Eine Schülerin beim "Homeschooling" (Foto: SR)

Auch Homeschooling braucht Regeln

  04.02.2021 | 06:00 Uhr

Das Homeschooling stellt viele Familien vor eine Herausforderung: Lernen und Freizeit müssen zuhause miteinander verbunden werden. Damit das klappt, ist eine feste Tagesstruktur wichtig. Außerdem müssen die Kinder lernen, welche Regeln für den Online-Unterricht gelten. Dafür hat das Bildungsministerium nun eine Homeschooling-Etikette herausgegeben.

Zeit zum Lernen, Zeit zum Spielen

Für die Kinder findet derzeit alles zuhause statt: Hier sollen sie lernen und hier verbringen sie auch ihre Freizeit. Da fällt es schon mal schwer, das eine vom anderen zu trennen. Denn Homeschooling kann man ja auch im Schlafanzug machen, beim Essen usw. ... Sollte man aber nicht. Denn gerade jüngere Kinder lassen sich zuhause einfach viel zu leicht ablenken.

Wichtig für Schüler und Eltern ist daher, dem Tag eine feste Struktur zu geben, rät Burkard Jellonnek vom Landesinstitut für Pädagogik und Medien, also mit festen Zeiten zum Aufstehen, Frühstücken, Waschen und Anziehen. Und dann ist eben Schule angesagt. Auch ein Tages- oder Wochenplan kann für einen besseren Überblick sorgen. "Diese Struktur hilft mir, damit ich beispielsweise auch Schulleben und Freizeit klar trennen kann. Das ist für die Schülerinnnen und Schüler auch wichtig, dass sie abschalten können," betont Jellonnek.

Recht und Anstand wahren

Homeschooling ist aber noch immer ein Kraftakt für Eltern und Schüler. Inzwischen klappt es zumindest so langsam auch mit der Technik und den Videokonferenzen. Doch je fitter die Schüler in Sachen Technik sind, desto eher kann es auch passieren, dass Daten im Netz landen, die da nicht hingehören, wie zum Beispiel Unterrichts-Mitschnitte oder Lehrerbilder.

Ein Fall am Saarlouiser Gymnasium am Stadtgarten hat auf diese Weise für Aufregung gesorgt: Dort haben Schüler Bildschirm-Fotos einer Lehrerin "in unvorteilhafter Weise", so heißt es, ins Netz gestellt. Das hat deutlich gemacht, dass es auch wichtig ist, den Schülern klarzumachen, was geht und was nicht, was repektlos ist und auch was datenschutzrechtlich gilt.

"Es ist grundsätzlich auch im normalen Unterricht, wenn Schüler in einer Klasse sitzen, nicht erlaubt, das Unterrichtsgeschehen zu filmen. Und so ist es natürlich in Videokonferenzen auch," erklärt die saarländische Bildungsministerin Christine Streichert-Clivot. "Das ist vom Grundsatz her schon nicht in Ordnung und es verstößt gegen datenschutzrechtliche Bestimmungen. Das ist gleichermaßen eine schlechte Umgangsweise und man sollte es tunlichst unterlassen, sonst kommen eben auch die entsprechenden Konsequenzen auf einen zu."

Homeschooling-Etikette

Bildungsministerium gibt Homeschooling-Etikette heraus
Audio [SR 1, Christian Balser / Lisa Betzholz-Weber, 04.02.2021, Länge: 02:37 Min.]
Bildungsministerium gibt Homeschooling-Etikette heraus

Das Ministerium hat inzwischen einen Elternbrief verfasst, in dem erklärt wird, dass in der Online-Schule Saarland (OSS) zum Beispiel die Aufnahme-Funktion im Videokonferenz-System deaktiviert ist, und dass es nicht erlaubt ist, den Bildschirm abzufilmen. Screenshots beispielsweise von Arbeitsblättern sind - unter Auflagen - möglich, dürfen aber nicht ins Netz gestellt werden.

Auch viele Schulen sind jetzt dabei, eigene Homeschooling-Etiketten zu verfassen und an die Schüler zu verteilen. Wichtig ist gerade älteren Kids klar zu machen, dass sie kein fremdes Material wie Selfies zum Beispiel in die Lernplattformen hochladen und auch den Unterricht nicht mitschneiden dürfen. Solche Sachen sind nicht erlaubt.

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