Ganztagsgrundschule Völklingen Heidstock-Luisenthal  (Foto: SR 1 / Frank Falkenauer)

Herausforderung Wechselunterricht

  22.02.2021 | 00:00 Uhr

Für die Grundschulen geht's wieder los: Die Eltern atmen auf und die Kinder freuen sich, ihre Klassenkameraden wieder zu sehen. Zunächst allerdings nur wochenweise. Denn erst einmal ist Wechselunterricht angesagt. Und der stellt die Schulen organisatorisch vor große Herausforderungen. Auch die Ganztagsgrundschule Heidstock-Luisenthal hat sich intensiv darauf vorbereitet.

Montag, 22. Februar 2021: Die Türen der Grundschulen öffnen sich wieder - allerdings erst einmal für Wechselunterricht. Das bedeutet für die Schüler: eine Woche Unterricht in der Schule und dann eine Woche Homeschooling. Wenn es aber gar nicht geht, können die Kinder auch in den Zuhause-Wochen in der Schule betreut werden.

Organisatorischer Kraftakt

Herausforderung Wechselunterricht
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Die Schulen stellt das vor enorme organisatorische Herausforderungen. "Normalerweise haben wir neun Klassen", erklärt Heike Schmidt-Petersohn, die Schulleiterin der Ganztagsgrundschule Heidstock-Luisenthal in Völklingen. Jetzt sind daraus 21 Gruppen geworden.

Die brauchen Unterrichtsräume, Bänke, Tafeln usw. Das ganze Schulteam hat deshalb in den letzten Wochen mit angepackt, drinnen umgebaut und umgeräumt. Aber auch draußen war viel zu tun. Denn in den Pausen sollen die Kinder sich ja nicht mit anderen Gruppen vermischen. "Wir haben auf dem Schulhof Abtrennungen gemacht, denn die Pausen sollen gestaffelt stattfinden. Das stellt uns noch vor große Herausforderungen", so Heike Schmidt-Petersohn, "denn wir haben 152 Kinder, die Pause machen müssen und sich nicht begegnen sollen."

Keine Zeit mehr für die Eltern

Die Zusatzbelastungen für das Lehrerkollegium sind somit noch nicht vorüber. Das bereitet dem sozialpädagogischen Leiter der Schule, Stefan Behr, große Sorgen: "Das bindet so viele Kapazitäten. Jeder ist in die Organisation eingebunden. Und was dabei zu großen Teilen weg fällt, das ist zum Beispiel die Arbeit und die Unterstützung der Eltern. Dafür haben wir ab Montag keine Zeit mehr. Und das ist eine Katastrophe!"

Strukturgeber Schule

Trotzdem ist es gut, dass der Unterricht in der Schule wieder beginnt, erklärt Sascha Buschauer. Sie arbeitet als Schulsozialarbeiterin an der Ganztagsgrundschule Heidstock-Luisenthal. Viele Kinder dort kommen aus Familien, die wenig Geld haben, wenig Platz zuhause und in denen teilweise auch kein Deutsch gesprochen wird. Für viele ist es daher die Schule, die Struktur in den Alltag bringt: "Die Schule als Taktgeber und Strukturgeber nicht nur für die Kinder, sondern für die ganzen Familien, ist schon sehr wichtig", meint Buschauer, "wenn‘s auch nur darum geht, morgens wieder als Familie zusammen zu einer gewissen Zeit aufzustehen und den Tag miteinander zu starten."

Jetzt freuen sich alle in der Schule erst einmal darauf, die Kinder wiederzusehen. Für Schulleiterin Heike Schmidt-Petersohn ein wichtiger Schritt nach vorne, "weil die Situation nicht nur für die Kinder sehr schwierig war, sondern die Eltern auch einen unglaublichen Spagat leisten mussten. Da muss jetzt eine Entlastung her". Und auch Schulsozialarbeiterin Buschauer ist froh und zuversichtlich: "Es wird sicher auch eine große Aufgabe in den nächsten Wochen und Monaten, die Kinder weiter zu betreuen und noch mal ein bisschen aufzufangen und aufzubauen und, ja, einfach mal wieder ein bisschen mehr Lebensfreude in diese Zeit reinzubringen!"

Schnelltest für alle

Das Bildungsministerium stellt jetzt Schnelltests an den Schulen im Saarland in Aussicht. Das heißt: Schüler und Lehrkräfte können sich dann zwei Mal wöchentlich auf Corona testen lassen. Das alles läuft aber erst mal langsam an und auch noch nicht gleich an allen Schulen. Denn die Vorbereitungen dafür sind noch im Gange, erklärt Jan Benedyczuk, Staatssekretär im Bildungsministerium: "Wir werden nicht ab Montag ausrollen können. Wir werden sicherlich erst mit einigen Standorten nur starten können, weil natürlich auch mit den jeweiligen Praxen, Hausarztpraxen, Kinderarztpraxen, die sich bereit erklären, auch die Tests vorzunehmen, natürlich noch Vereinbarungen getroffen werden müssen."

Wie und wann die Schulen dann die Tests möglich machen, ob zum Beispiel vor dem Schulstart, in der Mittagszeit oder zu anderen Zeiten, das können die Schulen dann selbst regeln. In jedem Fall sind die Tests fürs Personal und für die Schüler freiwillig. Und minderjährige Schüler werden nur getestet, wenn die Eltern einverstanden sind.

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Ab Montag
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Auch Thema auf SR 1 am 19. und 22.02.2021 in der Sendung 'Dein Morgen im Saarland'.

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