Ein Radfahrer befährt einen Fahrradstreifen zwischen zwei Fahrbahnen. (Foto: Pixabay/Pexels)

Was ist für Radfahrer erlaubt - und was nicht?

  30.07.2020 | 14:39 Uhr

Im Sommer lässt man sich auf dem Fahrrad gerne den Wind um die Nase wehen. Zudem kommt man zügig voran und überall schnell durch. Doch auch Radfahrer müssen sich an Regeln halten.

Muss ich mein Fahrrad durch die Fußgängerzone schieben oder reicht Schrittgeschwindigkeit aus? Was, wenn der Radweg blockiert ist? Darf ich dann auf dem Gehweg fahren? Wir klären, was man als Radfahrer darf und was man besser lassen sollte.

Gehwege

Grundsätzlich dürfen Radfahrer nicht auf dem Gehweg fahren.

Ausnahme: Kinder bis zum Alter von acht Jahren müssen sogar den Gehweg benutzen, so die Straßenverkehrsordnung, Kinder bis zehn Jahre dürfen noch den Gehweg nutzen. In solchen Fällen darf auch ein Erwachsener als Aufsichtsperson neben dem Kind auf dem Gehweg fahren.

Umfrage: Was dürfen Radfahrer?
Audio [SR 1, Marie Kribelbauer, 30.07.2020, Länge: 01:51 Min.]
Umfrage: Was dürfen Radfahrer?

Darüber hinaus erlaubt nur das weiße Verkehrszeichen 'Radfahrer frei' Erwachsenen die Fahrt auf einem Gehweg oder in einer Fußgängerzone, dann allerdings nur mit Schrittgeschwindigkeit (4 - 7 km/h) und ohne die Fußgänger zu behindern oder zu gefährden.

Wenn es keinen ausgewiesenen Radweg gibt, müssen Radfahrer auf der Straße fahren. Dabei sollten sie sicherheitshalber mindestens einen Meter Abstand zu parkenden Autos halten. Autofahrer müssen beim Überholen von Radfahrern innerorts einen Mindestabstand von 1,5 Metern einhalten, außerorts muss er sogar zwei Meter betragen. Auch Radfahrer müssen beim Überholen eines anderen Radfahrers auf ausreichenden Abstand achten. Zehn Zentimeter Abstand in Höhe der Ellbogen sind zu wenig, so ein Gerichtsurteil.

Verkehrszeichen: Radweg bzw. getrennter Geh- und Radweg (Foto: Pixabay/CopyrightFreePictures)

Radwege

Das runde Verkehrszeichen mit einem weißen Fahrrad auf blauem Grund kennzeichnet einen Radweg. Dieses Schild verpflichtet Radfahrer dazu, den Radweg zu benutzen. Das gilt auch, wenn ein gemeinsamer oder getrennter Geh- und Radweg für Fußgänger und Radfahrer durch das entsprechende Verkehrszeichen ausgeschildert ist.

Was ist für Radfahrer erlaubt - und was nicht?
Audio [SR 1, Marie Kriblbauer, 30.07.2020, Länge: 02:20 Min.]
Was ist für Radfahrer erlaubt - und was nicht?

Wenn der Radweg blockiert ist, zum Beispiel durch parkende Autos, eine Baustelle etc. oder wenn er in einem schlechten Zustand ist, dann müssen Radfahrer auf die Fahrbahn ausweichen. Wenn man absteigt, darf man aber auch den Gehweg nutzen, um das Hindernis zu umgehen.

Radwege dürfen nicht in Gegenrichtung befahren werden, es sei denn, sie sind als Zweirichtungsradwege ausgeschildert.

In vielen Städten gibt es inzwischen Radfahrstreifen. Diese Sonderwege für Radfahrer sind durch einen durchgezogenen weißen Strich von der Fahrbahn abgetrennt, manchmal auch noch rot eingefärbt. Radfahrer müssen diese Spur benutzen. Autos dürfen sie dagegen nicht befahren, hier auch nicht halten und schon gar nicht parken.

Schutzstreifen für Radfahrer (Foto: SR)

Schutzstreifen für Radfahrer am rechten Fahrbahnrand sind im Gegensatz dazu durch eine gestrichelte weiße Linie markiert. Radfahrer müssen sie benutzen, denn auch für Radfahrer gilt das Rechtsfahrgebot. Nur bei Bedarf dürfen andere Fahrzeuge die Linie überfahren, zum Beispiel, um auszuweichen oder wenn zu wenig Platz ist und Radfahrer dabei nicht gefährdet werden.

