Impfung (Foto: SR)

Kinderärzte wollen Empfehlungen der STIKO abwarten

  28.05.2021 | 19:38 Uhr

Nach den Pfingstferien startet wieder der Präsenzunterricht. Deshalb haben sich Bund und Länder dafür ausgesprochen, auch Kinder zeitnah zu impfen. Von der EU-Arzneimittelbehörde EMA wurde der Impfstoff von BioNTech/Pfizer für Kinder ab 12 Jahren freigegeben. Die Ständige Impfkommission (STIKO) hat allerdings noch keine allgemeine Impfempfehlung abgegeben. Und auch die Kinderärzte raten, erst noch weitere Studien abzuwarten.

BionTech-Impfstoff in der EU ab 12 Jahren zugelassen

Die EU-Arzneimittelbehörde (EMA) hat den Corona-Impfstoff von BioNTech/Pfizer für Kinder und Jugendliche von zwölf bis 15 Jahren zugelassen. Damit steht in der EU erstmals ein Corona-Impfstoff für Kinder zur Verfügung. Daten aus klinischen Tests zeigten, dass der Impfstoff in dieser Altersgruppe eine hohe Schutzwirkung habe und gut vertragen werde. Es gebe keine "ernsten Bedenken" wegen möglicher Nebenwirkungen, so die Behörde.

Kinderärzte wollen Empfehlungen der STIKO abwarten
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Kinderärzte wollen Empfehlungen der STIKO abwarten
Kinderarzt Dr. Benedikt Brixius im SR 1 Interview mit Moderatorin Nina Heck

Kinder mit Vorerkrankungen priorisieren

Die Ständige Impfkommission (STIKO) dagegen hält sich mit einer allgemeinen Empfehlung noch zurück. Dr. Benedikt Brixius vom Berufsverband der Kinderärzte im Saarland rechnet damit, dass sie eher dazu raten wird, priorisierte Kinder zu impfen, also solche mit bestimmten Erkrankungen wie einem schweren Herzfehler oder Trisomie 21. In solchen Fällen sei eine Impfung sehr wichtig, so Brixius.

Weitere Studien abwarten

Der Kinderarzt spricht sich allerdings gegen eine flächendeckende Impfung von Kindern aus. Dazu sei bislang noch zu wenig über mögliche Nebenwirkungen bei Kindern bekannt. An einer BioNTech-Studie hätte nur eine kleine Gruppe teilgenommen. Derzeit laufen aber größere Studien in Israel und den USA. In ein bis zwei Monaten könnten deren Ergebnisse vorliegen. Davon könnten wir dann profitieren, so Brixius.

In Anbetracht knapper Impfstoffe dürfe man auch das Gesamtbild nicht aus den Augen verlieren. Denn es gebe eine große Gruppe, die die Impfung dringender benötige, weil sie gefährdeter ist als Kinder, so Brixius. Hier müsse die Verhältnismäßigkeit gewahrt bleiben.

Weitere Informationen

Corona-Impfung ab 12 Jahren möglich
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Zulassung vorausgesetzt
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Nach Wegfall der Impfpriorisierung am 7. Juni sollen auch Kinder- und Jugendliche über 12 Jahren Impftermine bekommen können. Andererseits betonte die saarländische Gesundheitsministerin am Donnerstag erneut: Auch nach diesem Stichtag sollten priorisierte Menschen bei der Terminvergabe bevorzugt werden.


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Keiner der in Deutschland verwendeten Impfstoffe ist bisher für Kinder zugelassen - dennoch plant Gesundheitsminister Spahn ein Impfangebot bis Ende August. Die STIKO aber sieht eine allgemeine Impfempfehlung skeptisch.


STIKO-Empfehlung abwarten
Kinderärzte warnen vor zu schnellem Einsatz von Corona-Impfung
Der Verband der Kinder- und Jugendärzte im Saarland hat davor gewarnt, einen Corona-Impfstoff für Kinder- und Jugendliche sofort nach dessen Zulassung in der Breite einzusetzen. Man müsse zunächst die Empfehlung der STIKO abwarten. Außerdem sprechen sich die Ärzte ausdrücklich dagegen aus, Impfungen zur Bedingung für den Schul- und Kitabesuch zu machen.


Auch Thema auf SR 1 am 26.05.2021 in der Sendung 'Stand der Dinge'.

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