Inflation Illustration (Foto: Patrick Pleul/dpa)

Gaspreise steigen - was tun?

  04.11.2021 | 06:50 Uhr

Viele Haushalte heizen mit Gas. Weil es günstig war. Doch die wohlige Wärme wird deutlich teurer. Woran liegt das ? Und was kann man tun?

Deutliche Preissteigerungen

Keine schönen Aussichten: Gas wird im kommenden Jahr teurer. Rund 100 Grundversorger haben ihren Kunden bereits mitgeteilt, dass sie die Gaspreise erhöhen müssen.

Im Schnitt steigen die Preise um 17 Prozent an. "Bei einem Haushalt, der im Jahr etwa 20.000 kWh verbraucht, bedeutet das Mehrkosten von 263 Euro pro Jahr", hat Steffen Suttner vom Vergleichsportal check24 ausgerechnet.

Ursache für die Preissteigerungen sind überwiegend höhere Beschaffungskosten. Manche Gasversorger müssen derzeit für Gas bis zu 450 Prozent mehr bezahlen als noch vor einem Jahr. Eine Folge ihrer Einkaufsstrategie, erklärt Energie-Experte Jürgen Döschner vom WDR: Wer darauf gehofft hat, dass der Gaspreis stabil bleibt oder sogar sinkt, hat deshalb eher kurzfristig eingekauft. Und muss jetzt die erheblichen Teuerungen am Markt hinnehmen. Andere Gasversorger haben dagegen langfristige Verträge abgeschlossen und sich auf diese Weise günstigere Preise gesichert Diese Versorger sind jetzt in einer besseren Situation. So kommt es auch, dass manche Versorger ihre Preise nur moderat erhöhen und andere mehr als das Doppelte verlangen müssen.

Preiserhöhung - was tun?

Bei einer Preiserhöhung fein raus sind jene Kunden, die einen Vertrag mit einer Preisgarantie haben. Aber auch da gibt es Unterschiede, erklärt Eva Ludwig von der Verbraucherzentrale des Saarlandes:

Eine vollumfängliche Preisgarantie gilt für den kompletten Preis. Bei einer eingeschränkten Preisgarantie kann der Preis unter Umständen erhöht werden. Hier ist es häufig so, dass für bestimmte Kostenbestandteile wie zum Beispiel Steuern, Abgaben, Umlagen keine Garantie gegeben wird. Teuerungen hier dürfen dann weitergegeben werden. Wenn allerdings die Beschaffungskosten steigen, dann greift die Preisgarantie, so Ludwig.

In diesem Fall darf auch der Abschlag nicht einfach erhöht werden. Denn das ist nur erlaubt, wenn sich entweder das Verbrauchsverhalten verändert hat oder zuvor der Preis erhöht wurde, so die Expertin der Verbraucherzentrale.

Über eine Preiserhöhung muss der Energieversorger seine Kunden per Post informieren. Denn wenn er die Preise erhöht, hat man als Kunde ein Sonderkündigungsrecht. Dabei ist es derzeit natürlich schwierig, zu einem günstigeren Anbieter zu wechseln, da quasi alle teurer werden.

Eine andere Möglichkeit ist, so Eva Ludwig, der Preiserhöhung zu widersprechen, wenn man sie für unwirksam hält. Weil man zum Beispiel eine Preisgarantie hat. Oder weil man nicht per Brief über die Erhöhung informiert worden ist. Im Zweifelsfall hilft hier auch die Verbraucherzentrale weiter.

Langfristig an eine neue Heizung denken

Günstig wird Gas wohl nicht mehr werden, so Döschner, das ist das Signal weltweit. Denn die Verteuerung fossiler Brennstoffe ist auch politisch gewollt. So wird die CO2-Abgabe weiter steigen. Und weil schon jetzt klar ist, dass die fossilen Energieträger langfristig keine Zukunft mehr haben, wird in diesem Bereich auch weniger in Technik und Förderung investiert. Auch das treibt die Preise nach oben.

Doch je höher der Gas- oder Erdölpreis steigt, umso mehr lohnt es sich, über den Einbau einer neuen Heizung nachzudenken. Und sich dabei für einen nicht fossilen Energieträger zu entscheiden.

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Auch Thema auf SR 1 am 04.11.2021 in der Sendung 'Dein Morgen im Saarland'.

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