Fahrrad (Foto: dpa)

Straße saniert und für Radfahrer verschlechtert

L250 St. Ingbert - Dudweiler

Stephan Deppen   09.10.2020 | 12:15 Uhr

Immer mehr Menschen nutzen das Fahrrad - auch im Alltag. Das Saarland ist bundesweit aber immer noch Schlusslicht - und das mit großem Abstand. Gerade mal zwei Prozent Fahrradanteil am Verkehrsaufkommen sprechen eine deutliche Sprache. Dass dem so ist, liegt aber nicht nur an der Topographie, sondern auch - oder vor allem - an der mangelnden Infrastruktur. Zwischen Saarbrücken, Dudweiler und Sankt Ingbert gibt es jetzt ein neues Beispiel dafür.

Audio

L250: Straße saniert und für Radfahrer verschlechtert
Audio [SR 3, Stephan Deppen, 09.10.2020, Länge: 03:02 Min.]
L250: Straße saniert und für Radfahrer verschlechtert

Kritik: kein zeitgemäßer Ausbau

L 250 - die Landstraße zwischen Sankt Ingbert und Dudweiler. Das Teilstück zwischen St. Ingbert und Abzweig Neuweiler wurde saniert und vor einer Woche wieder für den Verkehr freigegeben. Werner Ried vom Verkehrsclub Deutschland ( VCD) ist von dem Ergebnis jedoch alles andere als begeistert. "Wir sind sehr überrascht und enttäuscht." Der Grund: Ein zeitgemäßer Ausbau für Fahrradfahrer ist unterblieben. Stattdessen wurde der ursprüngliche Zustand mit einem kombinierten Fuß-Radweg auf einer Seite wieder hergestellt.

Kritik: Leitplanken

Und nicht nur das: Es wurden auch Leitplanken installiert. Stählerne Leitplanken seien für Fahrradfahrer der absolute Gau, sagt Ried. "Wer da stürzt, kann sich richtig verletzen. Das ist lebensgefährlich."

Die Leitplanken sind vielleicht nötig, weil das Tempolimit für den motorisierten Verkehr wieder angehoben wurde - von 50 auf 70 km/h. Für den VCD ein falsches Signal.

Der Landesbetrieb für Straßenbau (LfS) erklärt in einer schriftlichen Stellungnahme dazu: "Die Geschwindigkeitsbegrenzung auf 50 k/mh wurde aufgrund eines akuten Unfallgeschehens angeordnet, da die Griffigkeit der Fahrbahn nicht mehr gewährleistet war. Nach Fertigstellung der Baumaßnahme soll der ursprüngliche Zustand 70 k/mh wieder hergestellt werden. Die Zuständigkeit für die Anordnung obliegt dem Regionalverband Saarbrücken." Der Regionalverband hat mündlich wieder an den LfS verwiesen.

Kritik: Abzweig Neuweiler

Wer am Abzweig Neuweiler mit dem Rad geradeaus fahren will, werde nicht sicher auf die Fahrbahn zurückgeführt und diesen Fehler sei auch im Rahmen der Straßendecken-Erneuerung nicht behoben worden, sagt Ried.

In diesem Punkt räumt der Landesbetrieb ein, dass die Herstellung der alten Verkehrsführung vielleicht nicht eine gute Lösung darstellt: "In der Tat gibt es im Einmündungsbereich Abzweig Neuweiler Optimierungsbedarf. Der LfS ist in der Abstimmung mit der zuständigen Verkehrsbehörde zur Verbesserung der Situation."

Fazit

Eine saarländische Landesstraße wurde komplett instand gesetzt und für Fahrradfahrer ist die Situation gefährlicher als zuvor. Dabei hatte der VCD rechtzeitig das Gespräch gesucht. So bleibt aus Radfahrer-Sicht wieder einmal eine Chance ungenutzt.

Auch Thema auf SR1 am 09.10.2020 in 'Hallo Saarland.'

Artikel mit anderen teilen


Push-Nachrichten von SR.de
Benachrichtungen können jederzeit in den Browser Einstellungen deaktiviert werden.

Datenschutz Nein Ja