E-Bikes (Foto: Saarmesse / Sven Michel)

Gebrauchte E-Bikes: Worauf man beim Kauf achten sollte

Yvonne Schleinhege   30.04.2021 | 00:00 Uhr

Im vergangenen Sommer waren die Läden und Lager der Fahrradhändler zeitweise leergekauft. Die Corona-Krise hat zu einem echten Fahrrad-Boom geführt. Gerade in etwas hügeligeren Regionen wie dem Saarland wird gerne zum E-Bike gegriffen. Allerdings sind die nicht ganz billig. Eine Alternative kann da ein gebrauchtes E-Bike sein.

Der Trend zum E-Bike oder Pedelec ist ungebrochen. Nach Zahlen des Zweirad-Industrie-Verbandes wurden allein in Deutschland 2020 rund zwei Millionen solcher Fahrräder verkauft. Weil die Lager teils leergefegt waren, war es kaum möglich bei Schnäppchenaktionen oder im Schlussverkauf einen Glücksgriff zu landen. E-Bikes sind teuer. Im Schnitt geben Käufer in Deutschland rund 2600 Euro aus. Gebraucht gibt es die natürlich günstiger.  

Wo finde ich ein gebrauchtes E-Bike?

Gebrauchte E-Bikes findet man in der Regel auf zwei Wegen: entweder über eine Kleinanzeige in der Zeitung oder auf den bekannten Online-Marktplätzen (wie z.B. Ebay-Kleinanzeigen) oder auch in Fahrrad-Foren. Daneben gibt es inzwischen eine Reihe von professionellen Online-Gebraucht-Fahrradhändlern wie Bikesale, Rebike oder wirkaufendeinfahrrad.de.

E-Bike gebraucht kaufen
Audio [SR 1, Yvonne Schleinhege, 30.04.2021, Länge: 02:50 Min.]
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Gekauft wie gesehen

Wer ein E-Bike von Privat kauft, muss eines wissen: Alle Risiken bleiben beim Käufer hängen. Daher sollte man das Rad unbedingt Probe fahren und dabei so gut wie möglich checken. Schon wenn man die Anzeigen durch schaut, sollte man auf eines achten, sagt Thomas Abel vom ADFC Saarland: Das Rad sollte immer komplett mit Akku und Ladegerät angeboten werden. Fehlt etwa der Akku, könnte dies ein Anzeichen sein, dass das E-Bike gestohlen wurde. Bei einer seriösen Anzeige sollten der Original-Kaufbeleg und auch die Rahmennummer zu lesen und das Rad auch gut beschrieben sein.

Probefahrt wichtig

Auch eine Anleitung und ein Serviceheft oder Rechnungen über die Wartung des Rades gehören beim Kauf eines gebrauchten E-Bikes dazu. Sinnvoll ist es, vielleicht noch bevor man eine Probefahrt vereinbart, beim Hersteller nachzuschauen, ob es für das Modell potentiell noch Ersatzteile gibt. Bei sehr alten Rädern können die nicht mehr verfügbar sein, und das ist dann ziemlich ärgerlich. Liegen all diese Dinge vor, sollte man dennoch unbedingt eine Probefahrt machen, rät der Experte Thomas Abel. Nur so könne man sehen ob Größe und Rahmenart auch zu einem passen, denn man sollte bequem sitzen und sich vor allem nicht überstrecken müssen.

Checkliste für die Probefahrt

Schaut man sich das Rad vor Ort bei einem Privatverkauf an, gilt es, auf ein paar ganz einfache Dinge zu achten: Vorsichtig sein sollte man bei Rost, groben Kratzern, Rissen oder Dellen im Rahmen. Dies können Hinweise auf einen Sturz oder Unfall sein. Bei der Probefahrt sollte man tatsächlich so wie im Alltag fahren. Dazu gehört auch mal ein Schlagloch oder eine kleine Bordsteinkante.

Tipp des Profis: Man sollte das E-Bike immer selbst einschalten, ggf. sieht man dann schon erste Fehlermeldungen. Bei der Probefahrt sollte der Käufer immer auf die Fahrgeräusche achten. Der Motor sollte ruhig und gleichmäßig laufen, erklärt Thomas Abel vom ADFC. Ein Ruckeln und Schleifen könne ein Hinweis darauf sein, dass etwas defekt ist.

Der Akku als Herzstück

Bei der Probefahrt lohnt es sich auch nachzufragen, wie häufig das Rad gefahren und wo das Fahrrad samt Akku aufbewahrt wurde. Stand das E-Bike auch im Winter samt Akku in der Garage, dann hat das sicher negative Folgen für die Akku-Kapazität.

Wie gut ein Akku tatsächlich noch ist, kann nur eine spezielle Analyse beim Fachhändler zeigen. Aber auch die hat Grenzen. Einige Fachhändler bieten eine solche technische Inspektion an. Sie kostet etwa 50 Euro. Ausgelesen werden kann dann, wie viele Ladezyklen bereits vorgenommen wurden.

Grundsätzlich gilt: Akkus haben laut Experte Abel eine Haltbarkeit von fünf bis sieben Jahren, danach muss Ersatz her. In so einem Fall ist es unabdingbar, vorher zu prüfen, ob es noch Ersatzakkus gibt. Sie kosten dann häufig zwischen 500 und 1000 Euro.

Im Netz gebe es zudem Angebote, dass nur die Zellen in den Akkus getauscht werden, sagt Thomas Abel. Auch das könne eine Option sein.

Garantie bei einem gewerblichen Käufer

Der Kauf eines E-Bikes über einen professionellen Gebraucht-Fahrradhändler hat einen wichtigen Vorteil: Gewerbliche Verkäufer sind verpflichtet, mindestens ein Jahr Garantie zu geben, auch wenn die ursprüngliche Händlergarantie bereits abgelaufen ist.

Beim Kauf im Fachhandel sollte man aber auch darauf achten, dass es in der Nähe eine Werkstatt gibt, die das E-Bike gegebenenfalls reparieren kann, das heißt, sich auch mit der Marke und der Technik auskennt. Das gilt übrigens auch, wenn man das Rad aus privater Hand kauft.

Kosten für ein gebrauchtes E-Bike

Händler, die gebrauchte E-Bikes anbieten, findet man stationär oder aber auch über entsprechende Online-Plattformen. Die E-Bikes, die dort angeboten werden, sind häufig Leasing-Rückgänger oder Vorführräder.

Die E-Bikes von professionellen Gebraucht-Bike-Händlern sind i.d.R. geprüft und durchgecheckt, aber zum Teil auch teurer als von Privat. Wie viel ein gebrauchtes E-Bike kostet, ist nach Aussage von ADFC-Experte und Fahrradhänder Abel pauschal schwer zu sagen. Tendenziell gilt aber: Ein teures Markenrad verliert weniger schnell an Wert als ein günstiges E-Bike vom Discounter. Es lohnt sich also, die Preise sehr genau zu vergleichen.


Auch Thema auf SR 1 am 30.04.2021 in der Sendung 'Dein Morgen im Saarland'.

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