Notruf-App: Hilferuf per SMS (Foto: dpa/SR)

Jeder kann helfen

  23.01.2019 | 12:22 Uhr

Bei vielen Notfällen entscheidet die Erste Hilfe über Leben und Tod. Doch viele trauen sich die lebensrettenden Maßnahmen nicht zu und sind verunsichert. Wird man verklagt, wenn man beim Erste-Hilfe-Leisten etwas falsch macht? Was ist das Mindeste, was ich machen kann? Wo und wie kann ich mich als Ersthelfer weiterbilden?

Mythos: 'Besser nichts tun, sonst werde ich verklagt'

Wenn man etwas falsch machen kann, dann ist es, nichts zu tun und weiter zu gehen. Nichts tun bedeutet 'unterlassene Hilfeleistung'. Dabei sollte Erste Hilfe immer in einem verhältnismäßigen Rahmen geleistet werden. Das heißt: Was ist mir als Ersthelfer in der jeweiligen Situation möglich, ohne mich selbst zu gefährden?

Wichtig zu wissen:

Niemand, der Erste Hilfe leistet, muss Angst haben, wegen eines möglichen Fehlers belangt zu werden. Und für einige der wichtigsten Hilfeleistungen bedarf es keinerlei Ausbildung, beispielsweise die 112 wählen oder Verletzte beruhigen und trösten.

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Bei Notfällen: Jeder kann helfen
Audio [SR 1, (c) SR, 23.01.2019, Länge: 04:29 Min.]
Bei Notfällen: Jeder kann helfen

Rechtssituation der Ersthelfer

  • Ersthelfer haben mit der Kostenabwicklung nichts zu tun - auch dann nicht, wenn sie in guter Absicht Rettungsmittel anfordern und sich später herausstellt, dass diese nicht benötigt werden.

  • Jeder Ersthelfer ist gegen Körperschäden automatisch gesetzlich unfallversichert. Sachschäden oder Auslagen werden in der Regel durch die Versicherungen der Unfallbeteiligten/Verursacher ersetzt.

  • Selbst wenn in der Aufregung einmal eine Erste-Hilfe-Anwendung nicht richtig gelingt, kann ein Laienhelfer dafür nicht strafrechtlich belangt werden.

  • Strafbar macht sich nur, wer gar nicht hilft, grob fahrlässig handelt oder vorsätzlich jemandem Schaden zufügt.

(Informationen aus dem Handbuch Erste Hilfe, DRK, 2015)

Was tun im Notfall?

Schritt 1: Unfallstelle absichern: Wichtig ist, die Art des Notfalls einzuschätzen und an den Eigenschutz zu denken. Denn nur ein unverletzter Helfer kann auch helfen. Ruhig bleiben und sich einen Überblick über die vorgefundene Situation verschaffen, Warnweste tragen, Warndreieck aufstellen.

Schritt 2: Notruf absetzen, deutschlandweit 112 (ohne Vorwahl)/Alarmierung des Rettungsdienstes.

Dabei sollte man die relevanten "W-Fragen" beantworten: WO ist der Unfall passiert? WAS genau ist passiert? WIE viele Verletzte gibt es? WELCHE Verletzungen haben sie?

Und dann warten, ob die Einsatzkräfte noch weitere Fragen haben.

Schritt 3: Die wichtigsten Sofortmaßnahmen (Verletzte aus Gefahrenzone bergen, Bewusstlose wiederbeleben und in stabile Seitenlage bringen, Blutungen stillen, Schock bekämpfen) ergreifen. Wiederbelebung bei Atemstillstand.

Erste Hilfe: Die richtige Reihenfolge Schritt für Schritt (adac.de)


Rotkreuzkurs Erste Hilfe

 (Foto: SR)
Erste Hilfe

Für den Erste Hilfe Kurs des DRK benötigt man keine Vorkenntnisse. Das Deutsche Rote Kreuz will möglichst viele Ersthelfer ausbilden, weil diese in sehr vielen Bereichen und Notfällen unbedingt notwendig sind. Auf der drk.de Webseite gibt es eine Übersicht der Rotkreuzkurse.

Grundsätzlich gilt:

Wer Angehörige hat, die schon einen oder mehrere Herzinfarkte hatten oder unter schweren Herzrhythmusstörungen leiden, sollte unbedingt einen Auffrischungskurs für Erste Hilfe wahrnehmen.

Wenn Kinder im Haushalt leben oder häufiger zu Besuch sind, sollte die Telefonnummer des Giftnotrufes (diese sollte bei Anzeichen oder dem Verdacht auf eine Vergiftung gewählt werden) im Telefon eingespeichert sein, ebenso die des Kinderarztes.

Informations - und Behandlungszentrum für Vergiftungsfälle im Saarland: Kliniken für Kinder und Jugendmedizin: 06841 - 19240

Auch Thema auf SR 1 am 23.01.2019 in der Sendung "Balser & Mark. Dein Morgen".

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