Ampeln

Wenn es für Radfahrer keine eigene Ampel gibt, dann gilt für sie die Fahrbahnampel, nicht die Fußgängerampel. Rot bedeutet dann auch für Radfahrer: stehen bleiben. Allerdings ist es erlaubt, wenn es der Platz zulässt, rechts an den stehenden Autos vorbei nach vorne zu fahren, natürlich langsam und vorsichtig. Langsam rollende Autos darf man allerdings nicht überholen.

Wer als Radfahrer eine rote Ampel überfährt, riskiert bis zu 100 Euro Bußgeld, bei einer Gefährdung anderer Verkehrsteilnehmer kann es sogar bis zu 160 Euro kosten plus einen Punkt in der Flensburger Kartei.

Zebrastreifen

An einem Zebrastreifen haben nur Fußgänger und Rollstuhlfahrer Vorrang. Das gleiche gilt für Radfahrer nur dann, wenn sie absteigen und ihr Rad über den Zebrastreifen schieben.

Für den, der mit dem Rad über den Zebrastreifen fährt, müssen die Autos nicht anhalten. Vielmehr muss ein Radfahrer auf der Fahrbahn anhalten, wenn ein Fußgänger den Zebrastreifen überqueren will.

Einbahnstraßen

Radfahrer dürfen Einbahnstraßen nur dann gegen die Fahrtrichtung befahren, wenn es ein entsprechendes Verkehrsschild erlaubt, d. h. wenn das Verkehrsschild 'Einfahrt verboten' mit dem Zusatzschild 'Radverkehr frei' ergänzt wird. Andernfalls darf nicht in Gegenrichtung gefahren werden, weder auf der Straße noch auf dem Gehweg.

Radfahrer in beiden Richtungen erlaubt (Foto: Pixabay/CopyrightFreePictures)

Nebeneinander fahren

Die Straßenverkehrsordnung erlaubt es Radfahrern inzwischen, nebeneinander zu fahren, wenn der Verkehr dadurch nicht behindert wird.

Helm tragen

Eine Helmpflicht gibt es für Radfahrer in Deutschland nicht. Dennoch ist das Tragen eines Helms zu empfehlen, weil er im Falle eines Unfalles vor schweren Kopfverletzungen schützt. Das gilt ganz besonders für alle, die mit Mountainbike- oder Rennrädern recht sportlich unterwegs sind. Da sie als 'besonders gefährdete Gruppe' mit einem 'höheren Verletzungsrisiko' eingestuft werden, könnte ihnen bei einem Unfall ohne Helm eine Mitschuld angelastet werden.

Kopfhörer / Handy

Musik hören während der Fahrt ? Die Straßenverkehrsordnung erlaubt Radfahrern das Tragen von Kopfhörern, allerdings darf die Musik nur so laut sein, dass man den Verkehr noch problemlos akustisch wahrnehmen kann. Andernfalls droht ein Bußgeld. Und das Abspielgerät darf man während der Fahrt auch nicht in der Hand halten.

Das Handy am Ohr ist für Radfahrer allerdings tabu. Damit während der Fahrt zu telefonieren ist verboten bzw. nur mit einem Headset erlaubt. Allerdings darf man das Gerät während der Fahrt nicht in der Hand halten; zum Wählen oder zum Annehmen eines Anrufs muss man also absteigen.

Alkohol am Lenker

Auch als betrunkener Radfahrer kann man seinen Führerschein verlieren. Wer mit 1,6 Promille oder mehr auf dem Rad unterwegs ist, gilt als fahruntüchtig und begeht eine Straftat. Neben einem satten Bußgeld und Punkten in Flensburg kann auf den Betroffenen auch eine medizinisch-psychologische Untersuchung zukommen, besser bekannt als 'Idiotentest', die unter Umständen ein Fahrverbot nach sich ziehen kann. Doch auch schon mit 0,3 Promille kann man bei einem Unfall haftbar gemacht werden.

Weitere Infos



Auch Thema auf SR 1 am 30.07.2020 in der Sendung 'Balser & Mark. Dein Morgen'.

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