Tätowierer beim Tattoo-Stechen (Foto: Pixabay/xumux)

Viele Tattoo-Farben ab Januar verboten

  15.10.2021 | 00:00 Uhr

Bunte Tattoos sind schön anzusehen. Aber ab dem kommenden Jahr gehen den Tätowierern die Farben aus. Dafür sorgt eine neue EU-Verordnung, die viele Inhaltsstoffe verbietet. Zum Schutz der Gesundheit.

Das geht vielen Tätowierern unter die Haut, ihren Kunden und Kundinnen dafür künftig nicht mehr: Ab dem 4. Januar 2022 sind viele Stoffe, die derzeit noch in Tattoo-Farben enthalten sind, EU-weit verboten. Das schreibt die EU-Chemikalienverordnung REACH der europäischen Chemikalienagentur ECHA ab dem kommenden Jahr vor.

Zum Schutz der Gesundheit

Von Tattoo-Farben gehen grundsätzlich gesundheitliche Risiken aus. So kann sich ein Tattoo gleich nach dem Stechen entzünden, seine Farbpigmente können aber auch nach Jahren erst eine Beeinträchtigung auslösen. Mit dem Verbot Tausender bedenklicher Substanzen soll das Tatowieren sicherer gemacht und die Gesundheit der Tattoo-Fans geschützt werden.

Gefährliche Chemikalien

Verbot von bestimmten Farben: Frust bei Tattoofans
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Verbot von bestimmten Farben: Frust bei Tattoofans
Viele Tattoofans und auch der Bundesverband der Tätowierer können das Verbot nicht ganz verstehen.

Viele Tattoo-Tinten, farbige wie auch schwarze, enthalten nämlich gefährliche Chemikalien, aromatische Stoffe wie auch Konservierungsmittel und Schwermetalle, hat uns der Chemiker Michael Guilbudagian vom Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) erklärt. Manche dieser Stoffe können Hautreizungen, Entzündungen oder auch allergische Reaktionen auslösen, andere gelten als krebserregend. Die neue Verordnung hat zur Folge, dass ab dem kommenden Jahr ein erheblich großer Teil der bisherigen Tattoo-Farben nicht mehr verkauft und auch nicht mehr verwendet werden darf. Und das in allen Ländern der EU. Schätzungsweise zwei Drittel aller derzeit eingesetzten Tattoo-Farben sind davon betroffen.

Warten auf Alternativen

Das bringt viele Tätowierer in Schwierigkeiten. Sie, die schon durch die Corona-Maßnahmen hohe Verdienstausfälle hinnehmen mussten, stehen jetzt vor einem neuen Problem - und hoffen darauf, dass die Hersteller rechtzeitig Alternativen auf den Markt bringen können. Doch unter das Verbot fallen so viele Produkte, dass die Hersteller nicht für alle zugleich, sondern nur ganz langsam REACH-konforme Farben entwickeln können, erklärt Rechtsanwalt Urban Slamal: "Wir werden wohl noch ein bisschen brauchen, bis uns nach Januar 2022 tatsächlich eine einigermaßen komplette Farbpalette zur Verfügung steht."

Langfristig gesehen werden Tätowierungen aber sicherer, so Slamal, wenn es gelingt, Tattoo-Tinten ohne all diese problematischen Substanzen herzustellen.

2023 weitere Verbote

Auch die beiden Pigmente Blue 15 und Green 7 stehen unter dem Verdacht, krebserregend zu sein. In bestimmten Kosmetika sind sie daher bereits verboten. Und ab 2023 darf damit auch nicht mehr gestochen werden. Da sie aber in rund zwei Dritteln aller Tattoo-Farben enthalten sind, bringt diese Vorschrift die Branche in Not. Viele Tätowierer bangen um ihre Existenz.

Unter dem Namen 'Save the Pigments' hat sich daher bereits europaweit eine große Protestbewegung entwickelt, die gegen diese zusätzliche Einschränkung kämpft. Die Widerständler kritisieren unter anderem, dass keine Langzeitstudien über Gesundheitsschädigungen durch diese Tattoo-Farben vorliegen. Außerdem befürchten sie, dass die Leute sich dann eben im außereuropäischen Ausland ihr Tattoo stechen lassen.


Auch Thema auf SR 1 am 15.10.2021 in der Sendung 'Dein Morgen im Saarland'.

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