Eine Zivilschutzsirene auf einem Dach (Foto: Christopher Benkert/Feuerwehr Neunkirchen)

Aus Gefahren sollen keine Katastrophen werden

  21.07.2021 | 15:54 Uhr

Hätte man die Menschen vor dem Starkregen und der Flut besser warnen können? Wie gut ist der Katastrophenschutz im Saarland?

Im Saarland sind die Landkreise für den Katastrophenschutz zuständig. Das Meldesystem funktioniert folgendermaßen: Der Deutsche Wetterdienst meldet an das gemeinsame Melde- und Lagezentrum von Bund und Ländern; diese Meldungen werden weitergeleitet zur Leitstelle im Saarland und vor dort aus direkt an die Einheiten des Brand- und Katastrophenschutzes, erklärt Patrik Lauer, Landrat von Saarlouis und Vorsitzender des Landkreistages im Saarland.

Für Warnmeldungen sensibilisieren

Über Radio, Fernsehen, Internet, Videotext und die Frühwarnapp kann die Warnung dann einen großen Teil der Bevölkerung erreichen. Doch vieles geht dabei in der Masse der Meldungen unter. Hier wäre eine stärkere Priorisierung wichtig, so Lauer, um der Bevölkerung zu signalisieren: 'Wir melden nur dann, wenn wirklich große Gefahr besteht', um auf diese Weise in der Bevölkerung eine größere Sensibilisierung zu erreichen.

Aus Gefahren sollen keine Katastrophen werden
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Aus Gefahren sollen keine Katastrophen werden
Patrik Lauer, Landrat des Kreises Saarlouis und Vorsitzender des Landkreistages im Saarland im SR 1 Interview

Mehr Sirenen

Sirenen könnten ebenfalls ein wirksames Mittel sein, um die Aufmerksamkeit der Bevölkerung zu erreichen, meint Patrik Lauer. Allerdings wurden in der Vergangenheit viele Sirenen abgebaut. Inzwischen weiß man, dass das ein Fehler war. Ein Förderprogramm des Bundes soll das jetzt revidieren.

Allerdings müsste darüber hinaus die Bevölkerung auch darin geschult werden, die Signale der Sirenen richtig zu deuten, also zu erkennen, ob es sich bei der Warnung um einen Brand, einen Chemieunfall oder einen Starkregen handelt: "Denn nur dann wird man sich auch richtig verhalten können", so Lauer.

Dem Wasser mehr Raum geben

Auf der anderen Seite sollten auch umweltpolitische Maßnahmen ergriffen werden, um mit den Auswirkungen des Klimawandels und kommenden Starkregen-Ereignissen fertig werden zu können. Wichtig wären, so Lauer, mehr Retensionsflächen, in denen das Wasser keinen Schaden anrichten kann. Zudem müssten mehr Flächen wieder entsiegelt werden. Andernfalls könnten die Folgen verheerend sein.

"Die Aufgabe des Katastrophenschutzes ist es, dass aus solchen Gefahren eben nicht Katastrophen werden." Dafür sorgen, so Lauer, die unermüdlichen Helfer des Katastrophenschutzes, die in der Vergangenheit bereits viele Menschen aus lebensgefährlichen Situationen gerettet haben.

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Auch Thema auf SR 1 am 20.07.2021 in der Sendung 'Stand der Dinge' und am 21.07.2021 in der Sendung 'Dein Morgen im Saarland'.

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