Homeoffice Arbeitsplatz (Foto: Pixabay / Bellahu123)

Vom Homeoffice zurück ins Büro

  23.09.2020 | 14:02 Uhr

In der Coronakrise haben viele ihren Arbeitsplatz nach Hause verlegt. Ist das schon Homeoffice oder nur mobiles arbeiten? Wie viel Flexibilität darf bleiben nach Corona? Was haben wir aus der Krise gelernt? Solche und weitere Fragen haben wir mit einer Expertin der Arbeitskammer des Saarlandes geklärt.

Nach einer aktuellen Umfrage sind knapp Dreiviertel aller Büroarbeitsplätze inzwischen wieder besetzt. Dennoch arbeiten immer noch mehr Leute zuhause als vor der Coronakrise. Denn am Arbeitsplatz ist das Ansteckungsrisiko nun mal höher als daheim.

Holpriger Weg zum Homeoffice
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Holpriger Weg zum Homeoffice

Doch was wir landläufig 'Homeoffice' nennen ist in Wahrheit komplizierter. Einfach den privaten PC hochfahren und loslegen macht noch keinen richtigen Arbeitsplatz aus, sagt Thomas Otto von der Arbeitskammer des Saarlandes: Bei regelmäßiger Arbeit zuhause spricht man von Telearbeit, so Otto. Dafür braucht man ergonomisch ausgestaltete Arbeitsplätze. Ein Küchenstuhl zum Beispiel ist nicht dafür geeignet, acht Stunden darauf zu sitzen.

Positiv-Beispiel

Die Ergonomie des Arbeitsplatzes ist für die Arbeitgeber das größte Problem bei der Heimarbeit, erklärt Dr. David Stachon, Vorstandsvorsitzender der Saarbrücker Versicherung CosmosDirekt. Denn wer hat schon höhenverstellbare Schreibtische oder ergonomische Bürostühle zuhause. Darüber hinaus gelten am Arbeitsplatz viele weitere Vorschriften z.B. was die Belüftung betrifft, die Lichtverhältnisse u.s.w. Dennoch: CosmosDirekt ist es gelungen, fast alle der 1000 Mitarbeiter ins Homeoffice zu schicken. Im Zweifelsfall hat das Unternehmen die Arbeitsplätze zuhause entsprechend ausgestattet. Denn Sicherheit geht vor, sagt Stachon. Deshalb können die Mitarbeiter jetzt auch selbst entscheiden, ob sie - unter strengen Hygieneauflagen - wieder ins Büro kommen wollen oder nicht.

"Die Ergonomie des Arbeitsplatzes ist das größte Problem"
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"Die Ergonomie des Arbeitsplatzes ist das größte Problem"

Mehr Flexibilität

Das Homeoffice ist nicht automatisch das bessere Büro, erklärt Thomas Otto von der Arbeitskammer des Saarlandes. Denn dort fehlt das Zwischenmenschliche, die Gemeinschaft. Die sozialen Kontakte seien nun mal auch wichtig.

Die Freiheit, mal im Büro, mal zuhause zu arbeiten, hat aber auch Vorteile. Das haben zahlreiche Chefs in den vergangenen Wochen und Monaten erkannt. Sie wollen die neue Flexibilität nutzen und neue Arbeitsmethoden ausprobieren, so Otto.

Eure Fragen rund ums Homeoffice

Beatrice Zeiger, Geschäftsführerin der Arbeitskammer des Saarlandes, war im SR 1 Studio zu Gast und hat Hörerfragen beantwortet.

Eure Fragen rund ums Homeoffice (1/4)
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Eure Fragen rund ums Homeoffice (1/4)

Unterschied zwischen Homeoffice und Tele-Arbeit

Gesetzlich gibt es den Begriff Homeoffice nicht, sondern nur die Tele-Arbeit. Dort ist nämlich geregelt, dass der Arbeitgeber einen Arbeitsplatz Zuhause einreichten mit Computer,Tisch,Stuhl ect. Das Homeoffice ist mehr ein Überbegriff für das Arbeiten von Zuhause aus.

Habe ich einen Anspruch auf Tele-Arbeit/Homeoffice ?

Eure Fragen rund ums Homeoffice (2/4)
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Eure Fragen rund ums Homeoffice (2/4)

Einen Anspruch gibt es nicht. Es gibt jedoch Überlegungen, ob ein Recht auf Homeoffice eingeführt werden soll. Wer trotzdem per Tele-Arbeit von Zuhause aus arbeiten darf, muss eine Arbeitsrechtliche Vereinbarung abgeschlossen werden.

