Gemüse in Plastikverpackung (Foto: dpa)

Kann man das noch essen?

Esther Wagner   18.04.2018 | 00:00 Uhr

Jedes achte Lebensmittel, das wir kaufen, landet im Müll. Das sind pro Jahr 6,7 Milliarden Tonnen - nur in Privathaushalten. Dabei wäre vieles davon noch genießbar gewesen. Hier gibt es Tipps zur Haltbarkeit und zur richtigen Aufbewahrung von Lebensmitteln.

Mindesthaltbarkeitsdatum: Fluch und Segen

Einen Anhaltspunkt gibt das gesetzlich vorgeschriebene Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD). Doch es ist zugleich ein Grund, warum viele Lebensmittel vorzeitig in der Tonne landen. Das MHD ist kein Wegwerfdatum. Es gibt lediglich an, bis wann das ungeöffnete Lebensmittel bei richtiger Lagerung seine Eigenschaften wie Geruch, Geschmack, Farbe, Konsistenz und Nährwert garantiert behält. Essen kann man es oft aber noch länger.

Sonderfall Verbrauchsdatum

Anders als das MHD zeigt das Verbrauchsdatum an, bis wann man ein Lebensmittel spätestens verzehren sollte. Es muss auf Hackfleisch, frischem Geflügel, vepackten Mischsalaten und anderen Produkten angegeben sein, die durch Keime leicht verderben und dann gesundheitsschädlich sind. Die Krankheitserreger bilden Giftstoffe, die mit den menschlichen Sinnen nicht wahrnehmbar sind. Deshalb sollte man Lebensmittel nach Ablauf des Verbrauchsdatums unbedingt entsorgen.

Den Sinnen vertrauen

Wenn das MHD erreicht oder überschritten ist, muss man das Produkt nicht gleich wegwerfen. Oft hilft es, seinen eigenen Sinnen zu vertrauen. Hat sich die Form der Verpackung geändert? Hat sich das Produkt verfärbt? Riecht oder schmeckt es unangenehm?

Der Sinnestest funktioniert allerdings nicht bei allen Lebensmitteln gleich gut. Bei Milchprodukten ist er hilfreich, bei gekühlten Fertigprodukten hilft er nicht immer weiter. Gerade Wurst- und Fleischwaren sollte man deshalb nicht zu lange nach Ablauf des MHD verzehren.

Dunkle Druckstellen an Obst und Gemüse sind in der Regel kein Zeichen, dass das Produkt verdorben ist. Sie lassen sich wegschneiden. Auch gekeimte Kartoffeln kann man noch essen, wenn man die „Füßchen“ großzügig entfernt.

Stark verbeulte, undichte oder rostige Konservendosen sollte man ungeöffnet entsorgen. In ihnen können sich hochgiftige Botulinumtoxine gebildet haben, die man weder riecht, noch schmeckt und die auch durch Kochen nicht unschädlich gemacht werden.

Verschimmelte Produkte wegwerfen

Verschimmelte Produkte sollte man entsorgen. Schimmelpilze bilden Giftstoffe, die unter anderem zu Leber- und Nierenschäden führen können. Sie lassen sich nicht durch Erhitzen zerstören. Auch wenn ein Lebensmittel nur an einer kleinen Stelle sichtbar angeschimmelt ist, kann es komplett vom Pilzgeflecht durchzogen sein. Deshalb gehört das Produkt komplett in den Müll.

Richtige Lagerung beachten

Für die Haltbarkeit von Lebensmitteln ist die richtige Lagerung entscheidend. Dass leicht verderbliche Lebensmittel in den Kühlschrank gehören, ist kein Geheimnis. Doch im Kühlschrank gibt es verschiedene Temperaturzonen, der Unterschied kann bis zu 8 °C betragen. Auf verpackten Produkten ist in der Regel aufgedruckt, bei wieviel Grad sie aufbewahrt werden sollten.

Am wärmsten ist es mit bis zu 10 °C in der Tür, am kühlsten mit höchstens 2 °C in der Nähe des Kühlschrankverdampfers, der sich meistens direkt über dem Gemüsefach befindet.

Fleisch gehört in die kühlste Zone, Eier und Butter halten es auch in der Kühlschranktür recht lange aus. Wer Lebensmittel zudem nach Produktgruppen sortiert, verringert die Gefahr, Keime zu übertragen. Das ist z.B. bei Eiern wichtig, da sie mit Salmonellen belastet sein können. Sie sollten immer getrennt gelagert werden. Auch rohes Fleisch und Fisch sollten nicht mit anderen Lebensmitteln in Kontakt kommen. Rohe und erhitzte Lebensmittel sollte man getrennt lagern und den Inhalt angebrochener Konservendosen in verschließbare Gefäße umfüllen.

Einmal pro Monat sollte man den Kühlschrank reinigen, um Kontaminationen mit Schimmelpilzen und Keimen zu vermeiden, die die Haltbarkeit von Lebensmitteln verringern.

Mehr Tipps zur Lagerung

  • Bananen getrennt lagern. Sie „atmen“ beim Nachreifen das Reifungsgas Ethen aus, das dafür sorgt, dass anderes Obst und Gemüse schneller verdirbt
  • Lebensmittel im Kühlschrank gut verpackt lagern. So verhindert man, dass sie austrocknen und Gerüche annehmen.
  • Obst und Gemüse, an denen Erde haftet, nicht in direkten Kontakt mit anderen Lebensmitteln bringen
  • Früchtemüsli im Sommer im Kühlschrank lagern
  • Grünzeug von Möhren und Radieschen abschneiden, da sie sonst schneller austrocknen
  • Gurken, Zucchini, Tomaten, Paprika und viele Südfrüchte sind kälteempfindlich und gehören deshalb nicht in den Kühlschrank

Mehr zum Thema

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Broschüre zur Lebensmittelhaltbarkeit (PDF)
Im Saarland läuft gerade die Aktionswoche gegen Lebensmittelverschwendung. Dazu gibt's auch eine Broschüre des Umweltministeriums, mit Tipps und Tricks zur Haltbarkeit von Lebensmitteln.

Auch Thema in "Balser & Mark. Dein Morgen" am 19.04.2018 auf SR 1.

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