DHL-Zusteller mit Paket im Arm (Symbolbild) (Foto: picture alliance / Daniel Karmann/dpa)

Paketzusteller im Weihnachtsstress

  26.11.2018 | 14:09 Uhr

Online bestellen und sich die Sachen nach Hause bringen lassen, das ist einfach, bequem und wird immer beliebter. Der Versandhandel boomt. Seit Jahren nimmt das Paketaufkommen stetig zu. Nach Angaben der Bundesnetzagentur ist die Menge der Pakete, die in Deutschland pro Jahr verschickt werden, von 2010 bis 2016 um rund 50 Prozent auf 2,522 Milliarden Pakete angewachsen. Tendenz weiter steigend.

Höhepunkt Weihnachtsgeschäft

Ihren Höhepunkt erlebt die Branche immer am Jahresende, wenn im November und Dezember das Weihnachtsgeschäft für neue Rekorde sorgt. Bei DHL liegt das Paketaufkommen im Saarland derzeit rund 40 Prozent über dem vom Vorjahr, da heißt derzeit haben die Paketboten hier schon so viel zu tun wie früher im Weihnachtsendspurt – und der kommt ja erst noch.

Im Saarland gibt es hilfsbereite Nachbarn, wenn keiner zu Hause ist, um das Paket entgegen zu nehmen
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Im Saarland gibt es hilfsbereite Nachbarn, wenn keiner zu Hause ist, um das Paket entgegen zu nehmen

Deutschlands größter Paketdienstleister ist DHL, ein Tochterunternehmen der Deutschen Post. Dessen 20.000 Zusteller liefern im Durchschnitt täglich 4,3 Millionen Pakete aus. Jetzt in der Vorweihnachtszeit rechnet man mit etwa elf Millionen Paketen, also locker mehr als doppelt so viele wie an einem normalen durchschnittlichen Tag.

Und auch die Konkurrenten wie der Deutsche Paketdienst DPD, ein Tochterunternehmen der französischen Post, GLS, eine Tochter der britischen Post, oder auch Hermes haben jetzt reichlich zu tun. Für das Weihnachtsgeschäft haben DHL, Hermes und DPD deshalb vorübergehend rund 20.000 Aushilfen eingestellt, 12.000 Transporter sind für die Post zusätzlich unterwegs.

Hoher Zeitdruck, körperliche Belastung, wenig Geld

Paketboten haben einen Knochenjob und derzeit jede Menge Stress. Jetzt in der Vorweihnachtszeit können es schon mal 200 Pakete sein, die sie innerhalb ihrer Acht-Stunden-Schicht zum Empfänger bringen müssen. Und Pakete dürfen bis zu 31,5 Kilogramm wiegen. Da kommen für jeden Zusteller schnell einige Tonnen zusammen. Wer den Job einige Jahre macht, bekommt nicht selten gesundheitliche Probleme.

Mit einem Paketboten unterwegs SR-Reporter Marc Weyrich hat einen Zusteller begleitet.
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Mit einem Paketboten unterwegs SR-Reporter Marc Weyrich hat einen Zusteller begleitet.

Denn Hunderte Male am Tag heißt es einsteigen, weiterfahren, aussteigen, Pakete schleppen, da kommen zig Kilometer am Tag zusammen  – und dann ist der Empfänger oft nicht mal zuhause. Das kostet dann extra viel Zeit: Bei den Nachbarn klingeln, dort abgeben oder eine Benachrichtigung hinterlassen und das Paket wieder mitnehmen und dann wieder von vorn: einsteigen, weiterfahren, aussteigen, schleppen … Das alles unter Zeitdruck, bei jedem Wetter, bei jeder Verkehrslage - und für wenig Geld.

Schlechte Bezahlung

Marktführer DHL bezahlt seine Zusteller zumindest nach Tarif. Allerdings nicht alle gleich. Seit 2015 gibt es zwei Tarifverträge. Die älteren Angestellten werden noch nach dem alten und höher dotierten Haustarifvertrag der Post entlohnt. Die jüngeren Mitarbeiter werden regional unterschiedlich bezahlt, dabei gibt es inzwischen 46 unterschiedliche Regionaltarife.

Doch damit werden die DHL-Zusteller immer noch besser bezahlt als die Mitarbeiter der Konkurrenz. Denn dort arbeitet man viel mit Subunternehmern, und die sind meist nicht an Tarife gebunden, zahlen daher oft nur den Mindestlohn. So wundert es auch nicht, dass es schwer fällt, Arbeitskräfte zu finden, um den steigenden Bedarf an Zustellern zu decken.

Im Kommen: Packstationen

So genannte Post-Bots könnten künftig den Zustellern die schwere Last abnehmen. Die etwa 1,5 Meter hohen Roboter laufen auf vier Rädern und können bis zu 150 Kilo Gewicht transportieren.

Paketstation (Foto: imago/Olaf Wagner)

Doch auch eine andere Alternative findet immer mehr Zuspruch: Packstationen. In Frankreich und Schweden sind sie schon selbstverständlich, bei uns hat bisher nur DHL welche aufgestellt. Sie haben den Vorteil, dass man dort sein Paket jederzeit abgeben und auch abholen kann. Das ist für alle Beteiligten eine gute Sache. Daher soll das System auch weiter ausgebaut werden, so DHL.


Weitere Informationen

tagesschau.de
Paketzusteller klagen über hohen Druck und niedrige Löhne
Vor Weihnachten haben Paketzusteller besonders viel zu tun. Ihre Arbeitsbedingungen sind hart, sagen sie, die Bezahlung schlecht


Auch Thema auf SR 1 am 26.11.2018 in der Sendung 'Balser & Mark. Dein Morgen'.

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