Eine Grippe-Impfspritze liegt auf einer Schachtel (Foto: picture alliance/dpa | Sebastian Gollnow)

"Grippe wird auch wieder ein Thema werden"

Interview: Gerd Heger   29.09.2021 | 11:08 Uhr

Viele ließen sich im letzten Jahr gegen Grippe impfen. Das und die Coronamaßnahmen führten zu einem Ausbleiben einer Grippewelle. Im Zuge der aktuellen Lockerungen sei eine hohe Grippe-Impfrate umso wichtiger, sagt Dr. Michael Kulas, Vorsitzender des saarländischen Hausärzteverbandes.

Frage: Herr Kulas, während Corona haben sich mehr Menschen gegen die Grippe impfen lassen - auch im Saarland? Und erwarten Sie das auch für diesen Winter?

Es ist in der Tat so, dass wir im vergangenen Jahr eine deutliche Zunahme an Grippeimpfungen hatten – zum Beispiel bei uns in der Praxis um 100 Prozent. In anderen Praxen war es sehr ähnlich. Das hatte zwei Gründe: Zum einen war es so, dass zum Anfang hieß, die Grippeimpfung könnte eventuell gegen Corona ein Stück weit schützen, das Zweite war, dass die Patienten sich einfach gegen eine zweite Erkrankung sinnvoll schützen wollten.

Fragen und Antworten zur Grippeimpfung
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Fragen und Antworten zur Grippeimpfung

Wir erwarten für dieses Jahr eine ähnliche Situation. Es hatte sich zwar gezeigt, dass durch die Maßnahmen rund um Corona, sprich die Hygienemaßnahmen, Abstandsmaßnahmen, die Grippe sich kaum gezeigt hat. Es ist aber jetzt schon so, dass wir in den Praxen eine starke Zunahme an saisonalen Infekten haben, die zum Teil sehr heftig verlaufen. Erkältungen zum Beispiel. Was darauf zurückzuführen ist, dass eben diese Abstandsregeln, die Hygienemaßnahmen, die rund um Corona im letzten Jahr gegriffen haben, in diesem Jahr schon deutlich gelockert sind. Deshalb wird die Grippe auch wieder ein Thema werden. Ich gehe davon aus, und hoffe natürlich noch sehr viel mehr, dass die Patienten sich in diesem Jahr in derselben Frequenz oder derselben Häufigkeit impfen lassen wie im vergangenen Jahr.

Frage: Die Zusammenstellung des Impfstoffes ändert sich ja von Jahr zu Jahr - je nachdem, wie sich die Viren verändern. Wenn es aber so viel weniger Fälle gab letztes Jahr, wie kann dann ein passender Impfstoff hergestellt werden?

Es ist ja so, die Impfung wird ja hergestellt aufgrund von Infektgeschehen im ozeanischen Raum, also aus Australien und im asiatischen Raum. Die Influenzastämme, die dort in einem Jahr Probleme machen, werden hergenommen und davon wird dann der Impfstoff auch für zum Beispiel Europa hergestellt. Und wir haben ja den Herbst auf der anderen Seite der Erdkugel zu einem anderen Zeitpunkt als bei uns und deshalb haben wir praktisch diesen zeitlichen Vorsprung.

Frage: Es ist ja so, dass die Grippeimpfung nicht ewig hält. Bis wann sollte man sich spätesten gegen die Grippe impfen lassen? Im Herbst schon oder später?

Es ist so, die Grippewelle, wenn sie denn zu uns kommt, kommt erfahrungsgemäß erst zu Beginn des nächsten Jahres: Ende Januar, Anfang Februar. Es gibt einzelne Fälle, die früher kommen. Und wenn wir die Impfung heute beginnen und dann so bis in den Dezember hinein die Leute durchgeimpft haben, können wir davon ausgehen, dass alle einen ausreichenden Grippeschutz haben.

Ein Thema in der Sendung SR 1 'Dein Vormittag im Saarland' vom 28.09.2021 auf SR 1.

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