Ein Radfahrer fährt auf einem roten Radweg in der Stadt (Foto: Pixabay / Pexels)

Fahrrad-Offensive – Wie fährt das Saarland?

  09.07.2021 | 00:00 Uhr

Es ist kostengünstig und umweltfreundlich, hält fit und bringt uns (fast) überall hin: das Fahrrad. Doch im Saarland wird es nur wenig genutzt. Der Anteil der Radfahrer am Straßenverkehr beträgt hier gerade mal drei Prozent, im Bundesdurchschnitt sind es dagegen um die zehn Prozent. Doch ein Umdenken hat bereits begonnen. Es wird an neuen Radwegekonzepten gearbeitet.

Beim Ausbau der Radwege hat das Saarland noch großen Nachholbedarf. Denn in der Vergangenheit stand bei der Verkehrsplanung in erster Linie das Auto im Mittelpunkt.

Radwege: Warum der Ausbau stockt
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Radwege: Warum der Ausbau stockt

Aber inzwischen tut sich was in den Kommunen. Viele haben bereits einen Radverkehrsbeauftragten. Es wird an Radwege-Konzepten gearbeitet. Bis die jedoch umgesetzt werden können, kann es allerdings dauern. Denn auch die Planung von Radwegen braucht Zeit.

Zudem ist für viele Strecken, etwa an den Landstraßen, zum Teil aber auch in den Städten und Gemeinden, der Landesbetrieb für Straßenbau (LfS) zuständig. Der wurde inzwischen zwar personell aufgestockt, dennoch lässt sich nicht alles auf einmal nachholen.

Mehr dazu in dieser Woche auf SR 1 :
Wir blicken auf die aktuelle Situation, stellen einen Radverkehrsbeauftragten vor, schauen uns verschiedene Konzepte an und anderes mehr. Die Beiträge gibt es anschließend hier zum Nachhören.


Es tut sich was - Eine erste Bilanz

Autofahrer und Radler im Saarland kommen nicht besonders gut miteinander aus. Radfahrer halten sich oft nicht an die Verkehrsregeln, beklagen die einen, die anderen erleben manche Autofahrer als rücksichtslos und gefährlich. Es gibt viel Verärgerung auf beiden Seiten, hat SR Reporter Marc-André Kruppa festgestellt.

Wie fährt das Saarland Rad?
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Wie fährt das Saarland Rad?
SR 1-Reporter Marc-André Kruppa hat Rückmeldungen der Hörer gesammelt.

Und bis sich die Lage auf den saarländischen Straßen verbessern wird, kann es noch dauern. Zwar hat inzwischen ein Umdenken begonnen, Radwege-Konzepte werden entwickelt, Bund und Land unterstützen die Sache mit Fördergeldern, dennoch braucht alles seine Zeit. Was in der Vergangenheit bei der Verkehrsplanung versäumt wurde, muss jetzt mühsam nachgeholt werden.

Das Problem: Es gibt vielerorts nicht genügend Platz für alle: für Autos, Radfahrer und Fußgänger. Auf einem schmalen Radweg neben einer vielbefahrenen Hauptstraße sind Radfahrer nun mal nicht sicher. Es gibt aber kaum mehrspurige Straßen, auf denen man genügend Platz für Radwege abzweigen könnte. Wer die Sache also konsequenter angeht, müsste daher an vielen Stellen die Autos zugunsten des Rads verbannen, so Kruppa.


Radfahrer müssen sich noch gedulden

Viele Verbesserungen noch in der Planungsphase
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Viele Verbesserungen noch in der Planungsphase

Die Situation für Radfahrer im Saarland soll sich in den nächsten Jahren deutlich verbessern. Darauf hat der Landesbetrieb für Straßenbau (LfS) nach einer SR-Mitmachaktion hingewiesen. Dabei wurden mehr als 150 Mängel im Radwegenetz gemeldet.

Viele Mängel sind bekannt und Verbesserungen in Arbeit. Doch bis zur Umsetzung kann es noch eine Weile dauern.

Reaktion auf SR-Radwege-Schwerpunkt
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Ringen um Fahrrad-Schutzstreifen

Für den Radwegeausbau braucht man Geld, Personal, eine gute Planung, und bestimmte Regeln müssen auch eingehalten werden. Das macht es für manche Kommune nicht leichter.

Beispiel Wadern. Jochen Kuttler, der Bürgermeister dieser Gemeinde, würde gern mehr für die Radfahrer tun und zumindest an kritischen Stellen wie Haupt- und Landstraßen sogenannte 'Fahrrad-Schutz-Streifen' anlegen.

