Lockdown-Alltag (Foto: pixabay)

Lockdown-Nebenwirkungen

  05.02.2021 | 22:48 Uhr

Fast 11 Millionen Mal ist das Instagram-Video von TV-Moderatorin Marlene Lufen schon geklickt worden, in dem sie vor Nebenwirkungen des Lockdowns warnt. Vor allem Kinder und Jugendliche leiden unter dem Lockdown, sagt sie. Wie sieht das bei uns im Saarland aus?

Vor allem Kinder und Jugendliche leiden unter dem Lockdown

Lockdown-Nebenwirkungen: Depressive und Suchtkranke
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Lockdown-Nebenwirkungen: Depressive und Suchtkranke

Es gibt Studien, die zeigen, dass Kinder und Jugendliche seit Beginn der Pandemie psychisch stärker belastet sind. Das merkt auch Susanne Münnich-Hessel von der Psychotherapeutenkammer des Saarlandes. Sie sagt, dass die erlebte Einsamkeit und die Sorge, Großeltern anzustecken, zu einer möglichen Hilflosigkeit führt.

Dadurch gibt es auch mehr Bedarf an Therapie. Die vermittelt die Terminservicestelle: Im dritten Quartal 2020 hat sie im Saarland 46 Kindern und Jugendlichen einen Therapieplatz vermittelt, im vierten Quartal waren es schon 80. Es gibt aber viel zu wenige Zulassungen für Therapeutinnen und Therapeuten. Daher muss man teilweise Monate warten.

Bei Schulen und Kitas gibt es zwar eine Notbetreuung, aber es heißt: wenn möglich sollen die Kinder zuhause bleiben. Darunter leiden die Kinde aber sehr, weil die Struktur im Alltag fehlt – und auch, weil wichtige Bezugspersonen wegfallen, sagt Stefan Behr vom Kinderschutzbund Saarland. Durch den Lockdown gibt es auch mehr Streit zuhause und vermutlich auch mehr körperliche Gewalt. Deshalb fordert Behr, dass in der Pandemie Kinder und Jugendliche wieder mehr in den Fokus gerückt werden.

Eine schwere Zeit auch für Depressive und Suchtkranke

Lockdown-Nebenwirkungen: Kinder und Jugendliche
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Lockdown-Nebenwirkungen: Kinder und Jugendliche

Wer psychisch gesund ist, kommt durch den Lockdown meistens irgendwie durch, sagt Dr. Monika Vogelgesang, Chefärztin der Median Klinik Münchwies in Neunkirchen, eine Klinik für psychisch Kranke und Suchtkranke. Aber die, die schon mal depressiv waren, die kann der Lockdown schon zurückwerfen, weil sie zum Beispiel nicht mehr unter Leute kommen. Und auch die Wahrscheinlichkeit, etwa alkoholabhängig zu werden, steigt durch die Situation.

Wenn es richtig schlimm ist, braucht man einen Platz in einer Reha-Klinik – aber davon gibt es nicht genug. Ein Grund: In einigen Kliniken dürfen die Zimmer wegen der Pandemie nicht mehr voll belegt werden. Das bedeutet: weniger Platz für Betroffene.

Eine Alternative sind Selbsthilfegruppen. Viele haben sich auf Online-Treffen verlagert; besser als nichts, findet Dr. Vogelgesang, aber der direkte Kontakt fehle da schon. Der Psychologe Frank Lessel vom saarländischen „Bündnis gegen Depression“ sieht das dennoch durchaus positiv und sagt: Online-Gruppen haben auch Vorteile. Das Bündnis gegen Depression bietet im Moment drei solcher Online-Gruppen an.


Auch Thema auf SR 1 am 05.02.2020 in der Sendung 'Hallo Saarland' und am 06.02.2021 in 'Dein Samstag im Saarland'.

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