Leerer Klassenraum in einer Schule (Foto: SR)

Einheitliche Regelungen der Gesundheitsämter gefordert

  06.11.2020 | 14:01 Uhr

Corona trifft immer stärker auch die Schulen im Saarland. Rund 2800 Schüler und Lehrer sind derzeit in Quarantäne. Problematisch ist dabei nicht nur die Überlastung der Gesundheitsämter, sondern auch deren unterschiedliche Vorgaben von Landkreis zu Landkreis.

Unterschiedliche Vorgaben der Gesundheitsämter

Die Gesundheitsämter unterstehen den Landkreisen, und von Kreis zu Kreis gelten unterschiedliche Regelungen. Mit kuriosen Folgen.

Beispiel: Das Gymnasium Wendalinum in St. Wendel hat derzeit 45 Schülerinnen und Schüler in Quarantäne, außerdem müssten eigentlich siebzehn Lehrerinnen und Lehrer zuhause bleiben. Zwei von ihnen dürfen dennoch unterrichten - weil sie nicht im Landkreis St. Wendel wohnen.

Einheitliche Regelungen der Gesundheitsämter gefordert
Audio [SR 1, Patrick Wiermer, 06.11.2020, Länge: 02:04 Min.]
Einheitliche Regelungen der Gesundheitsämter gefordert

Diese beiden Lehrer - der eine lebt im Kreis Neunkirchen, der andere im Kreis Kusel - sind von der Quarantäne befreit, weil es den dortigen Gesundheitsämtern genügt, dass die Lehrer eine einfache Mund-Nasen-Maske im Unterricht tragen. Von einem Lehrer, der im Kreis St. Wendel wohnt, fordert das dortige Gesundheitsamt dagegen, "dass er die FFP2-Maske trägt und dass regelmäßig gelüftet wird. Dann kann ein Kollege von der Quarantäne entbunden werden", so Schulleiter Alexander Besch.

Der St. Wendeler Landrat Udo Recktenwald spricht sich daher für einheitliche Regelungen aus, auch über das Saarland hinaus. Andernfalls befürchtet er einen "Lockdown durch die Hintertür", weil zu viele Schüler und Lehrer in Quarantäne geschickt werden. Recktenwald ist deshalb dafür, "dass wir Kontaktpersonen nicht grundsätzlich in Quarantäne schicken, wenn es eine infizierte Person in der Klasse gibt, sondern unter Wahrung der Mund-Nase-Bedeckung und bei Lehrern auch der FFP2-Maske, unter Wahrung von Abständen, aber auch unter Wahrung des Lüftungs-Konzeptes die Klassen weiter unterrichten und auch die Lehrer weiter am Unterricht teilnehmen lassen."

Allerdings müssten dann alle Lehrer mit FFP2-Masken ausgestattet werden. Das hat das Bildungsministerium jedoch bislang abgelehnt.

Überlastete Gesundheitsämter

Probleme gibt es auch bei der Kontaktnachverfolgung. Da die Gesundheitsämter derzeit total überlastet sind, funktioniert sie nicht immer so wie es sein sollte. Es gibt immer wieder Hinweise, dass das Gesundheitsamt oder das Ordnungsamt nur schwer zu erreichen seien, dass man oft lange auf die schriftliche Quarantäne-Anordnung warten müsse, wenn man sie denn überhaupt bekommt. Schließlich ist sie ja wichtig, um sie beim Arbeitgeber einzureichen und eventuell Lohnersatz zu bekommen.

Und offenbar kommen die Ämter teilweise nicht einmal dazu, die Betroffenen mündlich über die Quarantäne-Anordnung in Kenntnis zu setzen. So kommt es durchaus vor, dass ein Schüler nicht vom Amt, sondern von seinem Lehrer über die Quarantäne informiert wird. Landrat Recktenwald kennt solche Fälle; der juristisch saubere Weg sei das aber nicht.

Beide - Schulleiter Besch und Landrat Recktenwald - wünschen sich daher mehr Unterstützung vom Land.

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Auch Thema auf SR 1 am 06.11.2020 in der Sendung 'Balser & Mark. Dein Morgen'.

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