weit entfernt. Außerdem, so Bernd Reis, wird die Anpassung sich nicht so einfach gestalten lassen.

Mit einen Grund dafür sieht er in der Wettbewerbssituation im Saarland. Hier gibt es über 1000 Friseurbetriebe - und die Preisanpassung muss auch unter diesen wettbewerbspolitischen Gesichtspunkten gesehen werden. Somit wird einfach noch eine Zurückhaltung in dieser enormen Preiseranhebung notwendig sein.

Welche Preisanpassung ist realistisch?

Zuerst einmal: Eine so extreme Preisanpassung auf 100 Euro macht kein Kunde mit und kann auch nicht gegenüber dem Kunden vertreten werden. Aber: Die Friseure haben Not, sie sind stark betroffen von den wirtschaftlichen Auswirkungen der Pandemie.

An höheren Preisen wird kein Betrieb und kein Kunde vorbeikommen: Überall werden die Preise anziehen, auch und besonders für handwerkliche Leistungen wie eben beim Friseur. Hier gibt es ja schon immer große Preisspannen. Und die richten sich danach, was der Kunde oder die Kundin wünscht. Ein einfacher Herrenhaarschnitt ist nicht vergleichbar mit einem vollen Programm - der Rundumservice mit Waschen, Färben oder Tönen, Föhnen oder Legen und Pflegeprodukte.

Auch immer mehr Männer wünschen sich diesen Service. Aber Männer bezahlen ja nicht immer im unteren Preisbereich, sondern mittlerweile auch schon zwischen 50 bis 70 Euro.

Es kommt eben immer darauf an, welchen Wunsch der Kunde oder die Kundin hat und wie arbeits-, material- und energieintensiv dieser Wunsch ist. Eine Preisfindung hat immer mit Art und Umfang der Leistung zu tun.

Bernd Reis rechnet fest damit, dass es zu Preisaufschlägen von bis zu einem Drittel auf die aktuelle Grundleistung kommen wird. Aber, da ist er sich sicher, diese Anhebung wird sich noch etwas hinziehen, da der Markt aufgrund der Wettbewerbssituation eher zurückhaltend sein wird.

Wo bleiben die Kunden?

Zwischen den Lockdowns und auch jetzt, wo viele Corona-Maßnahmen wegfallen, kommen weniger Kunden in die Friseurläden. Überall hat die Pandemie zu Veränderungen geführt, auch im privaten Bereich, im Vereinsleben und im gesellschaftlichen Miteinander. So ganz hat noch keiner die Maßnahmen abgeschüttelt und ist zu einem 'normalen' Leben zurückgekehrt.

Besonders in den körpernahen Dienstleistungsbereichen, wo immer noch die Pandemiethemen Hygiene, Vorsicht, Schutz und Sicherheit stark im Vordergrund stehen, scheint noch eine Zurückhaltung in den Köpfen der Menschen gefestigt zu sein, vermutet der Handwerkskammer-Chef Bernd Reis. Da brauche es noch Zeit, diese mentale Schwellenangst zu lösen.

Aber für ihn ist nicht nur diese mentale Sperre für das Ausbleiben der Kunden und Kundinnen verantwortlich. Im Saarland nimmt die Zahl an Friseurbetrieben und damit auch der Wettbewerb zu. So kann der Kunde oder die Kundin auswählen, von wem er oder sie sich den Kopf waschen und die Haare schön machen lässt.


Auch Thema am 17.05.2022 in der Sendung "Die SR 1 Morningshow"

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