Flugzeug am Himmel (Foto: pixabay/ThePixelman)

Mein Recht als Fluggast

  13.07.2018 | 11:41 Uhr

Sommerzeit ist Reisezeit, und viele Weltenbummler fliegen an ihr Urlaubsziel. Überbuchungen, Verspätungen oder Annullierungen sind dabei meist mehr als nur ärgerlich. Tina Dreistadt ist Anwältin mit Schwerpunkt Reiserecht und weiß, welche Ansprüche Reisende dann geltend machen können.

Urlauber mit Fernweh fliegen meist zu ihren Reisezielen, doch bei Verspätungen, Annullierungen oder Überbuchungen ist die Freude schnell dahin.

Höhe der Ausgleichszahlungen

Flüge bis 1500 km: 250 Euro
Flüge bis 3500 km: 400 Euro
Flüge ab 3500 km : 600 Euro
pro Fluggast

Ab drei Stunden Verspätung stehen den Fluggästen Ausgleichszahlungen zu. "Es ist ein reiner Schadenersatzanspruch", erklärt Anwältin Tina Dreistadt, "der die Verspätungen und alles was damit zusammenhängt abgelten soll."

Neben den Ausgleichszahlungen haben Fluggäste unter Umständen Anspruch auf weiteren Schadenersatz, zum Beispiel bei Lohnausfällen. Vor Ort müssen die Fluggesellschaften außerdem für Verpflegung (Mahlzeiten, Getränke) sorgen. Außerdem müssen Luftfahrtunternehmen für etwaige Rücktransporte (zum Beispiel im Taxi) aufkommen.

Wichtig für die Betroffenen ist, in jedem Fall nicht nur alle Buchungsunterlagen aufzuheben, sondern sich auch sämtliche Ausgaben (z.B. für Verpflegung, Taxi etc.) quittieren zu lassen, um sie genau nachweisen zu können. Es kann auch hilfreich sein, mit anderen Betroffenen die Kontaktdaten auszutauschen, um später eventuell Zeugen benennen zu können.

Wie kann man seine Ansprüche geltend machen?

Was tun bei Verspätungen und Annullierungen?
Audio
Was tun bei Verspätungen und Annullierungen?

Normalerweise kann man noch am Flughafen die Formulare ausfüllen, um seinen Schadenersatzanspruch geltend zu machen. Doch wenn dann alle Betroffenen am Schalter Schlange stehen, wird vielen die Wartezeit zu lang.

Man kann sich nach der Reise auch direkt an die Airline wenden, am besten schriftlich. Das Schreiben sollte deutlich machen, dass man Ausgleichzahlungen geltend machen möchte, auch den Grund dafür nennen (Verspätung, Annullierung o.ä.), und die Flugnummer sowie das Datum des Fluges enthalten. Zudem sollten man der Airline eine Frist setzen von etwa zwei bis drei Wochen.

In einem ersten Schritt kann man dafür das Kontaktformular auf der Homepage der betroffenen Fluglinie nutzen. Nachteil: Man hat keine Kopie als Nachweis. Wenn das Unternehmen nicht reagiert, dann empfiehlt es sich seine Ansprüche noch einmal per Einschreiben geltend zu machen.

Die Verjährungsfrist beträgt nach deutschem Recht drei Jahre zum Jahresende. Das heißt bis zum 31.12.2018 können auch noch Fluggäste Schadensersatzansprüche stellen, die 2015 geflogen sind.

Keinen rechtlichen Anspruch auf Schadenersatz hat man im Falle von höherer Gewalt, also wenn zum Beispiel Unwetter oder Streiks der Grund für die Verspätung oder den Flugausfall sind. In solchen Fällen ist man auf die Kulanz der Airline angewiesen.

Weitere Informationen

Fluggastrechte
Wer zahlt, wenn der Flieger nicht abhebt?
Welche Rechte haben Lufthansa-Passagiere, wenn ihre Flüge Verspätungen haben oder ausfallen? Wer kommt für zusätzliche Kosten auf? Und wo bekommen Reisende Informationen?


Auch Thema auf SR 1 am 13.07.2018 in der Sendung "Balser & Mark. Dein Morgen".

Artikel mit anderen teilen