Eine Kuh beobachtet, wie Milch in ein Glas geschüttet wird (Foto: imago/imagebroker)

Durchblick im Milchregal

  04.04.2018 | 00:00 Uhr

Frisch oder haltbar, fettarm, bio und laktosefrei: Milch gibt´s in vielen verschiedenen Varianten. Wir erklären, was hinter den unterschiedlichen Bezeichnungen steckt - und woran ihr Milch aus dem Saarland erkennt.

Identitätskennzeichen auf Milchpackung: SL steht für Saarland (Foto: SR)
Identitätskennzeichen auf Milchpackung: SL steht für Saarland

Im Saarland gibt es 150 Milchbauern, die im Jahr rund 90 Millionen Kilo Milch produzieren. Um sie zu unterstützen, können wir drauf achten, dass wir vor allem Milch aus der Region kaufen. Woher die Milch kommt, steht auf der Packung: Ein kleines, weißes Oval kennzeichnet Milch, die nach EU-weiten Hygienestandards produziert wurde. Das Identitätskennzeichen verrät auch, aus welchem Betrieb sie stammt. Die Abkürzung SL in der Zulassungsnummer steht für das Saarland.


Fettgehalt

Richtiger Durchblick durch den Milch-Dschungel
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Richtiger Durchblick durch den Milch-Dschungel

Der natürliche Fettgehalt der Milch beträgt etwa 4,2 Prozent. Handelsübliche Milch wird standardisiert, das heißt, der Rahm wird von der Milch getrennt und später wieder in der benötigten Menge hinzugefügt, um Milch mit einheitlichem Fettgehalt zu erzeugen.

Vollmilch

hat 3,5 Prozent Fett. Es gibt sie als Frischmilch oder haltbar gemacht.

Fettarme Milch

hat 1,5 bis 1,8 Prozent Fett und es gibt sie ebenfalls in verschiedenen Haltbarkeitsstufen.

Magermilch

ist fast vollständig entrahmt und enthält höchstens 0,5 Prozent Fett. Auch sie gibt es als Frischmilch und ultrahocherhitzt.

Haltbar durch Hitze

Milch ist leicht verderblich. Um sie haltbarer zu machen und Keime abzutöten, wird sie in der Molkerei erhitzt:

pasteurisierte Milch für 15 bis 30 Sekunden auf 72-75 °C,
ultrahocherhitzte Milch für wenige Sekunden auf mindestens 135°C.


Milch wird in ein Glas geschüttet (Foto: imago/photothek)
Große Auswahl im Kühlregal

Milchsorten

Rohmilch

kommt direkt vom Bauernhof („Milch-ab-Hof“) und ist „frisch von der Kuh“. Im regulären Handel darf sie nicht vertrieben werden. Sie wird nicht durch Erhitzen haltbar gemacht und muss abgekocht werden, um Keime abzutöten. Der Fettgehalt wird nicht verändert und liegt bei etwa 4,2 Prozent. Sie wird meist lose verkauft. Schwangere, Säuglinge, Kleinkinder und Immungeschwächte sollten aufgrund der möglichen Keimbelastung auf Rohmilchprodukte verzichten.

Vorzugsmilch

ist Rohmilch, die besonders strenge Auflagen erfüllen muss und dnur mit behördlicher Genehmigung verkauft werden darf. Es gibt sie, anders als Rohmilch-ab-Hof, auch im Einzelhandel. Da sie jedoch trotz strenger Kühl- und Hygienevorschriften Krankheitserreger enthalten kann, sollten Schwangere, Kinder und Immungeschwächte sie vor dem Verzehr abkochen.

Frischmilch

wird pasteurisiert und der Fettgehalt wird standardisiert. Es gibt sie als Vollmilch, fettarme Milch und Magermilch. Sie ist gekühlt sechs bis zehn Tage haltbar.

H-Milch

wird ultrahocherhitzt. Sie ist ungeöffnet mindestens 12 Wochen haltbar, auch ungekühlt. Dabei gehen allerdings ein paar Vitamine verloren und der Geschmack ändert sich leicht. Es gibt sie wie Frischmilch mit verschiedenen Fettgehalten.

ESL-Milch

ist mit bis zu 24 Tagen ungeöffnet länger haltbar als Frischmilch, muss aber gekühlt werden. Bei den Inhaltsstoffen gibt es kaum einen Unterschied. ESL ist die Abkürzung für „extended shelf life“ – längere Haltbarkeit im Regal.

Laktosefreie Milch

enthält höchstens 0,1 Prozent Milchzucker. Die Laktose wird bei der Herstellung in Galaktose und Glukose aufgespalten, um sie für Menschen mit Laktoseintoleranz verträglich zu machen. Die Milch schmeckt dadurch etwas süßlicher. Es gibt sie als Frisch- und H-Milch und mit verschiedenen Fettgehalten. Sie wird zudem zu vielen anderen laktosefreien Milchprodukten weiterverarbeitet.

"Pflanzenmilch"

Ebenfalls laktosefrei und zugleich vegan sind Milchersatzprodukte, die aus Pflanzen gewonnen werden. Sie dürfen, bis auf Kokosmilch, nicht das Wort „Milch“ im Namen tragen. Neben Kokosmilch sind z.B. Soja-, Hafer-, Reis-, Mandel- und Hanfdrink erhältlich, auch im Supermarkt. Sie unterscheiden sich in Geschmack und Inhaltsstoffen bisweilen deutlich von Kuhmilch, können Speisen und dem Morgenkaffee jedoch eine besondere Note verleihen. Als Milchalternative für Babys sind sie nicht geeignet.


Ist Biomilch besser?

Kuh auf einer Wiese (Foto: pixabay/Capri23auto)
Biosiegel beachten

Biomilch ist nicht immer eine Garantie dafür, dass die Kühe "glücklicher" sind als ihre Artgenossen auf anderen Höfen. Deshalb sollte man sich das Biosiegel genau anschauen. Bei den Verbänden Bioland und Demeter kann man davon ausgehen, dass die Kühe auch öfter mal auf die Weide dürfen. Im Saarland kann man sich z.B. auf den Höfen der Bliesgaumolkerei selbst ein Bild davon machen, wie die Milchkühe gehalten werden.


Situation der Milchbauern
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Situation der Milchbauern
Milchbauern sollten fair bezahlt werden. Das ist momentan aber leider nicht so, sagt Hans Lauer vom Bauernverband Saar: Aktuell bekommen sie nur 30 Cent pro Liter.


Weitere Informationen

Ernährung
Der saarländischen Milch auf der Spur
Vom Frühstückstisch bis zum Abendessen - für viele gehört Milch einfach dazu. Aber woher kommt die Milch im Saarland und unter welchen Bedingungen leben die Tiere in der Region?


Auch Thema am 05.04.2018 auf SR 1 in "Balser und Mark. Dein Morgen".

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