Heiliger Nikolaus (Foto: dpa)

Christkind, Nikolaus oder Weihnachtsmann?

Daniel Weiland   05.12.2019 | 18:55 Uhr

Roter Mantel, langer Bart: Der Nikolaus und der Weihnachtsmann sehen nahezu gleich aus. Und da ist ja noch das Christkind - und alle bringen Geschenke mit. Aber wo liegt jetzt der Unterschied?

Der Nikolaus

Schon seit rund 1000 Jahren zieht der Nikolaus durchs Land und verteilt Süßigkeiten und Obst. Traditionell stellen Kinder am Vorabend des sechsten Dezembers, dem Nikolaustag, Stiefel vor die Tür. Die füllt der Nikolaus dann in der Nacht – wenn die Kleinen denn brav waren. Freche Kinder bestraft nämlich sein grimmiger Begleiter mit der Rute: Knecht Ruprecht.

Als historisches Vorbild der Nikolausfigur gilt der Bischof Nikolaus von Myra, der im dritten und vierten Jahrhundert lebte. Er ist unter anderem Schutzpatron der Kinder - und sein Amt erklärt, dass der Nikolaus auch heute oft im Bischofsgewand auftritt. Das verschafft ihm übrigens eine gewisse Ähnlichkeit mit einem weiteren Akteur der Weihnachtszeit.

Der Weihnachtsmann

Auch er trägt einen langen Mantel, fast immer einen roten. Und auch der Weihnachtsmann bringt Kindern Geschenke – aber nicht am sechsten Dezember, sondern erst an Heiligabend und mancherorts in der folgenden Nacht. Damit er wirklich alle Kinder erreichen kann, nutzt der Weihnachtsmann seinen fliegenden Rentierschlitten.

Vielleicht handelt es sich bei Nikolaus und Weihnachtsmann sogar um dieselbe Person. Niederländische Auswanderer brachten nämlich im 17. Jahrhundert Sinterklaas mit nach Amerika – und Sinterklaas ist der holländische Name für den Nikolaus. Über die Zeit entwickelte sich aus Sinterklaas dann der amerikanische Santa Claus – und der kam dann als Weihnachtsmann wieder nach Europa zurück.

Das Christkind

Ziemlich wahrscheinlich hat der Reformator Martin Luther im 16. Jahrhundert dazu beigetragen, dass wir heute vom Christkind sprechen. Protestanten lehnten nämlich die Heiligenverehrung der römisch-katholischen Kirche ab – und damit auch den Nikolaus. Luther ersetzte ihn deshalb durch den „Heiligen Christ“ und verlegte kurzerhand auch noch das Bescherungsdatum: vom sechsten Dezember auf Heiligabend.

Dabei war ursprünglich noch nicht vom „Christkind“ die Rede, gemeint war stattdessen Jesus Christus. Die engelsgleiche, kindliche Figur entwickelte sich erst im Laufe der Jahre. Das Christkind verselbstständigte sich langsam immer mehr, und die Verbindung zwischen Jesus Christus und dem Christkind wurde immer undeutlicher.

Heute schreiben übrigens mehr katholische Kinder an das Christkind als protestantische. Die wenden sich stattdessen oft an den Weihnachtsmann, der ja wiederum der Nikolaus sein könnte. Wenn das Luther wüsste…

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