Fahrrad-Schutz-Streifen sind keine Radwege im engeren Sinne. Sie werden mit gestrichelter weißer Linie auf der Fahrbahn markiert und müssen eindeutig mit einem Fahrrad-Symbol gekennzeichnet werden. Parken darf man dort nicht, Autos dürfen aber drüber fahren, wenn kein Rad auf dem Schutzstreifen unterwegs ist. Auch Abstände müssen eingehalten werden.

Ringen um Fahrrad-Schutzstreifen
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Ringen um Fahrrad-Schutzstreifen
SR 1-Reporter Marc-André Kruppa hat mit den Beteiligten gesprochen.

Einen solchen Schutzstreifen möchte Kuttler zum Beispiel gerne entlang der Losheimer Straße in Nunkirchen einrichten. Bislang ohne Erfolg. Denn dazu muss auch die Straßenverkehrsbehörde ihre Zustimmung geben - und die hat Bedenken, unter anderem wegen der Sicherheit für die Radfahrer.

Aber möglicherweise werden solche Absprachen zwischen Kommunen und Behörden bald leichter: Der Landkreis will nämlich im Herbst einen eigenen Radwegeplaner einstellen.


Armin Jung ist Radverkehrsbeauftragter in Kirkel

Zu den engagierten Kommunen in Sachen Radwegeausbau gehört Kirkel. Hier gibt es schon seit drei Jahren einen Radverkehrsbeauftragten: Armin Jung. Der hat in dieser Zeit nicht nur Problemzonen festgehalten und Konzepte erarbeitet, sondern auch schon manches umgesetzt. So können Radfahrer inzwischen zum Beispiel auf einem asphaltierten Weg von Kirkel nach Homburg radeln. Und eine Fahrradbrücke ist sein nächstes großes Projekt.

Kirkel hat einen Radverkehrsbeauftragten
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Kirkel hat einen Radverkehrsbeauftragten
SR-Reporter Marc-André Kruppa ist mit Armin Jung durch den Ort geradelt.


Überherrn setzt auf Bürgerbeteiligung

Gerhard Fischer ist Beauftrager der Gemeinde Überherrn für das neue Radwegekonzept. Er sieht in den Ortsdurchfahrten die größte Baustelle. Das hat auch eine Bürgerbefragung der Gemeinde Überherrn ergeben, die sie in Zusammenarbeit mit der Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) durchgeführt hat. Viele Anregungen der Bürger sind auf diese Weise in die Radwege-Konzepte für die einzelnen Ortsteile mit eingeflossen. So wurde zum Beispiel auch an die Fußgänger gedacht. Die Umsetzung wird allerdings noch einige Zeit in Anspruch nehmen. Für die Radfahrer wird es also nur Schritt für Schritt besser werden, so Fischer.

Überherrn setzt auf Bürgerbeteiligung
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Überherrn setzt auf Bürgerbeteiligung


Landkreis St. Wendel mit ortsübergreifendem Radwegekonzept

"Was den Alltagsradverkehr betrifft, da haben wir noch erheblichen Nachholbedarf, sagt der St. Wendeler Landrat Udo Recktenwald. Ein Radfahrer will keine Umwege machen; er will den kürzesten Weg nutzen, erklärt Andreas Veith, der Bürgermeister von Nohfelden. Im gesamtem Landkreis will man deshalb das Radfahren ortsübergreifend attraktiver machen. Denn es hilft nicht, wenn am Ortsausgang auch der Radweg endet. Das Konzept, das die Stadt St. Wendel bereits auf den Weg gebracht hat, soll deshalb nun auch für die anderen sieben Gemeinden beantragt werden.

Neues Radwegekonzept für den Landkreis St. Wendel
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Neues Radwegekonzept für den Landkreis St. Wendel


Wie gefährlich ist Radfahren in Saarbrücken?

Saarbrücken: Bemüht, aber noch zu wenige Radwege
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Saarbrücken: Bemüht, aber noch zu wenige Radwege

Das kommt auf die Route an, erklärt SR-Reporter Stephan Deppen, der viel mit dem Rad unterwegs ist. Entlang der Saar sei es eigentlich recht ungefährlich, so Deppen, ansonsten aber könne man schon unsicher werden, an Kreuzungen zum Beispiel oder auch auf Radwegen neben parkenden Autos. Der Zustand mancher Radwege lasse auch zu wünschen übrig. Dennoch wurde in Saarbrücken schon einiges verbessert und die erste Fahrradstraße in Alt-Saarbrücken soll noch im Juli fertig werden.

Der neue Radverkehrsbeauftragte der Stadt, Yannick Seinsoth, ist zuversichtlich, dass sich die Situation der Radfahrer in Saarbrücken auch noch weiter verbessern wird. Er will u.a. Lücken im Radwegenetz schließen, kritische Bereiche entschärfen und für mehr Abstellanlagen sorgen.


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