Küchenbrett mit Brokkoli, Tomaten, Knoblauch, Radieschen, Pfeffer, Sternanis, Frühlingszwiebeln u.a. (Foto: Pixabay/ sansoja)

Warum wir manche Speisen nicht mögen - und dann doch

  20.08.2021 | 00:00 Uhr

Spinat, Zwiebeln, Brokkoli ... - Als Kinder mögen wir oft verschiedene Lebensmittel nicht; bei manchen bleibt das so ein Leben lang, bei anderen kommen wir als Erwachsene doch noch auf den Geschmack. Denn: Auf das, was uns schmeckt, haben ganz verschiedene Faktoren Einfluss.

"Je älter wir werden, desto mehr mögen wir."
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"Je älter wir werden, desto mehr mögen wir."
SR 1-Moderator Christian Balser ist unter anderem mit einem Psychologe der Frage nach Essvorlieben nachgegangen.

Biologisch gesehen mögen wir grundsätzlich alles, was ein langes Überleben verspricht, erklärt der Göttinger Ernährungspsychologe Thomas Ellrott. Daher bevorzugen wir in erster Linie kaloriendichte Lebensmittel mit viel Fett und Stärke. Denn: Viele Nahrungskalorien sind evolutionsbiologisch gesehen die Garantie fürs Überleben. Lebensmittel, die weniger kaloriendicht sind wie Salat oder Gemüse müssen wir daher erst essen lernen. Bei Kindern dauert das seine Zeit, so Ellrott, was viele Eltern sicher bestätigen können. Darüber hinaus haben viele weitere Faktoren Einfluss auf die Entwicklung unseres Geschmacks:

Individuelle Esskultur

Da ist zunächst die Esskultur, in die man hineingeboren wird, also das, was zuhause auf den Tisch kommt. Das beginnt schon mit der Muttermilch: Über das, was die Mutter während der Schwangerschaft oder in der Stillzeit isst, lernt das Ungeborene oder Neugeborene schon dessen Geschmack. "Und aus Experimenten weiß man: Was die Kinder im Mutterleib oder über die Muttermilch kennengelernt haben, das mögen sie später auch", so Ellrott.

Die Eltern haben zudem beim Essen eine Vorbildfunktion. Wenn sie etwas gerne essen, schmeckt es oft auch den Kindern gut. Wenn das nicht bei jedem Kind so ist, kann das an dem üblichen Wettstreit zwischen Geschwistern liegen, erklärt Ellrott. Was das eine Kind mag, will das andere dann erst recht nicht, um sich individuell von den Geschwistern abzugrenzen.

Kind beim Kochen (Foto: pixabay / congerdesign9)

Manchmal hilft es auch, die Kinder miteinzubeziehen, sie also mitkochen zu lassen, indem man ihnen kleine Aufgaben überträgt: Sie können zum Beispiel Gemüse waschen oder in kleinere Stücke schneiden. Auf diese Weise bauen die Kinder eine emotionale Bindung zu dem Lebensmittel auf, und es schmeckt ihnen dann auch.

Auf das, was man mag, hat schließlich auch die Peer Group Einfluss, also die anderen Kinder, mit denen man zusammen aufwächst, und was bei ihnen gegessen wird.

Essvorlieben ändern sich

Was man als Kind nicht gern gegessen hat, kann man als Erwachsener dennoch mögen. Die Situation, in der wir etwas Bestimmtes serviert bekommen, spielt dabei oft eine große Rolle: Je positiver die Situation ist, in der wir etwas Neues oder bislang Verschmähtes essen, desto eher mögen wir es. Unsere Stimmung, unsere Emotionen in dieser Situation fließen nämlich in die Bewertung des Essens mit ein. Und auf einmal schmecken uns dann vielleicht Dinge, die wir vorher nicht gegessen haben.

Hinzu kommt: Je älter wir werden, umso aufgeschlossener werden wir auch, was neue Lebensmittel und Geschmacksrichtungen angeht, erklärt Ellrott. Durch unsere lebenslange Erfahrung können wir die biologisch verankerte Neophobie, also die Angst vor etwas Neuem, überwinden. Dieser Schutzmechanismus der Evolution soll verhindern, dass man etwas isst, was einen vielleicht vergiften oder töten könnte. Doch mit den Jahren lernen wir, dass all das, was wir probiert haben, ungefährlich war. Wir schauen also im wahrsten Sinne des Wortes über den Tellerrand, probieren weiter Neues, lernen andere Esskulturen kennen - für Ellrott ein Geschenk des Lebens.

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Auch Thema auf SR 1 am 20.08.2021 in der Sendung 'Dein Morgen im Saarland'.

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