Kindergarten (Foto: pixabay/FeeLoona)

Wie Kleinkinder die Corona-Welt erleben

  24.04.2020 | 19:19 Uhr

Maskierte Menschen, keine KiTa und angespannte Eltern - Kleinkinder erleben derzeit eine Situation, die sie nicht verstehen und erfassen können. Wie sollten Eltern darauf reagieren? Und wie könnte eine schrittweise Öffnung der KiTas aussehen? Das erklärt Prof. Dr. Fabienne Becker-Stoll, Professorin am Institut für Frühpädagogik (IFP) in München.

Corona, Eltern und ihre Kinder
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Corona, Eltern und ihre Kinder

Die Coronakrise stellt für uns alle eine außergewöhnliche Situation dar. Bei Kleinkindern kommt hinzu, dass sie die Ursache für die Änderungen in ihrem gewohnten Alltag durch die Maßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus und damit auch die Maßnahmen selbst nur bedingt verstehen können. Plötzlich dürfen sie nicht mehr in die KiTa oder auf den Spielplatz, die Eltern wirken besorgt und die Menschen draußen haben Masken auf.

Ehrlicher Umgang mit Kleinkindern

Auch wenn Kleinkinder nicht komplett verstehen, was derzeit passiert, so begreifen sie doch, dass etwas anders ist als sonst. Auch die Sorge der Eltern ist für junge Kinder spürbar. Viele Eltern sind sich nicht sicher, wie sie auf Fragen der Kinder zum Thema Corona reagieren sollen. "Je kleiner die Kinder sind, desto mehr hängt ihr Wohlbefinden alleine von der guten Beziehung, die sie zu Mama und Papa, zu den Nächsten um sich herum haben", erklärt Prof. Dr. Fabienne Becker-Stoll vom Münchner Institut für Frühpädagogik (IFP). Eltern sollten deshalb versuchen, so gut es geht mit ihren kleinen Kindern zusammen eine schöne Zeit zu verbringen.

Auf Fragen von Kindergarten- oder Grundschulkindern sollte man ehrlich und kindgerecht antworten. Zuzugeben, dass man sich gerade Sorgen macht und dass die Situation nicht einfach ist, ist dabei völlig in Ordnung. Trotzdem sollte man vermitteln: "Wir sind die Verantwortlichen und wir werden eine Lösung finden," so Prof. Becker-Stoll.

Die derzeit fehlenden sozialen Kontakte, die Kinder normalerweise zu anderen Kindern in KiTas oder auf Spielplätzen hätten, sind für die Kleinen kein Problem, meint die Professorin. Eine Trennung von den Eltern oder den Bezugspersonen wäre dagegen problematisch, denn diese Bindung ist bei Kleinkindern ganz besonders wichtig.

Keine Maske tragen

Im Umgang mit kleinen Kindern sollten Eltern auf keinen Fall eine Maske tragen. Denn Kleinkinder achten vor allem auf das Gesicht ihrer Bezugsperson, also der Eltern, Erzieher oder Tagesmütter. "Der Gesichtsausdruck der Eltern oder Bezugspersonen ist für die ganz kleinen Kinder sehr wichtig, um die Situation einzuschätzen," erklärt Prof. Becker-Stoll. Wenn man aber eine Maske trägt, kann das Kind dem Gesichtsausdruck nicht entnehmen, ob man lächelt und entspannt oder aber besorgt ist. Das ist für die Kinder aber sehr wichtig: "Vor allem, um die Bestätigung und Rückmeldung zu bekommen: Hier ist alles gut, mir geht es gut, der Mama geht es gut, wir können entspannen."

Auch den kleinen Kindern selbst eine Gesichtsmaske anzuziehen hält Prof. Becker-Stoll für sinnlos. Die Masken wären schnell durchfeuchtet und würden von den Kindern unbewusst angefasst.

 (Foto: Simin Sadeghi)

Kindertagesstätten neu organisieren

Noch sind die KiTas geschlossen - bis auf eine Notbetreuung. Aber auch dann, wenn KiTas schrittweise wieder für bestimmte Gruppen wie Vorschulkinder geöffnet werden können, hält Prof. Becker-Stoll einen vollen Betrieb bzw. eine Rückkehr zur Normalität derzeit für unmöglich. Bei einer Öffnung sollte man die Kinder vielmehr in festen Gruppen organisieren von etwa fünf Kindern pro Gruppe oder je nach Alter auch einigen mehr. Diese Gruppen sollten untereinander keinen Kontakt haben, verschiedene Räumlichkeiten benutzen und zu verschiedenen Zeiten in den Garten, rät die Professorin.

Generell sei es äußerst wichtig, eine Durchmischung von Kontakten zu vermeiden. Deshalb sollten auch die Eltern die KiTa am besten nicht betreten und auch keinen direkt Kontakt zu den Erziehern haben. Das Bringen und Abholen müsste auch zeitlich so organisiert werden, dass nicht alle Eltern gleichzeitig vor dem Kindergarten zusammentreffen. Auf diese Weise bliebe in den kleinen Gruppen die Ansteckungen gering und zudem könnte man gegebenenfalls die Infektionsketten einfach und schnell nachverfolgen.

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Auch Thema auf SR 1 am 24.04.2020 in der Sendung 'Balser & Mark. Dein Morgen'.

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