Kinder sitzen auf einer Bank im Kindergarten (Foto: pixabay/tolmacho)

Das Saarland braucht mehr Erzieher

  26.09.2019 | 05:00 Uhr

Die Kita-Qualität im Saarland ist nicht kindgerecht, weil die Erzieherinnen und Erzieher sich um zu viele Kinder kümmern müssen. Für eine optimale Betreuung müsste das Saarland zusätzlich rund 1350 Fachkräfte einstellen. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Studie der Bertelsmann Stiftung.

Der Ländermonitor Frühkindliche Bildungssysteme 2019 hat für das Saarland ermittelt: In 482 KiTas betreuen 6.605 pädagogische Fachkräfte derzeit 6.425 Kinder unter 3 Jahren und 26.281 Kinder ab 3 Jahren.

Studie: Das Saarland braucht mehr Erzieher
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Studie: Das Saarland braucht mehr Erzieher

Die gute Nachricht: Im Saarland hat zwischen 2008 und 2018 die Zahl der Erzieherinnen und Erzieher in KiTas um mehr als 50 Prozent zugenommen und ist von 4.191 auf 6.385 Fachkräfte angestiegen. Die Zahl der KiTa-Kinder ist in dieser Zeit allerdings auch gestiegen: von 29.481 auf 32.706 Kinder. Das führt zu der weniger guten Nachricht: An der Betreuungssituation in den saarländischen KiTas hat sich im Grunde nur wenig geändert.

Optimaler Personalschlüssel
wird meist nicht erreicht

Um eine kindgerechte Betreuung zu gewährleisten, müssen die Erzieherinnen und Erzieher sich um jedes Kind ausreichend kümmern können. Das optimale Verhältnis gibt der sogenannte Personalschlüssel wieder: Auf der Basis wissenschaftlicher Erkenntnisse empfiehlt die Bertelsmann Stiftung, dass in Kinderkrippen eine Fachkraft maximal drei Kinder unter drei Jahren betreuen sollte, in Kindergärten liegt der empfohlene Personalschlüssel bei 1 : 7,5 Kindern ab drei Jahren.

Personalschlüssel empfohlen im Saarland
im Krippenbereich 1 : 3 1 : 3,8
im Kindergarten 1 : 7,5 1: 9,7

Im Saarland liegt der Personalschlüssel bei Kinderkrippen durchschnittlich bei 3,8 Kindern unter drei Jahren, bei den Kindergärten bei 9,7 Kindern ab drei Jahren. Der optimale Personalschlüssel wird in 29 % der Krippengruppen erreicht, bei 64 % fällt er dagegen schlechter aus; in Kindergartengruppen sind 76 % der Personalschlüssel schlechter als empfohlen, 14 % sind besser, so die Studie.

Im bundesweiten Vergleich liegt das Saarland damit im Mittelfeld. Am besten abgeschnitten hat in der Studie insgesamt Baden-Württemberg; beim Kindergarten schneidet Mecklenburg-Vorpommern am schlechtesten ab und im Krippenbereich Sachsen.

Regionale Unterschiede in den Landkreisen

Mit Blick auf den Personalschlüssel gibt es bei den Kindergärten im Saarland deutliche Unterschiede von Landkreis zu Landkreis. Der Saar-Pfalz-Kreis schneidet hier am besten ab, Neunkirchen am schlechtesten. Bei den Krippen sind die Unterschiede von Landkreis zu Landkreis geringer. Den besten Personalschlüssel erreicht hier der Kreis St. Wendel, Saarlouis dagegen liegt mit 4 Kindern pro Fachkraft am weitesten über der Empfehlung.

Landkreis Krippengruppen Kindergärten
Merzig-Wadern 1 : 3,7 1 : 9,4
St. Wendel 1 : 3,6 1 : 9,9
Neunkirchen 1 : 3,9 1 : 10,8
Saarlouis 1 : 4,0 1 : 9,7
Saar-Pfalz-Kreis 1 : 3,8 1 : 9,2
Regionalverband Saarbrücken 1 : 3,8 1 : 9,9

Kinderkrippe (Foto: dpa)

Zu wenige, dafür überlastete Fachkräfte

Seit 2013 haben Eltern einen Rechtsanspruch auf einen Krippenplatz. Dabei ist aber nicht nur wichtig, dass es genügend Plätze gibt, sondern auch, dass eine kindgerechte Betreuung gewährleistet ist.

Im KiTa-Alltag sieht die Sache daher noch schlechter aus, als es die Zahlen des Ländermonitors wiedergeben. Denn die Erzieherinnen und Erzieher können nicht ihre volle Arbeitszeit der Kinderbetreuung widmen. Wissenschaftliche Untersuchungen haben ergeben, dass rund ein Drittel der Arbeitszeit u.a. für Gespräche mit Eltern, für die Dokumentation der Kindesentwicklung oder auch für Fortbildung aufgewendet wird.

Video [aktueller bericht 26.09.2019]
Zu wenige Erzieher im Saarland

Das bedeutet beispielsweise im Saarland, dass in Krippengruppen eine Mitarbeiterin in Wirklichkeit 5,7 Kinder betreuen muss; in Kindergartengruppen ist eine Fachkraft tatsächlich für 14,5 Kinder zuständig. Urlaubstage oder Krankheitsfälle bringen das Personal dann oft an seine Grenzen.

Um das Defizit auszugleichen und die KiTas im Saarland auf das empfohlene Niveau zu bringen, müsste das Saarland, so die Bertelsmann Stiftung, rein rechnerisch 1344 Vollzeitkräfte zusätzlich einstellen: 520 Fachkräfte zur Betreuung von Kindern unter drei Jahren und 824 Fachkräfte zur Betreuung von Kindern ab drei Jahren bis zur Einschulung.

Grundlage des jährlich aktualisierten Ländermonitorings Frühkindliche Bildungssysteme sind Auswertungen von Daten der Statistischen Ämter des Bundes und der Länder aus der Kinder- und Jugendhilfestatistik und weiteren amtlichen Statistiken. Stichtag für die Datenerhebung war der 15. März 2008 und jeweils der 1. März 2013 und 2018.


Auch Thema auf SR 1 am 26.09.2019 in der Sendung 'Balser & Mark. Dein Morgen'.

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