Kann mich der Arbeitgeber ins Home-Office ,,zwingen"?

Zwingen kann der Arbeitgeber einen nicht. Dieser ist nämlich verpflichtet die entsprechenden Räumlichkeiten zur Verfügung zu stellen. Kann er das nicht, müsste er sogar das Gehalt trotzdem weiterzahlen.

Wie darf/kann er meine Arbeitszeit kontrollieren?

Die Zeiten des Ein- und Auswählens kann er festlegen, und diese auch kontrollieren, ob der Arbeitnehmer pünktlich zur Arbeit Zuhause erschienen ist. Was er nicht darf ist beispielsweise eine Überwachung über eine Webcam.

Wie läuft die Selbstorganisation Zuhause?

Eure Fragen rund ums Homeoffice (3/4)
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Eure Fragen rund ums Homeoffice (3/4)

Die Arbeitszeit Zuhause muss auch für die Arbeit genutzt werden. Die kleinen Erledigungen des Alltags sind aber möglich. Schnell mal die Waschmaschine anwerfen ist möglich. Die größeren privaten Dinge sollten dann aber in der Pause oder in der gesparten An- und Abfahrtszeit erledigt werden. Denn auch im Homeoffice gelten die Arbeitszeitgesetzte.

Wer kümmert sich um den Datenschutz Zuhause?

Bei der Nutzung des privaten Computers mit Daten des Arbeitgebers ist dieser für die Sicherstellung des Datenschutzes verantwortlich. Wer z. B. vom Arbeitgeber einen USB-Stick mit Firmendaten erhält, muss dieser dafür Sorge tragen, dass diese geschützt sind.

Wer ist für die Ausstattung bei Home-Office/Tele-Arbeit zuständig?

Bei Tele-Arbeit muss der Arbeitgeber dem Arbeitnehmer ein Arbeitszimmer einrichten. Einfach die Abstellkammer Zuhause mit einem Computer ausstatten reicht dabei nicht aus. Denn es muss auf die Arbeitsstättenverordnung geachtet werden. Diese sieht beispielsweise ein Fenster vor. Auch muss ein ergonomischer Schreibtisch und Bürostuhl vorhanden sein. Beim Homeoffice, was während der Corona-Hochphase sporadisch gemacht wurde, ist der Arbeitnehmer selbst verantwortlich. Wegen der Sondersituation wurde dies zugelassen.

Was muss ich bei der Steuerklärung beachten?

Eure Fragen rund ums Homeoffice (4/4)
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Eure Fragen rund ums Homeoffice (4/4)

Wer nicht mehr zur Arbeit fährt, darf auch keine Pendlerpauschale angeben. Anders sieht es mit einem Computer aus. Dieser kann zumindest teilweise für berufliche Zwecke angegeben werden. So ist es auch mit einem Schreibtisch oder einem Bürostuhl.

Was mache ich bei einer Krankmeldung?

Hier gilt die selbe Regelung wie bei der normalen Arbeit. Auch wenn man im Homeoffice ist, muss erreichbar sein. Und wenn man krank ist, ist man nicht erreichbar. Um Problem aus dem Weg zu gehen muss man sich deshalb genauso krank melden.


Weitere Informationen

Telearbeit: Gemäß § 2 Abs. 7 ArbStättV (Arbeitsstättenverordnung) sind Telearbeitsplätze vom Arbeitgeber fest eingerichtete Bildschirmarbeitsplätze im Privatbereich der Beschäftigten, für die der Arbeitgeber eine mit den Beschäftigten vereinbarte wöchentliche Arbeitszeit und die Dauer der Einrichtung festgelegt hat.

Mobiles Arbeiten: Im Gegensatz zur Telearbeit ist die Arbeitsform des mobilen Arbeitens bisher nicht rechtlich definiert. Charakteristisch für das mobile Arbeiten ist, dass es weder an das Büro, noch an den häuslichen Arbeitsplatz gebunden sein muss. So können die Arbeitnehmer von einem beliebigen Ort über das mobile Netz ihre Arbeit erledigen.


Rechtlich Fragen zum Arbeitsplatz
Das Homeoffice und die Bürokratie
Die erste Corona-Welle hat zahlreiche Arbeitnehmer ins Homeoffice gespült. Auch nach ihrem Abebben wollen oder sollen viele dort bleiben. Dann müssen aber die rechtlichen Bedingungen geklärt sein, sagt die Arbeitskammer des Saarlandes.


Auch Thema auf SR 1 am 07.09.2020 in den Sendungen 'Balser & Mark. Dein Morgen' sowie 'Dein Vormittag im Saarland'.

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