Patienten im Wartezimmer einer Arztpraxis. (Foto: dpa)

"Die Ärzte wollen sich selbst um ihre Patienten kümmern"

  22.09.2020 | 12:45 Uhr

Vor dem Hintergrund des befürchteten Anstiegs der Corona-Infektionen im Herbst und der dann auch beginnenden Erkältungs- und Grippesaison spricht sich Bundesgesundheitsminister Jens Spahn für die Einrichtung flächendeckender Fieberambulanzen aus. Sie sollen dann die erste Anlaufstelle für Patienten mit Atemwegserkrankungen sein.

Der Sommer ist so gut wie vorbei und damit auch die Zeit, in der man sich vor allem draußen aufgehalten hat. Da das Risiko, sich mit Corona zu infizieren, in geschlossenen Räumen größer ist als im Freien, befürchten die Experten, dass mit dem Herbst auch die Zahl der Corona-Infektionen steigen könnte. Hinzu kommen die für die Jahreszeit üblichen Erkältungskrankheiten und die alljährliche Grippesaison.

Kein Zuspruch für Fieberambulanzen

Gunter Hauptmann im Interview
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Gunter Hauptmann im Interview

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn schlägt deshalb vor, dass sogenannte Fieberambulanzen eingerichtet werden. Seiner Vorstellung nach sollen sie für Patienten mit Atemwegserkrankungen die erste Anlaufstelle sein. Eingerichtet werden sollen diese Ambulanzen von den Kassenärztlichen Vereinigungen in den Ländern.

Im Saarland seien die Ärzte von dieser Idee nicht begeistert, sagt Gunter Hauptmann, Vorsitzender der Kassenärztlichen Vereinigung im Saarland. Ihre Position sei: "Wir wollen uns um unsere Patienten selbst kümmern. Wir stemmen das. Wir sind flächendeckend da, und wir versorgen- sozusagen in der ersten Welle - auch die Erkältungs- und Fieberpatienten."

Es gelte dabei, wie schon zu Beginn der Coronazeit, die Regelung, dass man bei entsprechenden Beschwerden erst mal in der Praxis anrufen sollte, sagt Hauptmann. Es gebe Praxen, die spezielle Fieber-Sprechstunden eingerichtet hätten, andere Praxen stünden den Patienten zu den Sprechstundenzeiten weiterhin ganz normal offen.

KV: Praxen können das gut bewältigen

Dass es in diesem Herbst zu einer Überlastung der Praxen kommen könnte, diese Gefahr sieht Hauptmann zurzeit nicht. Es gebe eine entsprechende Analyse mit dem Ergebnis: "Wir haben in den üblichen Erkältungszeiträumen in den Praxen im Schnitt vier bis sechs Erkältungspatienten pro Tag."

Selbst bei einer Grippewelle mit starken Verläufen hätten die Praxen die Behandlung der Patienten gut bewältigen können. Aber man sei natürlich auch auf Schlimmeres vorbereitet und könne entsprechende Fieberpraxen anbieten, wenn der Andrang in den Praxen zu groß würde.


Auch Thema auf SR 1 am 22.09.2020 in der Sendung "Hallo Saarland"

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