Münsterländer (Foto: SR/Simin Sadeghi)

Geschlossene Hundeschulen und die Folgen

Simin Sadeghi   24.02.2021 | 09:29 Uhr

In Zeiten von Lockdown und Homeoffice haben sich viele dazu entschlossen, sich einen Hund zuzulegen. Doch was dabei oft vergessen wurde: Auch die Hundeschulen sind geschlossen. Und das hat Folgen.

Da im Lockdown fast alles geschlossen ist, zieht es viele in die Natur. Und wenn man schon ständig spazieren geht, könnte man sich doch eigentlich auch einen Hund zulegen. Zumal man ja wegen Homeoffice auch viel zuhause ist. Irgendwann wird sich das wieder ändern, und das wird so manchen frisch gebackenen Hundebesitzer dann noch vor Probleme stellen.

Aber auch in diesen Lockdown-Zeiten gibt es ein Problem, an das vermutlich nicht immer gedacht wurde: Auch die Hundeschulen sind geschlossen.

Der Hunde-Nachwuchs im "Homeschooling"
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Der Hunde-Nachwuchs im "Homeschooling"

Für diejenigen, die sich einen Welpen ins Haus geholt haben, heißt das: "Homeschooling" für den Hunde-Nachwuchs. So trainiert beispielsweise Daniel mehrmals täglich mit seinem Dackelwelpen Karsten die Grundkommandos - mal mit mehr, mal mit weniger Erfolg. Doch die Grundkommandos sind nicht alles.

Welpen müssen den sozialen Umgang mit ihren Artgenossen lernen. Besonders für junge Hunde sei der Umgang mit anderen Hunden und regelmäßiges Training wichtig, sagt Maike Lehnen von der Hundesschule Discovery Dog in Kirkel-Limbach. Und wenn die Halter noch unerfahren seien, könne es dazu kommen, dass der Hunde falsches Verhalten lerne und wichtige Dinge gar nicht. Die Palette der möglichen Fehlentwicklungen sei breit, sagt die Hundetrainerin.

Und Halter machen oft aus Unwissenheit Fehler. "Ein Hund braucht einfach Regeln und Strukturen, an denen er sich orientieren kann," sagt Lehnen. Dazu gehörten auch Konsequenz und gerade bei jungen Hunden viel Ruhe.

Um Hundebesitzern trotz Lockdown helfen zu können, bietet ihre Hundeschule Onlinekurse und Einzelunterricht an. Eine Welpenschule kann das jedoch nicht ersetzen.

Rückschritte auch bei erprobten Hundeschulgängern

Auch der Lockdown der Hundeschulen hat Folgen
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Auch der Lockdown der Hundeschulen hat Folgen

Doch nicht nur für frisch gebackene Hundebesitzer ist der Lockdown der Hundeschulen ein Problem. Das Münsterländer-Mädchen Nala hatte in den ersten Monaten ihres jungen Lebens mit Frauchen Fabienne regelmäßig die Hundeschule besucht und dort auch viel gelernt. Dann kam Corona, die Hundeschule musste schließen. Ein halbes Jahr ist das nun her und die inzwischen einjährige Hündin hat sich so einige Unarten angewöhnt. Zudem ist sie deutlich mehr auf ihre Menschen fixiert. Sie zeige mehr Eifersucht gegenüber anderen Hunden und spiele auch nicht mehr so viel mit Artgenossen wie früher, sagt Fabienne.

Zu viel Aufmerksamkeit

Das sei typisch, sagt Hundetrainerin Maike Lehnen. Vor allem die viele Aufmerksamkeit, die Hunde bekommen, weil Herrchen oder Frauchen so viel zuhause sind, tue den Hunden nicht gut. Hinzu komme der fehlende Kontakt zu anderen Hunden und das fehlende regelmäßige Training. Ihr Rat: jetzt schon trainieren für die Zeiten nach Corona, wenn man nicht mehr ständig zuhause ist. Und dazu gehöre besonders, dem Hund wieder behutsam beizubringen, auch mal alleine zu sein, "damit der Hund später nicht berechtigterweise an Trennungsängsten leidet."

Auch Thema auf SR 1 am 24.02.2021 in der Sendung 'Dein Vormittag im Saarland'.

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