zwei Personen am Computer (Foto: pixabay/27707)

Online-Partnerbörsen werden jetzt stärker genutzt

  20.04.2020 | 08:04 Uhr

Die Temperaturen steigen, die Natur blüht auf und auch die ersten Frühlingsgefühle keimen auf. Doch Corona, Social Distancing und Co. erschweren derzeit die Partnersuche. Deshalb greifen immer mehr Singles auf Online-Dating-Portale zurück.

Wir haben mit Eric Hegmann und Lisa Fischbach - beide Paar-Therapeuten und Mitarbeiter bekannter Dating-Portale - darüber gesprochen.

Nicht nur bei der Zahl der Anmeldungen tut sich einiges. Auch die Aktivitäten auf Dating-Portalen nehmen deutlich zu. Dabei spielt das Smartphone als ständiger Begleiter eine wichtige Rolle beim mobilen Flirten. Aufgrund der Empfehlungen des Robert-Koch-Institutes und gemäß den Bestimmungen der jeweiligen Länder sind Treffen im gemütlichen Café um die Ecke oder bei einem Abendessen beim Italiener nun mal nicht möglich. Stattdessen wird viel hin und her geschrieben. Auch ganz im Trend momentan: Videotelefonie.

Online-Dating in der Corona-Krise
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Online-Dating in der Corona-Krise

Die Psychologin und Paartherapeutin Lisa Fischbach konnte als Leiterin für Forschung und Match-Making bei Elite Partner beobachten, dass die steigende Aktivität vor allem nach der erweiterten Kontaktbeschränkung begonnen hat. Zwar gab es eine kurze "Delle" in der Aktivitäts-Kurve, die sich wohl mit Verunsicherung oder Angstgefühlen erklären lässt, danach überlegten viele Singles allerdings, wie sie ihre Einsamkeitsgefühle während der Isolation kompensieren können.

Neben den Ausgangsbeschränkungen ist auch die Krise an sich eine der Ursache für das erhöhte Aufkommen. Die Menschen sehnen sich nach einem Partner, an den man sich wenden kann, und der für einen da ist, sagt der Paartherapeut und Coach Eric Hegmann von Parship. Trotz der räumlichen Distanz soll soziale Nähe geschaffen werden. Allein die Profile der User werden laut Fischbach viel genauer angesehen und reflektiert. Vor allem haben sich aber die Gesprächsinhalte stark entwickelt: Es wird weniger Smalltalk betrieben. Statt dessen werden tiefere Gespräche über die eigenen Emotionen geführt. Dadurch lernen sich die Alleinstehenden intensiver kennen, so wie beispielsweise Paare, deren Beziehungen durch Krisen gefestigter werden. Beide Experten bestätigen: Der Austausch ist viel aktiver seit der Corona-Krise.

Laut Fischbach sind viele Singles mit ihrer Lebenssituation sehr zufrieden und können der Krise auch viel Positives abgewinnen. Dabei wurde festgestellt, dass Frauen insgesamt besser mit dem Alleinsein zurechtkommen als Männer. Frauen haben eine höhere "Single-Kompetenz" und leiden weniger unter Einsamkeitsgefühlen. Somit sind sie für die Isolationszeit besser gewappnet.

In bereits vorhandenen Beziehungen ist die Tendenz zu beobachten, dass die Paare durch die Krise eher zusammenwachsen statt auseinanderzubrechen, meint der Single-Coach Hegmann. Laut einer Studie hat nur ein Drittel der Paare Sorge um ihre Beziehung. Das sagen vor allem jüngere Menschen. Für Eric Hegmann bieten Online-Plattformen eine gute Möglichkeit, neue Leute kennenzulernen, aus denen gute, stabile und langfristige Beziehungen entstehen können.

Und um die Wartezeit bis zum ersten realen Treffen zu verkürzen, hat Elite Partner jetzt ein neues Tool in das Portal eingeführt: Video-Dates. Das ist vor allem wertvoll, um die Körpersprache, Mimik und Gestik des Gegenübers kennenzulernen, erklärt Fischbach. Das Ganze findet in einem geschützten Raum unter hohen Datenschutzanfragen statt. Die perfekte Möglichkeit also, sich das Date virtuell ins Wohnzimmer zu bringen.


Auch Thema auf SR 1 am 20.04.2020 in der Sendung 'Balser & Mark. Dein Morgen'.

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