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Gas wird immer teurer

  19.08.2022 | 08:02 Uhr

Vielen Haushalten bereitet die aktuelle Entwicklung große Sorgen. Denn Gas wird immer teurer: Zum einen erhöhen viele Stadtwerke ihre Preise, zum anderen kommt ab Oktober noch die Gasumlage hinzu. Was bedeutet das für die Verbraucher? Und auf welche Entlastungen können sie hoffen?

Derzeit wird einfach alles teurer: Lebensmittel, die Lebenshaltungskosten überhaupt und ganz besonders die Energie, ganz egal ob Strom, Kraftstoff, Heizöl oder Gas.

Preiserhöhungen der Stadtwerke

Rund die Hälfte der Haushalte in Deutschland heizt mit Gas, ist also von den aktuellen Preissteigerungen betroffen. Der Marktpreis für Gas hat sich bereits vervielfacht; zeitweise war er schon zehnmal höher als noch vor zwei Jahren. Daher haben manche Stadtwerke wie die in Merzig, Völklingen, St. Ingbert und Blieskastel ihren Kunden bereits deutliche Preiserhöhungen angekündigt. Sie liegen im Schnitt bei etwa 3,2 Cent/kWh zzgl. Mehrwertsteuer.

Zwar haben die Versorger mit ihren Lieferanten meist langfristige Verträge zu festen Preisen abgeschlossen, doch wenn die auslaufen, muss danach zu den teuren aktuellen Marktpreisen eingekauft werden. Das müssen die Stadtwerke zumindest teilweise an ihre Kunden weitergeben.

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Energiekosten und Entlastungspakete: Was ist geplant?
Audio [SR 1, (c) Frank Falkenauer, Maren Dinkela, 19.08.2022, Länge: 02:19 Min.]
Energiekosten und Entlastungspakete: Was ist geplant?

Gasumlage

Auch Zwischenhändler wie zum Beispiel uniper müssen derzeit teuer am Markt einkaufen. Um sie abzusichern wurde die Gasumlage eingeführt; damit sollen die Mehrkosten ausgeglichen werden. Die Gasumlage gilt ab Oktober für alle Gaskunden bundesweit und beträgt einheitlich rund 2,4 Cent/kWh zzgl. Mehrwertsteuer.

Beispielrechnung

Was bedeutet das für die Verbraucher? Eine 4-Personen-Durchschnittsfamilie verbraucht etwa 20.000 kWh im Jahr. Die Gasumlage kostet sie 480 Euro im Jahr, eine Gaspreiserhöhung von zum Beispiel 4 Cent/kWh macht 800 Euro aus, das bedeutet zusammen eine zusätzliche Belastung von 1280 Euro netto, d.h. die Mehrwertsteuer kommt noch dazu.

Die Bundesregierung hat angekündigt, dass sie die Mehrwertsteuer auf Gas von 19 auf 7 Prozent senken will. Das gilt nicht nur für die Umlage, sondern für den gesamten Gasverbrauch. Das bedeutet für die Beispielfamilie, dass noch rund 90 Euro - statt rund 240 Euro - Mehrwertsteuer hinzukommen. Sie muss für ihr Gas also im Jahr etwa 1370 Euro mehr zahlen als bisher.

Den Anbieter zu wechseln ist derzeit wahrscheinlich keine gute Option. Wer bei Vergleichsportalen nachschaut, stellt fest, dass dort die günstigsten Angebote derzeit bei knapp 30 Cent/kWh liegen. Im Vergleich dazu sind die saarländischen Stadtwerke trotz Preiserhöhungen mit 11 bis 20 Cent/kWh immer noch deutlich günstiger. Bei einem Durchschnittsverbrauch von 20.000 kWh machen 10 Cent Unterschied Kosten von 2000 Euro mehr oder weniger aus.

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Steigende Energiekosten und gesenkte Mehrwertsteuer
Audio [SR 1, (c) Frank Falkenauer, Maren Dinkela, 19.08.2022, Länge: 02:13 Min.]
Steigende Energiekosten und gesenkte Mehrwertsteuer

Entlastungen

Der geringere Mehrwertsteuersatz auf Gas soll für den gesamten Zeitraum der Gasumlage gelten, also ab Oktober 2022 bis Ende März 2024.

Darüber hinaus erhalten Erwerbstätige einmalig eine Energiepreis-Pauschale von 300 Euro, ganz gleich womit sie heizen. Das Geld wird im September gezahlt bzw. mit der Einkommenssteuer verrechnet.

Außerdem plant die Bunderegierung ein weiteres Entlastungspaket. Diskutiert werden u.a. für Wohngeldempfänger eine Erhöhung des Wohngeldes und ein Heizkostenzuschuss, für Hartz IV-Empfänger ein sogenanntes Bürgergeld sowie eine Anpassung der Steuersätze an die Inflation.


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Auch Thema am 19.08.2022 in der Sendung 'SR 1 - Die Morningshow'.

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