Arbeiten im Urlaub (Foto: picture alliance / dpa | Patrick Seeger)

Tipps gegen den E-Mail-Stress

  16.08.2021 | 00:00 Uhr

So schön der Urlaub auch ist, so sicher warten am Arbeitsplatz danach jede Menge E-Mails auf uns. Wie geht man damit am besten um: Einfach alle löschen? Oder schon im Urlaub reinschauen? Jobcoach Mathias Fischedick weiß Rat.

Eigentlich will man ja im Urlaub keine E-Mails von den Arbeitskollegen lesen, sondern eher auf Abstand zum Job gehen. Auf der anderen Seite soll am ersten Arbeitstag nach dem Urlaub aber auch kein Berg voller E-Mails über uns hereinbrechen. Was also tun?

Der Arbeitgeber kann uns zumindest nicht dazu verpflichten, im Urlaub dienstliche E-Mails zu lesen. Wenn er es dennoch möchte und man sich - wohlgemerkt freiwillig - dazu bereit erklärt, dann gilt das als Arbeitszeit und muss auch als solche bezahlt werden, erklärt Jobcoach Mathias Fischedick

Im Urlaub erholen, statt Dienst-Mails zu lesen

Mathias Fischedick (Foto: Mathias Fischedick/Armin Zedler / Piper Verlag )

Urlaub ist dazu da, sich zu erholen, sagt Mathias Fischedick. Wer in dieser Zeit dienstliche E-Mails liest, ist aber quasi wieder im Arbeitsmodus. Doch gerade von dem soll man im Urlaub ja Abstand gewinnen. Deshalb sollte man Dienst-Mails in dieser Zeit besser ignorieren, rät der Jobcoach.

Denn mit dem Lesen und Beantworten ist es ja nicht getan, so Fischedick. Vielmehr setzt man damit einen neuen Prozess in Gang, der wieder Mails und weitere Antworten nach sich zieht. Und noch mehr Mails.

Schließlich informiert die Abwesenheitsnotiz ja darüber, dass man Urlaub hat. Wer trotzdem auf E-Mails reagiert, erreicht damit nur, dass er noch mehr Mails bekommt.

Deshalb rät Fischedick dazu, sich stattdessen besser in Ruhe zu erholen: "Denn wenn man im Urlaub entspannt ist und Kraft sammelt, ist man danach viel schneller im Abarbeiten."

Und noch etwas spricht dafür, nicht auf Mails zu reagieren: Vieles hat sich bis nach dem Urlaub auch schon von selbst erledigt.

Wer in seiner Abwesenheit sein Postfach aber trotzalledem nicht einfach unbeaufsichtigt lassen möchte, der sollte sich rechtzeitig mit einer Vertretung abstimmen, rät Fischedick, und - am besten schon ein paar Tage vor Urlaubsbeginn - die wesentlichen Informationen und Geschäftsvorgänge miteinander absprechen. Dann hat man auch nach dem Urlaub weniger Stress.

Der Trick mit der Abwesenheitsnotiz

"Wenn mir einer schreibt, dann hat er einen Grund", so Fischedick. Daher sei es ein Zeichen von Wertschätzung, nach dem Urlaub alle E-Mails nicht einfach ungelesen zu löschen. (Wenn allerdings viele unwichtige Mails darunter sind, wird an dieser Stelle deutlich, dass man mal klären könnte, warum man eigentlich im Verteiler steht.)

Dienstliche E-Mails im Urlaub lesen oder nicht?
Audio
Dienstliche E-Mails im Urlaub lesen oder nicht?
Tipps von Jobcoach Mathias Fischedick

Damit der erste Arbeitstag nach dem Urlaub nicht so stressig wird, ist die Versuchung groß, schon am letzten Urlaubstag einen Blick ins dienstliche Postfach zu werfen. Doch damit verkürzt man gefühlt seinen Urlaub, merkt Fischedick an, weil man mit den Gedanken schon wieder bei der Arbeit ist. Sein Tipp stattdessen: Bei der Abwesenheitsnotiz die Rückkehr einfach einen Tag nach hinten datieren. "Das heißt: Offiziell bin ich erst einen Tag später wieder da, sitze aber schon an meinem Schreibtisch und kann in Ruhe das Abarbeiten, was sich angesammelt hat."

Ein andere Möglichkeit, wäre, für die Bearbeitung der E-Mails Überstunden zu machen. Ob der Arbeitgeber die aber bezahlt, muss man immer direkt mit dem Chef klären. Denn in manchen Verträgen steht, dass Überstunden im zumutbaren Umfang mit dem Gehalt abgegolten sind. Was "zumutbar" bedeutet ist dabei immer Interpretationssache, meint Fischedick.

Fazit

Dadurch, dass viele zuletzt im Homeoffice gearbeitet haben, mögen sich die Grenzen der Erreichbarkeit nach Feierabend und im Urlaub etwas verschoben haben. Dennoch gehören immer Zwei dazu, merkt Fischedick an: Einer, der schreibt, und einer, der liest und antwortet. Daher haben wir es immer noch selbst in der Hand, ob wir ständig aufs Handy schauen oder im Urlaub auch mal auf stumm schalten. "Ich kenne Menschen, die haben den Mail-Empfang auf ihrem Handy im Urlaub komplett deaktiviert", erklärt der Jobcoach.

Im übrigen: Wer glaubt, es ginge nicht ohne ihn und ohne einen ständigen E-Mail-Austausch mit dem Kollegenteam, der sollte, so Fischedick, seine Einstellung zur Arbeit grundsetzlich überdenken.


Auch Thema am 17.08.2021 auf SR 1 in der Sendung 'Dein Morgen im Saarland'.

Artikel mit anderen teilen


Push-Nachrichten von SR.de
Benachrichtungen können jederzeit in den Browser Einstellungen deaktiviert werden.

Datenschutz Nein Ja