Pilz-Sammel-App auf einem Smartphone-Bildschirm (Foto: SR)

Pilz-Apps im Test

mit Informationen von Oliver Buchholz   24.09.2020 | 08:02 Uhr

Herbstzeit ist Pilzsuche-Zeit. Seit ein paar Jahren werden zunehmend Pilzerkennungsapps angeboten. Doch wie zuverlässig sind diese Apps bei der Bestimmung der Pilze?

Der Herbst ist da und damit hat auch die Pilzsaison. Über 2500 Pilzarten gibt es in Deutschland - darunter viele, die essbar, viele, die ungenießbar und einige, die richtig giftig sind. Und nicht wenige essbare Pilze haben zudem einen ungenießbaren oder sogar giftigen Doppelgänger. Zum Beispiel der Champignon. Sein giftiger Doppelgänger ist der Knollenblätterpilz. Und der kann sogar tödlich sein.

Die richtige Bestimmung der Pilze ist also das A und O. Doch das ist gar nicht so einfach. Neben den klassischen Pilzbestimmungsbüchern werden inzwischen auch zahlreiche Pilzerkennungsapps angeboten. Stellt sich die Frage: Wie zuverlässig sind sie?

Pilz-Apps - Wie zuverlässig sind sie?
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Pilz-Apps - Wie zuverlässig sind sie?

SR-Reporter Oliver Buchholz war mit Volker Weiß und Thomas Brandt von den Pilzfreunden Saarpfalz im Wald bei Lautzkirchen unterwegs, um mit den beiden Pilzexperten die Probe aufs Exempel zu machen. Im Test: die kostenlose App "Pilzator".

Nach fünfzig Metern gibt es am Wegrand den ersten Pilz. Er wird mit der App abgescannt und dann gibt es mehrere Vorschläge - und den Hinweis, dass es auch zu Verwechslungen kommen könne. Zur Präzisierung fragt die App dann nach weiteren Informationen zum Standort und der Beschaffenheit der Pilzunterseite. Mit diesen Angaben gefüttert, präsentiert die App ihr Bestimmungsergebnis. Doch das sei leider falsch, sagen die beiden Experten.

Beim Fliegenpilz - dem kleinen Roten mit den weißen Punkten - klappt die Bestimmung perfekt. Aber das ist eigentlich auch keine Kunst. Denn dieser Pilz ist einzigartig in seinem Aussehen. Bei anderen Arten sind die Ergebnisse der App eher verwirrend als hilfreich. Von zehn getesteten Pilzen erkennt die App in diesem Test gerade mal zwei. Wobei unter den Ergebnissen oft zumindest die richtige Gattung dabei ist und das kann eine Hilfe bei der weiteren Bestimmung sein. Etwas genauer ist die App "Meine Pilze". Um sich richtig zu nutzen, muss man jedoch bereits ein Grundwissen über Pilze haben.

Eine App macht noch keinen Kenner

Dass die Apps ungenaue Ergebnisse liefern, ist aber auch kein Wunder. Pilze richtig zu bestimmen sei einfach sehr schwierig, sagen die beiden Pilzexperten. Neben der Form müssten auch Standort, Licht, Alter und sogar die Regenmenge berücksichtigt werden. Denn diese Faktoren hätten einen sehr großen Einfluss auf das Aussehen der Pilze. Die gleiche Sorte - je nach den äußeren Gegebenheiten - könne völlig unterschiedlich aussehen kann. Es sei deshalb blauäugig, sich als Laie einfach auf eine App zu verlassen.

Ihr Fazit: Es sei schön, wenn solche Apps die Menschen animieren würden, in den Wald zu gehen um nach Pilzen Ausschau zu halten. Wer Pilze sammeln und dann auch essen will, sollte sich auf jeden Fall aber den Rat eines Experten holen.

Auch Thema auf SR 1 am 24.09.2020 in der Sendung 'Dein Vormittag im Saarland'.

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