Foto: dpa

Kampf dem Plastikmüll

  04.12.2018 | 11:40 Uhr

Millionen Tonnen von Plastikmüll verschmutzen bereits unsere Ozeane. Die erste UN-Ozeankonferenz befasst sich derzeit mit den Schutz der Weltmeere. Doch jeder kann jetzt schon seinen Beitrag leisten, zum Beispiel 'unverpackt' einkaufen oder ganz ohne Plastik leben...

Nach Schätzungen schwimmen in den Weltmeeren inzwischen mehr als 140 Millionen Tonnen Plastik, und es wird mehr und mehr. Nach Aussage des Greenpeace-Meeresexperten Thilo Maack landen jährlich 13 Millionen Tonnen Plastik im Meer, das sind 250 Kilo - in jeder Sekunde. Nur ein geringer Teil davon treibt noch an der Wasseroberfläche, das meiste ist bereits auf den Meeresboden abgesunken.

Unsere Plastikproduktion muss erheblich verringert werden, sagt Greenpeace-Meeresexperte Thilo Maack im SR 1 Interview
Audio
Unsere Plastikproduktion muss erheblich verringert werden, sagt Greenpeace-Meeresexperte Thilo Maack im SR 1 Interview

Seit Jahren beklagen Umwelt- und Naturschützer diese Entwicklung. Denn die Menschheit hat bereits unübersehbare Spuren im Ökosystem Meer hinterlassen. Und wenn wir so weitermachen, dann kommt im Jahr 2025 auf drei Tonnen Fisch eine Tonne Plastik im Meer. Und in 30 Jahren könnte im Meer sogar mehr Müll schwimmen als Fische ...

Der saarländischer Windsurfer Florian Jung kämpft für den Schutz der Meere
Audio
Der saarländischer Windsurfer Florian Jung kämpft für den Schutz der Meere

Dass sich etwas ändern muss, dessen sind sich die Politiker so langsam im Klaren. Anfang Juni haben die G20-Staaten einen Aktionsplan beschlossen, der auf Recycling und Plastikvermeidung setzt. Und in New York findet derzeit die erste UN-Konferenz zum Schutz der Ozeane statt. Vertreter aus mehr als 150 Ländern nehmen daran teil.

Es geht auch ohne Plastik

Um das Problem an der Wurzel zu packen, ist es wichtig, schon bei der Herstellung anzusetzen. Heute produzieren wir 900 Prozent mehr Plastik als noch in den 80er Jahren, sagt Maack. Und die Hälfte davon entfällt auf Verpackungen.

Man muss also nicht auf die Entscheidungen der Politiker warten. Jeder kann jetzt schon etwas tun. Und zum Beispiel auf Plastiktüten verzichten. Oder zu Naturkosmetik greifen. Denn in vielen Kosmetikprodukten sind Mikrokunststoffe enthalten, die über den Abfluss in unsere Flüsse und Meere gelangen.

Unverpackt einkaufen

Beim Einkauf auf die vielen Verpackungen verzichten, das macht schon viel aus. In 'Unverpackt'-Läden gibt es daher alles, von Obst und Gemüse, Reis und Nudeln, Öl und Milch bis hin zu Zahnputz- oder Shampoostücken - nur eben ohne Verpackung. Man bringt selbst seine Gefäße wie Gläser oder Säckchen mit oder kann auch welche im Laden erwerben. Dahinein werden dann das Mehl, die Nüsse oder die sonstigen Einkäufe abgefüllt und abgewogen.

In Saarbrücken hat gerade solch ein Unverpackt-Laden eröffnet. Im Nauwieser Viertel in der Nähe des Landwehrplatzes. Es handelt sich dabei um ein kleines Lebensmittelgeschäft, das seine Waren ohne Eigenverpackungen verkauft, um ein Zeichen zu setzen und den Plastik- und Verpackungsmüll zu reduzieren.


Besser leben ohne Plastik

Anneliese Bunk, Nadine Schubert : Besser Leben ohne Plastik (Foto: oekom Verlag)

Das Wasser, mit dem der Kaffee gebrüht wird, enthält kleinste Plastikpartikel. Der Honig, den wir uns allmorgendlich aufs Brötchen schmieren, ist ebenfalls mit Mikroplastik belastet. Plastik ist zum Sinnbild der heutigen Zeit geworden und ist inzwischen überall - mit den entsprechenden Folgen für Gesundheit und Umwelt. Aber geht es wirklich nicht ohne Plastik?

Buchtipp

Anneliese Bunk, Nadine Schubert :
Besser Leben ohne Plastik
oekom verlag München
12,95 Euro

Die beiden Autorinnen Anneliese Bunk und Nadine Schubert haben sich genau diese Frage vor zwei Jahren auch gestellt - und leben heute quasi plastikfrei.

In ihrem Buch zeigen sie, wie und wo man im Alltag Plastik ersetzen und einsparen kann, ohne gleich das gesamte Leben umzukrempeln, angefangen vom bewussteren Einkaufen bis hin zum Selbermachen von Badprodukten und anderem, was man in keinem Supermark 'plastikfrei' bekommt. Das Buch ist auf Recyclingpapier produziert, mit mineralölfreien Farben, auf Kaschierung und Einschweißen wurde verzichtet.

Ein Leben ohne Plastik
Audio
Ein Leben ohne Plastik
Was viele nicht wissen, viele Pflegeprodukte enthalten Plastik. Die Expertin empfiehlt u.a. auch plastikfreie Naturkosmetik. Am Anfang fühlt man sich etwas unwohl damit, aber auf Dauer lohnt es sich.


Weitere Informationen

Entdeckung in Spanien
Raupe mit Appetit auf Plastiktüten
Plastikmuell ist zum großen Umweltproblem geworden. Eine kleine Raupe könnte nun die Lösung dafür werden. Das Besondere an ihr: Sie hat Appetit auf Plastik. Eine italienische Forscherin hat das zufällig entdeckt - als sie die Raupe in flagranti erwischte.

Artikel mit anderen teilen