Arbeitskollegen Tratsch (Foto: pixabay)

Der "Flurfunk" tut der Seele gut

  03.06.2020 | 12:31 Uhr

Das Schwätzchen am Arbeitsplatz gehört normalerweise dazu. In Zeiten von Corona sind viele Büroarbeiter allerdings ins Homeoffice umgestiegen. Braucht man den "Flurfunk" überhaupt oder arbeitet es sich besser ohne?

Klatsch und Tratsch in der Arbeitswelt

Flurfunk ist für uns als soziale Wesen etwas ganz Natürliches: Klatsch und Tratsch stärkt das Gemeinschaftsgefühl. Evolutionär betrachtet war das sogar schon für unsere Steinzeitvorfahren eine Art Warnsystem: Wenn man vom Höhlen-Nachbarn nebenan hörte, dass jemand nicht vertrauenswürdig war, dann rettete das vielleicht das Leben, erklärt Jobcoach Mathias Fischedick.

Auf die heutige Arbeitssituation übertragen bedeutet das: Man hört beispielsweise vorab, dass es irgendwelche Änderungen gibt, und kann sich dementsprechend schon auf die Situation einstellen.

Für die Produktivität ist ein gewisses Maß an sozialem Austausch wichtig, erklärt der Jobcoach. Wenn man den ganzen Tag quatschend an der Kaffeemaschine steht, ist man natürlich nicht produktiv. Auf der anderen Seite brennt man aus, wenn man nur am Schreibtisch sitzt ohne irgendeine zwischenmenschliche Kommunikation: Der Mensch sammelt Kraft durch soziale Verbindungen, so Fischedick. Wichtig ist allerdings: Lästereien sind für die Entspannung kontraproduktiv. Small-Talk-Themen dagegen erleichtern die Atmosphäre.

Der 'Flurfunk' tut unserer Seele gut
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Der 'Flurfunk' tut unserer Seele gut
Job-Coach Mathias Fischedick erklärt, warum.

Austausch im Homeoffice

Arbeitet man aufgrund der aktuellen Situation im Homeoffice, gibt es Alternativen für den persönlichen Austausch: Mathias Fischedick rät beispielsweise zu WhatsApp-Gruppen mit vertrauenswürdigen Arbeitskollegen. Eine weitere Möglichkeit wäre, bei festen Video-Chats am Anfang oder am Ende fünf Minuten für Gespräche außerhalb der Arbeitsthematik einzuplanen.

Wie findet man zuhause allerdings heraus, ob über einen selbst gelästert wird? Im Prinzip ist das eigentlich wie schon vor der Corona-Welt, sagt Fischedick. Denn auch wenn man im Büro anwesend ist, kriegt man Lästereien nicht unbedingt mit. Man kann nur hoffen, dass es soziale Kollegen gibt, die das sofort weitergeben oder im besten Falle direkt eingreifen. Zudem sollte man auch dort die goldene Mitte finden: Überflüssige Paranoia vor heimlichen Kommentaren ist wohl genauso irreführend wie der blauäugige Gedanke, dass einen wirklich alle super finden.

Wer sich im Homeoffice erkundigen möchte, ob seine Arbeit zufriedenstellend ist, sollte zunächst auf die Reaktion des Chefs warten. Denn: "Ein guter Chef ist einer, der sich auch meldet", meint Mathias Fischedick. Ansonten kann man auf Augenhöhe - ohne zu schleimen - selbst anrufen und sich sein Feedback einholen.


Auch Thema auf SR 1 am 03.06.2020 in der Sendung ´'Dein Vormittag im Saarland'.

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