Fahrrad (Foto: Pixabax/Hans)

Fahrradschlösser im Test

  25.04.2019 | 11:17 Uhr

Im vergangenen Jahr wurden in Deutschland fast 300.000 Fahrrad-Diebstähle gemeldet. Ein gutes Rad sollte daher nicht mit einem schlechten Schloss gesichert werden. Doch welche Schlösser sind gut? Stiftung Warentest hat 20 Modelle nicht nur auf ihre Aufbruchsicherheit hin untersucht. Fünf bekamen das Gesamturteil 'gut'. Das Günstigste davon ist schon für 36 Euro zu haben.

Wer viel Geld für sein Rad ausgegeben hat, der will auch lange Freude daran haben. Wer daher sein Rad vor Diebstahl schützen möchte, sollte auch Geld in ein brauchbares Schloss investieren. Dabei hat er die Wahl zwischen Bügel-, Falt- und Kettenschlössern. Bügelschlösser sind sehr stabil, aber oft auch unpraktisch, wenn man sein Rad zum Beispiel an einer Laterne oder einem Baum fest machen will. Dafür sind eher Faltschlösser geeignet, die sich mit ihren aufklappbaren Stäben kompakt transportieren lassen, oder auch die schwereren Kettenschlösser.

"Sichere Schlösser sind schwer" : Fahrradschlösser im Test
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"Sichere Schlösser sind schwer" : Fahrradschlösser im Test

20 dieser Modelle haben die Experten von Stiftung Warentest genauer unter die Lupe genommen. Dabei sind sie ihnen mit Werkzeugen zu Leibe gerückt, wie sie auch Diebe benutzen: Es kamen u.a. Sägen und Zangen zum Einsatz wie auch Bolzenschneider und Winkelschleifer. Die guten Modelle haben den Öffnungsversuchen drei Minuten lang standgehalten. Das ist sehr wichtig, denn Diebe haben keine Zeit.

Jedes vierte Modell allerdings ließ sich relativ schnell öffnen und hat daher bei der Aufbruchsicherheit nur mit ausreichend oder sogar mangelhaft abgeschnitten. Darüber hinaus wurden die Schlösser auch auf ihre Handhabung, Haltbarkeit und auf Schadstoffe hin überprüft.

Fünf Modelle mit Gesamtnote 'Gut'

Zu Testsiegern gehören zwei Bügelschlösser, zwei Kettenschlösser und ein Faltschloss. Sie haben die Tester durch ihre Aufbruchsicherheit und ihre Haltbarkeit überzeugt:

- Abus Granit Xplus 540/160HB2 Bügelschloss, Preis: 93.- Euro, Note: 1,6
- Decathlon B'Twin 940 Bügelschloss, Preis: 36.- Euro, Note: 2,0
- Abus Bordo Granit Xplus 6500/110 Faltschloss, Preis: 128.- Euro, Note: 1,9
- Abus Citychain 1010/110 Kettenschloss, Preis: 122,- Euro, Note: 2,0
- Kryptonite Kryptolok 990 Kettenschloss, Preis: 50.- Euro, Note: 2,0

Aber auch für Schlösser, die insgesamt befriedigend abgeschnitten haben, gilt, dass sie von normalen Dieben eher gemieden werden, weil es ihnen zu lange dauert, sie zu knacken.

Zu den Schlusslichtern im Test gehören das Faltschloss Luma Carpenter und das Kettenschloss Abus Tresor. Sie waren besonders leicht aufzubrechen und von den Testern binnen Sekunden geknackt.

Große Preisunterschiede

Preislich lagen die getesteten Schlösser zwischen 18 und 128 Euro. Dabei lässt sich generell sagen: Die meisten guten Schlösser sind auch teuer. Umgekehrt gilt: Schlösser für 30 oder 40 Euro taugen normalerweise eher wenig.

Es gibt aber auch Ausnahmen. Das hat der Test gezeigt: So gehört das Bügelschloss Decathlon B'Twin 940 zu den Testsiegern, und das bekommt man schon für 36 Euro. Ebenfalls gut hat das Kettenschloss Kryptonite Kryptolok abgeschnitten, das schon für 50 Euro zu haben ist.

Sichere Schlösser sind schwer

Ein Bügelschloss als Diebstahlsicherung (Foto: dpa)

Schlösser, die den Öffnungsversuchen der Tester am längsten standgehalten haben, wiegen zwischen 1,3 und 2,6 Kilo. Denn zum Schutz trägt auch immer der verwendete Stahl bei. Je dicker der ist, desto schwieriger wird es für den Dieb, das Schloss zu knacken. Und desto schwerer ist auch das Schloss. Gute Schlösser wiegen daher durchaus zwei Kilo oder mehr.

Besondere Ausreißer

Eine Sensation schaffte das Bügelschloss Kryptonite New York Lock: Es hat bei der Aufbruchsicherheit die Bestnote 1,0 erreicht! Es hielt sogar zwei Minuten lang einem Winkelschleifer stand! In diesem Punkt war es seinen Preis von immerhin 128 Euro wert. Dennoch hat es nicht als bestes Modell abgeschnitten, denn der Mantel des Schlosses enthält den Weichmacher DEHP in einer Menge, wie sie ab Mitte des kommenden Jahres verboten ist. Gesamtnote: befriedigend (2,6).

In Punkto Aufbrechen hat auch das Contec Powerlock sehr gut abgeschnitten, ebenfalls ein Bügelschloss, das sogar nur 18 Euro kostet. Allerdings ist auch dieses Schloss in der Kategorie Schadstoffe durch krebserregende Stoffe in seinem Plastikmantel mangelhaft aufgefallen. Gesamtnote: mangelhaft (5,5).

Und dass Gewicht doch nicht alles ist, beweist das Kettenschloss von XLC namens Dr. Mabuse III: Trotz seiner 2,9 Kilo wurde seine Aufbruchsicherheit nur mit der Note 4,2 bewertet. Und nach dem Korrosionstest ließ es sich gar nicht mehr öffnen. Gesamtnote: mangelhaft (4,6).

Ein guter Tipp

Fahrrad-Diebe sind meistens auf eine Schlossart spezialisiert, haben also zum Beispiel einen Drahtschneider dabei für Stahlschlösser oder eine Säge für Kettenschlösser. Wer sein Rad mit zwei Schlössern sichert, macht dem Dieb damit schon mal doppelte Arbeit. Und wer zwei unterschiedliche Schlösser verwendet, zum Beispiel ein Bügel- und ein Faltschloss, der schreckt damit den Dieb noch mehr ab. Zwei Schlösser haben zudem den Vorteil, dass man Vorder- und Hinterrad extra sichern kann.

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