Arbeitskollegen Tratsch (Foto: pixabay/Free-Photos)

Der "Flurfunk" tut der Seele gut

  30.04.2021 | 15:45 Uhr

Das Schwätzchen am Arbeitsplatz gehört normalerweise dazu. In Zeiten von Corona sind viele Büroarbeiter allerdings ins Homeoffice umgestiegen. Braucht man den "Flurfunk" überhaupt oder arbeitet es sich besser ohne?

Klatsch und Tratsch in der Arbeitswelt

Flurfunk ist für uns als soziale Wesen etwas ganz Natürliches: Klatsch und Tratsch stärkt das Gemeinschaftsgefühl. Evolutionär betrachtet war das sogar schon für unsere Steinzeit-Vorfahren eine Art Warnsystem: Wenn man vom Höhlen-Nachbarn nebenan hörte, dass jemand nicht vertrauenswürdig war, dann rettete das vielleicht das Leben, erklärt Jobcoach Mathias Fischedick.

Auf die heutige Arbeitssituation übertragen bedeutet das: Man hört beispielsweise vorab, dass es irgendwelche Änderungen gibt, und kann sich dementsprechend schon auf die Situation einstellen.

Für die Produktivität ist ein gewisses Maß an sozialem Austausch wichtig, erklärt der Jobcoach. Wenn man den ganzen Tag quatschend an der Kaffeemaschine steht, ist man natürlich nicht produktiv. Auf der anderen Seite brennt man aus, wenn man nur am Schreibtisch sitzt ohne irgendeine zwischenmenschliche Kommunikation: Der Mensch sammelt Kraft durch soziale Verbindungen, so Fischedick. Wichtig ist allerdings: Lästereien sind für die Entspannung kontraproduktiv. Small-Talk-Themen dagegen erleichtern die Atmosphäre.

Fehlt uns der "Flurfunk"?
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Fehlt uns der "Flurfunk"?

Austausch im Homeoffice

Arbeitet man aufgrund der aktuellen Situation im Homeoffice, gibt es Alternativen für den persönlichen Austausch: Mathias Fischedick rät beispielsweise zu WhatsApp-Gruppen mit vertrauenswürdigen Arbeitskollegen. Eine weitere Möglichkeit wäre, bei festen Video-Chats am Anfang oder am Ende fünf Minuten für Gespräche außerhalb der Arbeitsthematik einzuplanen. Oder: Man plant eine Kaffee-Pause oder ein gemeinsames virtuelles Mittagessen mit den Lieblingskollegen ein, um sich intensiver austauschen zu können.

Ein weiterer Tipp, um das Gemeinschaftsgefühl zu stärken: Wer die Kamera im Video-Telefonat anmacht und auch seinen privaten Hintergrund nicht versteckt, zeigt sich den Kollegen von seiner persönlichen Seite. Dadurch lernt man seine Kollegen noch besser kennen. Das ist wichtig, so Fischedick, denn "wir brauchen diese soziale Verbindung. Wenn ich den anderen gut einschätzen kann, bin ich auch viel offener". Da man sich aber nicht mehr zufällig auf dem Flur trifft, muss man sich im Homeoffive aktiv um Verbindungen mit den Kollegen bemühen. Diese neuen Konstellationen geben dem Team aber auch die Chance auf eine neue Art von Gemeinschaft, elektronischer Art eben, so Fischedick.

Wie findet man zuhause allerdings heraus, ob über einen selbst gelästert wird? Im Prinzip ist das eigentlich wie schon vor der Corona-Welt, sagt Fischedick. Denn auch wenn man im Büro anwesend ist, kriegt man Lästereien nicht unbedingt mit. Gut, wenn es dann Kollegen gibt, die im besten Falle direkt genauer nachfragen: Woher weißt Du denn, dass es so ist? Zudem sollte man auch hier die goldene Mitte finden: Überflüssige Paranoia vor heimlichen Kommentaren ist wohl genauso irreführend wie der blauäugige Gedanke, dass einen wirklich alle super finden.

Kommunikation mit dem Chef

Viele Arbeitnehmer berichten von einer negativen Einstellung der Chefs gegenüber Homeoffice. In der Regel ist das ein Zeichen mangelnden Vertrauens: Das heißt, die Arbeitgeber zweifeln daran, dass die Mitarbeiter zuhause wirklich einen guten Job machen. Fischedick rät: Wenn der Arbeitgeber Homeoffice ablehnt, sollte man immer neutral fragen, warum. Vielleicht gibt es ja tatsächlich Gründe, die man nachvollziehen kann. Sollte es aber tatsächlich am mangelnden Vertrauen liegen, kann man den Chef zumindest ganz sachlich fragen: Woran merken Sie, dass ich einen guten Job mache? Und wie kann ich Ihnen das beweisen?

Wer sich im Homeoffice erkundigen möchte, ob seine Arbeit auch wirklich zufriedenstellend ist, sollte zunächst auf die Reaktion des Chefs warten. Denn: "Ein guter Chef ist einer, der sich auch meldet", meint Mathias Fischedick. Ansonsten kann man auf Augenhöhe - ohne zu schleimen - selbst anrufen und sich sein Feedback einholen.


Auch Thema auf SR 1 am 18.02.2021 in der Sendung 'Dein Morgen im Saarland'.

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